Haiti Uruguay
Fokus: Menschenrechte 2011

La isla bonita


MINUSTAH im Einsatz / United Nations Photo, flickr.jpg(Montevideo, 5. September 2011, la diaria/npl) Der Oberkommandierende der Marine, Alberto Caramés, hat am 4. September den Kommandanten des Uruguayischen Marinekontingents URUMAR (Contingente Marítimo Uruguayo) seines Postens enthoben. URUMAR ist der Name der Marine-Einheit uruguayischer Blauhelmsoldaten, die im Rahmen der UNO-Friedensmission zur Stabilisierung Haitis MINUSTAH (Mission des Nations Unies pour la Stabilisation en Haïti) auf die Karibikinsel entsandt wurden.

Diese Entscheidung war getroffen worden, nachdem fünf uruguayische Militärs von der UNO wegen „fehlgeleiteter Handlungen“ gegen einen haitianischen Jugendlichen angeklagt worden waren.

Video zirkuliert im Netz

Die Verantwortlichen im uruguayischen Verteidigungsministerium waren schon über die Anklage informiert, als diese noch nicht öffentlich gemacht worden war. Die Anklage stützt sich auf ein mit einem Handy aufgenommenen Video, das am ersten Septemberwochenende bereits im Internet zugänglich war und kurz darauf von YouTube „wegen Verstoßes gegen die YouTube-Regeln bezüglich der Darstellung nackter Personen und sexueller Inhalte“ gesperrt wurde. Über andere Internetportale war das Video kurz darauf jedoch wieder abrufbar.

Die Tonaufnahme des Videos ist undeutlich, doch man hört Schreie und Lachsalven von Soldaten sowie Beleidigungen gegen eine Person in zivil, die auf einer Matratze mit dem Kopf nach unten auf dem Bauch liegt und von den Militärs festgehalten wird. Caramés kündigte beispielhafte Maßnahmen gegen die betreffenden Marinesoldaten an, die derzeit ohne Kontakt zur Außenwelt sind. So sollten sie z.B. sofort in ihr Heimatland zurückgeschickt werden. Da die Vorfälle allerdings auch von der UNO und der haitianischen Justiz untersucht werden, steht die Entscheidung über eine Rückführung allerdings noch nicht fest.

„Nur die Spitze des Eisbergs“

„Dieses Video und die darin sichtbaren Misshandlungen sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Blauhelmsoldaten sind Söldner und die große Mehrheit der Menschen in Haiti ist gegen die Anwesenheit dieser Truppen, die seit Juni 2004 im Land sind“, erklärte Henry Boisrolin, Leiter des haitianischen demokratischen Komitees in Argentinien (Comité Democrático Haitiano en Argentina) am 4. September während eines Aufenthalts in Montevideo der Zeitung La Diaria.

Seiner Ansicht nach sind die Argumente der MINUSTAH für den weiteren Verbleib auf der Karibikinsel „völlig aus der Luft gegriffen“. Die „Ausreden“ der Soldaten, die in dieses Land kommen, „um Geld zu machen“, müssten die Regierungen der entsendenden Staaten „beschämen“. „Es ist sehr schwierig, in ein Land wie unseres zu kommen, wo Armut und Marginalisierung erschreckend hoch sind, um dann dort Geld verdienen. Die Probleme Haitis lassen sich nicht mit Panzern und Munition lösen. Heute ist die MINUSTAH eine Quelle der Instabilität“, unterstrich Boisrolin, der den sofortigen Abzug der Truppen fordert.

Außenminister Almagro sieht MINUSTAH als gescheitert an

Er stellt auch die Argumente des uruguayischen Verteidigungsministers Eleuterio Fernández Huidobro in Frage: „Wenn er sagt, es handele sich um ein Problem von vier oder fünf faulen Äpfeln und kein Wort für den vergewaltigten Jungen, dessen Familie oder die haitianische Bevölkerung übrig hat, finde ich das menschlich gesehen sehr bedenklich.“ Boisrolin war auf Einladung der Koordination zum Abzug der Truppen aus Haiti (Coordinadora por el Retiro de Tropas de Haití) nach Uruguay gekommen. Am 30. September traf diese Koordination mit Außenminister Luis Almagro zusammen.

Bei diesem Treffen waren auch die Gewerkschaftsführer der PIT-CNT (Plenario Intersindical de Trabajadores – Convención Nacional de Trabajadores) Edgardo Oyenard und Washington Beltrán anwesend. „Almagro erklärte uns, dass die von der UNO zu einem früheren Zeitpunkt angeführten Begründungen und Ziele zur Rechtfertigung der MINUSTAH seiner Einschätzung nach kläglich gescheitert seien. Deshalb stehe die Frage eines allmählichen Abzugs zur Debatte“ erklärte Andrés Olivetti, der ebenfalls Mitglied der Koordination ist, bezüglich des Treffens gegenüber La Diaria.

[Artikel aus der uruguayischen Tageszeitung La Diaria]

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