El Salvador

Konflikte um Goldförderprojekte


von Edgardo Ayala

(Lima, 12. März 2009, noticias aliadas).- Vor einem Jahr schien es so gut wie sicher, dass ab 2009 in El Salvador eine neue Etappe der intensiven Edelmetallförderung eingeleitet wird. Angespornt vom Anstieg des Goldpreises auf dem Weltmarkt (er erreichte bis zu 1.000 US-Dollar pro Feinunze), waren verschiedene transnationale Konzerne ins Land gekommen. Im Moment jedoch werden die Bergbauprojekte, vor allem das Vorhaben des kanadischen transnationalen Unternehmens Pacific Rim Mining Corporation, von der veränderten Lage in El Salvador in Schach gehalten.

So haben die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, der Widerstand von Bürgerbewegungen sowie das Auftauchen neuer Verbündeter im Kampf gegen den Bergbau das Projekt von Pacific Rim sowie andere Vorhaben vorerst gestoppt. In El Salvador wird der Bergbau kontrovers diskutiert und findet wenig Akzeptanz in der Bevölkerung.

Bisher verfügen die vorwiegend US-amerikanischen und kanadischen Unternehmen, Pacific Rim selbst unterhält eine Tochterfirma im US-Bundesstaat Nevada, lediglich über Lizenzen zur Erkundung von Goldvorkommen. Sollten sie auch die Förderlizenzen erhalten, könnten sie insgesamt etwa zwölf Millionen Unzen Gold sowie 78 Millionen Unzen Silber abbauen, hebt die von der Caritas El Salvador sowie vom salvadorianischen Umweltschutzdachverband UNES (Unidad Ecológica Salvadoreña) erarbeitete und im Dezember 2008 veröffentlichte Studie „Die dunkle Seite des Goldes: Auswirkungen des Metallbergbaus in El Salvador“ hervor.

In dem Dokument wird darauf hingewiesen, dass die Projekte, sollten sie alle realisiert werden, Gewinne in Höhe von rund 10 Milliarden US-Dollar abwürfen. Davon flössen 9,8 Milliarden den transnationalen Konzernen zu, während nur 200 Millionen US-Dollar dem salvadorianischen Staat zugute kämen. Es würden zudem schätzungsweise 14.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze geschaffen. Das entspricht laut Aussage der Bürgerbewegungen jedoch nur 0,3 Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung im Land. Eine weitere Studie – „Metallbergbau und nachhaltige Entwicklung in Zentralamerika“ –, die im Auftrag der humanitären Organisation Oxfam Amerika erstellt wurde, führt aus, dass der Bergbausektor oftmals die positiven Effekte der Schaffung von Arbeitsplätzen übertreibe und die sozialen und Umweltfolgen solcher Projekte verschweige. Oxfam kritisiert eine vom ehemaligen salvadorianischen Finanzminister und jetzigen Berater des kanadischen Unternehmens Manuel Hinds verfasste Studie, in der die Zahl von 450 bei Pacific Rim zu schaffenden Stellen mit anderen Faktoren multipliziert wird, so dass allein bei Pacifi Rim nach Angaben des Beraters Hinds 36.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze entstünden.

Pacific Rim geht von den Unternehmen, die auf den Goldabbau in El Salvador spekulieren, am aggressivsten vor. Der kanadische Konzern befindet sich im Brennpunkt der Kontroverse, weil er starken Druck auf die Regierung ausübt, um die Lizenz zur Aufnahme von Förderarbeiten in der 65 Kilometer nordöstlich von San Salvador im Departement Cabañas gelegenen Mine El Dorado zu erhalten.

Das Unternehmen hatte im Jahr 2005 die Genehmigung zur Ausbeutung dieser Goldlagerstätte beantragt. Sollte es die Lizenz erhalten, würde es im Laufe von sechs Jahren ca. 1,4 Millionen Unzen Gold abbauen. Seit längerem ist der Konzern nun dabei, Zweifel zu zerstreuen, die verschiedene Sektoren an seiner Umweltverträglichkeitsstudie geäußert haben. Aufgrund dessen verzögert sich auch die Zusage der Regierung zum Goldabbau.

Um doch noch ans Ziel zu gelangen, führte Pacific Rim das gesamte letzte Jahr über eine aggressive Medienkampagne, um die Idee eines „grünen“ bzw. „nachhaltigen Bergbaus“ zu verkaufen und dem schlechten Ansehen des Projekts in Umweltgruppen und der Bevölkerung entgegenzuwirken. Währenddessen hat sich die amtierende Regierung bisher zwar nicht eindeutig geäußert, man ließ aber durchblicken, dass man letzten Endes den Kanadiern „grünes Licht“ geben könnte.

Allerdings könnte sich der Ausgang der Kommunal- und Parlamentswahlen (im Januar dieses Jahr) sowie der Präsidentschaftswahlen, die am 15. März stattfanden und aus denen Mauricio Funes von der Linkspartei Nationale Befreiungsfront Farabundo Martí FMLN (Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional) siegreich hervor ging, für Pacific Rim nachteilig auswirken. Bereits vor den Wahlen hatte die Regierung der ultrarechten ARENA-Partei (Alianza Republicana Nacionalista) angesichts eines wahrscheinlichen Sieges von Funes ihre Haltung geändert und das Projekt El Dorado abgelehnt. „Das Land hat ein Recht darauf, Bergbaukonzessionen zu erteilen oder zu verweigern“, erklärte so der salvadorianische Präsident Elías Antonio Saca von der ARENA Ende Februar gegenüber der Presse. Als Begründung führte er an, dass Zweifel angesichts der negativen Auswirkungen der Bergbauaktivitäten auf Menschen und Ökosystem nicht ausgeräumt werden konnten.

Auch andere Stimmen haben sich gegen die Bergbauindustrie zu Wort gemeldet. Am 22. Februar sprach sich der neue Erzbischof von San Salvador, José Luis Escobar, gegen den Bergbau aus. Sein eigentlich unternehmerfreundlicher Vorgänger, Fernando Sáenz Lacalle, der dem Opus Dei angehört, hatte sich ebenfalls seit längerem gegen den Bergbau und konkret die Verwendung des hochtoxischen Zyanids bei der Goldgewinnung gewandt.

Der neu geweihte Erzbischof Escobar erklärte auf einer Pressekonferenz: „Eine Förderung zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist nicht angebracht, weil wir weder über die notwendigen Ressourcen noch Kapazitäten verfügen, um die Mine zu unserem Nutzen auszubeuten.“

Derweil fährt Pacific Rim harte Geschütze auf, um doch noch ans Ziel zu gelangen. So drohte das Unternehmen am 9. Dezember letzten Jahres, den salvadorianischen Staat zu verklagen, weil dieser ihm die Schürfrechte verweigere. Dabei stützt sich Pacific Rim auf Investitionsschutzklauseln aus dem zwischen den USA, den zentralamerikanischen Staaten und der Dominikanischen Republik geschlossenen Freihandelsabkommen DR-CAFTA (Dominican Republic – Central America Free Trade Agreement). Da Pacific Rim eigenen Angaben zufolge bisher 75 Millionen US-Dollar in das Projekt El Dorado investiert habe, könnte der geforderte Schadenersatz diesen Betrag übersteigen.

Die gegen den Bergbau kämpfenden Organisationen gehen davon aus, dass noch ganz andere Interessen beim Thema Goldabbau mit im Spiel sind. So hat der landesweite Arbeitskreis gegen Metallbergbau (Mesa Nacional Frente a la Minería Metálica), in dem verschiedene, gegen den Bergbausektor kämpfende lokale und überregionale salvadorianische Organisationen versammelt sind, am 9. Februar eine Annonce veröffentlicht, in der darauf hingewiesen wird, dass Präsident Saca mit gespaltener Zunge spreche: einerseits lehne er den Bergbau ab, andererseits habe er den Pacific-Rim-Managern angeboten, ihnen nach den Wahlen vom 15. März die Lizenz zu erteilen.

Für die in der Umgebung von El Dorado gelegenen Gemeinden steht vor allem der Zugang zu sauberem Wasser auf dem Spiel. Den Bewohner*innen zufolge seien durch Explorationsarbeiten bereits einige Quellen am Versiegen. „Wir haben gesehen, dass einige Brunnen fast ausgetrocknet sind, das gab es früher nicht“, so Guadalupe Avilés, eine junge Frau aus San Isidro, dem Ort, zu dessen Verwaltungsbezirk das Projektgebiet El Dorado gehört.

Avilés war mit einer Gruppe von etwa 50 Einwohner*innen aus San Isidro am 3. März nach San Salvador gereist, um von den Kongressabgeordneten die Wiederaufnahme eines Gesetzesvorhabens zu verlangen, welches der Arbeitskreis gegen den Bergbau vor drei Jahren vorgelegt hatte und in dem ein Verbot dieses Industriezweigs in El Salvador gefordert wird.

In dem erwähnten Bericht der Caritas wird ausgeführt, dass das bei der Goldgewinnung verwendete Zyanid die Ökosysteme rings um die Minen verseuche, da es durch Kondensation und Niederschläge weitergetragen werde. Auch andere Giftstoffe wie Arsen, Quecksilber und Chrom würden beim Goldabbau eingesetzt. Die Verschmutzung würde sogar San Salvador erreichen, da das Trinkwasser der Hauptstadt aus dem Fluss Río Lempa gewonnen wird, dessen Zuflüsse in den Bergbaugebieten verseucht würden.

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