Kolumbien

Kolumbien: Schon 173 Morde an sozialen Aktivist*innen in diesem Jahr


José Domingo Ulcué Collazos
Foto: CRIC – Colombia

(Lima, 23. Oktober 2018, Servindi/ Colombia Informa/ poonal).- Allein in diesem Jahr (2018) wurden in Kolumbien 173 soziale Aktivist*innen und Anführer*innen ermordet. Der Ethik-Lehrer und indigene Anführer José Domingo Ulcué Collazos ist das 173. Opfer. Das gab die Nationale Indigenenorganisation Kolumbiens ONIC (Organización Nacional Indígena de Colombia) bekannt. Dem Bericht zufolge „schossen mehrere Personen auf ihn“, als der soziale Aktivist mit dem Motorrad unterwegs war und „verletzten ihn an der Brust”. Obwohl er von einigen Beamt*innen ins Krankenhaus gebracht wurde, verstarb er dort Minuten nach der Ankunft. Der Mord ereignete sich am Montag, den 22. Oktober 2018 zwischen 19:30 und 20:00 Uhr in der Gemeinde Santander de Quilichao im Norden des kolumbianischen Departamentos Cauca.

In dem Dokumentarfilm „Sie töten uns. Der Aufschrei der sozialen Anführer*innen“ („Nos están matando“: El grito de los lideres sociales) werden die Bedrohungen gegen Menschenrechtsaktivist*innen im Cauca, einer der gewaltvollsten Regionen Kolumbiens, exemplarisch dargestellt. Die Morde stehen im Kontext mit der Regierungspolitik gegen Drogenhandel und illegalem Bergbau (13 Prozent) und Konflikten im Bereich Umweltschutz (83 Prozent).

Am 22. Juni 2016 besiegelten die Regierung Kolumbiens und die ehemalige Guerrillabewegung “Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens FARC” (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) einen endgültigen Waffenstillstand. Seit Beginn des Jahres 2016 wurden 478 soziale Anführer*innen in Kolumbien ermordet.

 

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