Bolivien

Landverteilung verschärft Konflikt – das Beispiel Santa Cruz


(Buenos Aires, 16. September 2008, alc).- Dem Konflikt in Bolivien liegt zu einem guten Teil auch die Frage nach der Verteilung des Agrarlandes zugrunde. Indigene Bevölkerung und Bauerngemeinden fordern, dass ihnen Gebiete zurückgegeben werden, die ihnen abgenommen worden sind. Unterdessen haben Landbesitzer, die sich zu einem Teil in der Vereinigung der Viehzüchter Congabol (Confederación de Ganadores de Bolivia) und in anderen Arbeitgeberverbänden organisieren, ein gremienübergreifendes Komitee gebildet, um die Konfiszierung von „produktivem Privateigentum“ zu verhindern.

So stellt es der Vize-Landminister Boliviens Alejandro Almaraz fest, der sich auf Angaben der Nationalen Agrarreformbehörde INRA (Instituto Nacional de Reforma Agraria) bezieht. Danach hat der Staat von 1953, als Bolivien die erste Agrarreform durchlebte, bis 2002 ca. 35,9 Mio. h Land im Departament Santa Cruz verteilt. In Santa Cruz konzentrieren sich oppositioneller Widerstand und Sabotage gegen die Zentralregierung.

Die Agrarreform in den 1950er Jahren kam 114.100 Menschen zugute. Von diesen haben 54.000 Kleingrundbesitzer – 38% der Gesamtanzahl – 2,2 Mio. h Land erhalten – 6,3 % des insgesamt verteilten Landes. Etwas mehr als 22.000 Landbesitzer mittleren Einkommens erhielten 7,3 Mio. h (20,5% des insgesamt verteilten Landes). Auf der anderen Seite erhielten 11.100 Großlandwirte (7,7% der in der Reform mit Land bedachten Personen), die im Agroexportgeschäft tätig sind, fast 19 Mio. h Land – 52% des insgesamt verteilten Landes.

Man schätzt, dass heute 246 Agrarunternehmer*innen Ländereien zwischen 10.000 und 20.000 h besitzen; 20 Grossgrundbesitzer*innen verfügen über jeweils 20.000 bis 50.000 h; und die vier reichsten Grossgrundbesitzer besitzen im Departament Santa Cruz mehr als 50.000 h Land. Die Summe der Landfläche, die sich in den Händen der vier größten Landbesitzer Santa Cruz konzentriert, beziffert sich auf 802.800 Hektar.

Von offizieller Seite wurde auch darauf hingewiesen, dass Vize-Landminister Alejandro Almaraz und der INRA-Vorsitzende Juan Carlos Rojas immer wieder versucht hätten, Gemeindeland (Tierra Comunitaria de Orgien, TCO) für die im Alto Parapetí ansässigen Guaraní einzurichten. Bei dem Vorhaben wurden sie vom Interamerikanischem Gerichtshof der Organisation Amerikanischer Staaten unterstützt. In drei Fällen sei die Durchführung des Prozesses von bewaffneten Milizen der Landbesitzer verhindert worden.

Nach Meinung von Alejandro Almaraz habe die „autonome Republik“ Santa Cruz nicht das mindeste Interesse daran, die unangemessene Landverteilung zu korrigieren, ganz im Gegenteil. Man lasse nichts unversucht, die Überschreibung von Territorien an indigene Gemeinden zu verhindern.

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