Chile

Kritik an Straffreiheit für homophobe Übergriffe


(Fortaleza, 06. Januar 2009, adital-poonal).- Aktivist*innen für die sexuelle Vielfalt haben vor der Vertreterin der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, Margarita Uprimny, gegen die für homophobe Übergriffe herrschende Straffreiheit in Chile protestiert und darauf hingewiesen, dass die Homophobie im Land das Recht auf körperliche Unversehrtheit in Frage stelle. Sie wiesen zudem anhand konkreter Beispiele darauf hin, dass einige der Zugeständnisse, die die Regierung an den Schutz des Personenkreises der LGTB (Lesben, Schwule, Transgender, Bisexuelle) gemacht habe, nicht eingelöst würden.

Margarita Uprimny war Ende 2008 im chilenischen Kanzleramt mit Vertretern des Außenministeriums und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft zusammengekommen. Im Rahmen dieser Begegnung wiesen die Aktivist*innen darauf hin, dass die Situation in Chile noch meilenweit von den internationalen Mindeststandards entfernt sei, die zumindest die Gleichheit aller Menschen und den Respekt der grundlegendsten Menschenrechte garantierten.

Wie einem späteren Bericht der Movilh, Bewegung zur Integration und Befreiung Homosexueller (Movimiento de Integración y Liberación Homosexual), die als Vertreterin der LGTBs aufgetreten war, zu lesen war, wurde während der Begegnung das „Fehlen einer effektiven Gesetzgebung“ als ein Grund für die Diskriminierung genannt.

Darüber hinaus machten die Movilh-Vertreter*innen im Beisein von Frau Uprimny darauf aufmerksam, dass verschiedene Statuten des aktuellen Strafrechts „Verhaftungen und willkürliche Angriffe von Personen aufgrund ihrer Homo- oder Transsexualität zulassen“.

Die schwulen Aktivisten nutzten das Treffen, um die sofortige Aufhebung der Artikel 365 und 373 des Strafrechts und die rasche Verabschiedung des Anti-Diskriminierungsgesetzes und der Richtlinie zur zivilen Partnerschaft zu fordern.

„In den letzten zwei Jahren sind in einigen Ministerien die Fortschritte, die wir im Hinblick auf unsere Rechte verzeichnen konnten, wieder zurückgenommen worden, ein Beispiel ist das Erziehungsministerium, das sich angesichts von Rüpeleien entweder gleich in Schweigen hüllt oder seine Interventionen auf Empfehlungen hinsichtlich einer guten Erziehung beschränkt, was den Opfern von Pöbeleien in Klassenzimmern und Seminarräumen nichts nutzt“, erklärte Movilh.

Bei dem Zusammentreffen nannte Movilh auch Errungenschaften der letzten Jahre, wie den Rückgang kultureller Homo- und Transphobie. Dazu zählte die „Zulassung Schwuler als Blutspender in den Gesundheitseinrichtungen und die Einführung besonderer Programme für Transsexuelle“.

CC BY-SA 4.0 Kritik an Straffreiheit für homophobe Übergriffe von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Ehe für alle oder sexuelle Dissidenz? José Carlos Henriquez versteht sich als sexueller Dissident. Foto: Markus Plate "Ehe für alle" - jetzt auch in Deutschland. Sexuelle Vielfalt überall. In Lateinamerika und weltweit ist der Juni der Monat der sexuellen Vielfalt. Mit dem „Christopher Street Day" wird jedes Jahr an die Stonewall-Unruhen in New York im Jahre 1969 erinnert. Der Widerstand von Schwulen und Trans*Personen gegen willkürliche Verhaftungen gilt als Wendepunkt im Kampf für Gleichbehandlung und Anerk...
Beschneidet das neues Strafgesetzbuch Grundrechte? Menschenrechtsanwältin Tirza Flores Lanza sieht die Grundrechte in Honduras in Gefahr. Agua Zarca ist vielleicht einer der seltenen Fälle, in denen es doch noch Korruptionsermittlungen gegen Regierungsvertreter geben wird. Weitere Korruptionsskandale hat die regierende Nationale Partei weitgehend unbeschadet überstanden. Im November finden in Honduras Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt, zum dritten Mal nach dem Putsch im Jahr 2009. Der amtierende Präsident Juan ...
Aufklärung des Mordes an Berta Cáceres? Sie musste ihren Kampf mit dem Leben bezahlen. Am Grab der Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres. Foto: Erika Harzer Am 2. März 2016 wurde Berta Cáceres in La Esperanza, Intibucá, Honduras, ermordet. Auftragskiller erschossen die weit über ihre Landesgrenzen hinaus bekannte Feministin, Menschenrechts- und Umweltaktivistin und Anführerin des Rates der indigenen Völker von Honduras COPINH. Mehr als 16 Monate sind seitdem vergangen. Acht Verdächtige sitzen in Untersuchungsh...
onda-info 411 Während wir diese Sendung produzieren, findet in Hamburg das G20-Treffen der reichsten Industriestaaten statt. Aus Lateinamerika vertreten: Brasilien, Argentinien und Mexiko, mit Präsidenten und Delegation. Doch trotz der  wirtschaftlichen Stärke dieser Länder, ist die Ernährungssicherheit der Bevölkerung akut gefährdet. Warum ist das so, fragen wir in einem Beitrag. Die Antwort könnte lauten: wegen den Monokulturen und allem, was damit einhergeht. Denn die intensive Landwirt...
“Maskottchen der Macht” – Sexuelle Dissidenz vs. sexuelle Vielfalt Von Markus Plate Genesis Cruz aus Costa Rica (links im Bild) ist Transfeministin und sexuelle Dissidentin. Foto: Markus Plate (Mexiko-Stadt, 22. Juni 2017, npl).- Seit Jahren ist der Juni der Monat der sexuellen Vielfalt. Mit dem „Christopher Street Day“ wird jedes Jahr an die Stonewall-Unruhen in New York im Jahre 1969 erinnert. Der Widerstand von Schwulen und Trans*Personen gegen willkürliche Verhaftungen gilt als Wendepunkt im Kampf für Gleichbehandlung und Anerkenn...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.