Guatemala

Landesweite Bauernproteste in Guatemala


Von Barbara Klitzke Rozas

Guatemala_Blockade am Knotenpunkt Cuatro Caminos-Totonicapan, Bildquelle: Facebook.com

Guatemala_Blockade am Knotenpunkt Cuatro Caminos-Totonicapan, Bildquelle: Facebook.com

(16. Mai 2016, amerika21.de).- Mehrere tausend Kleinbauern und Kleinbäuerinnen haben in Guatemala 29 zentrale Hauptverkehrsachsen im ganzen Land blockiert, um auf Ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Zum nationalen Streik am 11. Mai hatten die Nationale Koordination der Bauernorganisationen, das Komitee für die Bäuerliche Entwicklung (CODECA) und der Verband der Bauernorganisationen aus Vera Paz (UVOC) aufgerufen.

Plurinationale verfassungsgebende Versammlung

Der Staat kümmere sich weiterhin nicht um die Forderungen der guatemaltekischen Bevölkerung, heißt es in dem Aufruf der Organisatoren. Die verschiedenen lokalen und nationalen Organisationen stellten der Regierung hauptsächlich drei Forderungen: Eine Re-Nationalisierung der öffentlichen Dienste und Unternehmen, die privatisiert wurden. Damit verbunden ist die Forderung, die Subventionen an Großunternehmen aufzuheben und die Konzessionen von Wasserkraftwerken, Agro- und Bergbauunternehmen rückgängig zu machen, da diese soziale Konflikte verursachen, Land und Flüsse verschmutzen und den Gemeinden den Zugang zum Wasser verwehren.

Zweitens wird die Gewährung der Ernährungssicherheit verlangt. 15 Prozent der Landwirtschaftsfläche müssten dem Anbau des Grundnahrungsmittels Mais zur Verfügung gestellt werden. Eine dritte Forderung ist die Reform des politischen Systems. Korrupte Kongressabgeordnete müssten zurücktreten und eine plurinationale verfassungsgebende Versammlung einberufen werden.

Codeca fordert Ende der Menschenrechtsverletzungen

Delegierte der beteiligten Organisationen führten in Guatemala-Stadt Gespräche mit Vizepräsident Jafeth Cabrera und dem Präsidenten des Parlaments, Mario Taracena. Cabrera versicherte ihnen, dass es eine Priorität des Präsidenten Jimmy Morales sei, die Probleme der Nation mittels Dialog anzugehen. Er werde drei „Runde Tische“ über Kriminalisierung, Strom- und Bergbau und Zugang zu Land einrichten. Eine erste Dialogrunde solle am 20. Mai beginnen.

Francisco Sandoval von Codeca brachte im Verlauf des Treffens die Forderung der Protestierenden nach Beendigung der Kriminalisierung, Verfolgung und Ermordung von Gewerkschafts- und indigenen Führer*innen vor. Dies sei eine Jahrzehnte andauernde entwürdigende Situation von Menschenrechtsverletzungen.

Obwohl die guatemaltekische Handelskammer eine Anordnung des Verfassungsgerichtes veranlasste, jegliche Behinderung des Verkehrs sei sofort polizeilich aufzulösen, fanden dank dem Sicherheitsprotokoll durch Vermittlungen der Menschenrechtsombudsstelle keine gewaltsamen Räumungen der Blockaden und keine Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstrant*innen statt.

(Mit Informationen von nodal / prensa latina / prensa comunitaria)

CC BY-SA 4.0 Landesweite Bauernproteste in Guatemala von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

„Der guatemaltekische Staat braucht eine wahrhaftige Revolution“ – Interview mit der indigenen Journalistin und Buchautorin Irma Alicia Velásque... Von Carol Rivas, FGER* Irma Alicia Velasquez am 26. Januar 2015. Foto: Flickr/US Embassy Guatemala (CC BY-NC-ND 2.0) (San José, 28. Januar 2016, voces nuestras).- Seit Mitte Januar ist Jimmy Morales neuer Präsident Guatemalas. Seine Wahl im Herbst galt als Protestwahl – nachdem Ex-Präsident Otto Pérez Molina und verschiedene Führungspersönlichkeiten seiner Regierung über das letzte Jahr hinweg über Korruptionsskandale gestürzt waren. Doch Morales Kandidatur wurde von d...
Prozess gegen Militärs im Fall „Sepur Zarco“ Von Markus Plate. Bild vom Prozess iin Guatemala. Foto: Cerigua In Guatemala geht die Aufarbeitung der Verbrechen der jahrzehntelangen Militärdiktatur langsam, aber kontinuierlich voran. Anfang Februar begann in Guatemala-Stadt der Prozess gegen zwei Militärangehörige wegen sexueller Sklaverei an Indígena Frauen. Im Fall „Sepur Zarco“ werden Vergewaltigungen zum ersten Mal als das untersucht, was die guatemaltekische Wahrheitskommission schon Ende der Neunziger Jahre ...
Forderungen nach Rücktritt von Präsident und Abgeordneten Von Barbara Klitzke Rojas Protest am 15. September vor dem Kongressgebäude von Guatemala-Stadt. Foto: Carlos Sebastián/nomada.gt (CC BY-SA) (Guatemala-Stadt, 17. September 2017, amerika21).- In Guatemala ist es inmitten einer anhaltenden Staatskrise wegen Korruption zu einem heftigen Konflikt zwischen der Regierung von Präsident Jimmy Morales und den Vereinten Nationen gekommen. Zuletzt hatte Präsident Morales den Leiter der Internationalen Komm...
Verdacht auf Massaker an unkontaktierten Indigenen Von Roger Tunque Nicht kontaktierte Indigene auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2010. Foto: Servindi (Lima, 12. September 2017, servindi).- Im brasilianischen Bundesstaat Amazonas soll im August ein Massaker an unkontaktierten Indigenen verübt worden sein, dem mindestens ein Dutzend Indigene, darunter Kinder und Frauen, zum Opfer gefallen sein soll. Das brasilianische Bundesinnenministerium der Stadt Tabatinga hat Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Massaker aufgenommen, nac...
NAFTA: Irreführende Botschaften Von Ana de Ita Was kann die Neuverhandlung von NAFTA bringen? / Mexikanische Ackerfurche, Foto: Neil Smitz, CC_BY-NC-SA_2.0, flickr (Mexiko-Stadt, 10. September 2017, la jornada).- Zu Beginn der zweiten NAFTA-Verhandlungsrunde, die mit seinem fünften Regierungsbericht zusammenfiel, verbreitete der mexikanische Präsident Peña Nieto: „Wir sind der zwölftgrößte Nahrungsmittelproduzent in der Welt...Erstmals in 20 Jahren exportieren wir mehr Lebensmittel als wir importiere...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.