KOLUMBIEN: Kolumbianische Polizei darf Universitätsgelände betreten


(Berlin, 30. Mai 2008, poonal-púlsar).- Nach polizeilichen Übergriffen auf Proteste von Student*innen der Nationalen Pädagogischen Universität Bogotá, die in der Festnahme von 21 Student*innen und einer weiteren Person gipfelten, warnte Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe, dass die Polizei zukünftige „gewalttätige“ Mobilisierungen unterbinden werde.

Die Student*innen wurden am 29. Mai während einer Protestkundgebung gegen die Privatisierungspolitik Uribes festgenommen. Der kolumbianische Präsident gab am selben Tag in einer Pressekonferenz bekannt, dass er den Zutritt der Polizei auf das Universitätsgelände autorisieren werde.

Diese Massnahme gilt als strittig, da die Universitäten in Kolumbien Autonomiestatus geniessen und Polizeikräften in der Regel keinen Zugang gewähren. Uribe versicherte, dass er es nicht zulassen werde, „dass die Gewalt Einlass in die kolumbianischen Universitäten findet“ und fügte hinzu, „dass deshalb der Staat handeln muss, um solche Gewaltakte zu unterbinden“. Der Präsident sprach in Anwesenheit der festgenommenen Student*innen, die die Rede schweigend und mit gesenkten Köpfen vor laufenden Kameras verfolgten.

Anlässlich dieser Vorfälle werde er veranlassen, dass Student*innen, die wegen Vandalismus festgenommen werden, „zur Rechenschaft gezogen werden“. Die Universitätsleitung gab zunächst bekannt, dass die Universität bis zum 4. Juni geschlossen werde, um „die Lage zu analysieren“. Schon kurz nach Uribes Verlautbarungen sah man sich jedoch gezwungen, das Semester vorzeitig für beendet zu erklären. Lediglich die Masterprogramme sowie die akademischen Aktivitäten ausserhalb Bogotás sollen fortgesetzt werden. Die Studentenschaft kritisiert diesen Beschluss als Massnahme, den Protest zu unterbinden.

CC BY-SA 4.0 KOLUMBIEN: Kolumbianische Polizei darf Universitätsgelände betreten von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Mit Kamera und Mikrofon unterwegs: Medienmacherinnen aus dem Amazonas-Gebiet Fotografin Yánua Vargas portraitiert die Teilnehmenden des Panamerikanischen Sozialforums in Peru. Foto: Jessica Zeller Frauen machen Medien – das gilt auch für Lateinamerika. Manche Medienmacherinnen sind mit der Kamera unterwegs, so wie Yánua Vargas. Die junge Shuar-Indígena studiert in Ecuadors Hauptstadt Quito Fotografie. Die Peruanerin Gabriela Bardales dagegen ist mit ihrem Mikrofon nah an den Menschen. Schon nach der Schule fing sie an, als Radioreporterin zu arbei...
Auseinandersetzungen und Attentate beenden den Wahlkampf Zusammenstöße zwischen Polizei und Angehörigen aus Ayotzinapa In Guerrero kam es ebenfalls am Mittwoch auf der Straße zwischen Tixtla und Chilpancingo zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Angehörigen und Unterstützer*innen der vermissten Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa. Die etwa 120 Angehörigen hatten versucht, an einer Protestaktion in der Landeshauptstadt Chilpancingo gegen die Wahlen teilzunehmen. Als ihnen Einheiten der Bundes- und Landespolizei den Weg versperrten...
Polizeichef von Iguala verhaftet Von Wolf-Dieter Vogel Foto: Eneas de Troya, cc-by-2-0 (Berlin, 01. November 2016, npl).- Die Angehörigen der im mexikanischen Iguala verschwundenen Studenten können wieder etwas mehr Hoffnung hegen, dass der Verbleib ihrer Söhne oder Brüder aufgeklärt wird. Am vergangenen 21. Oktober verhafteten Sicherheitskräfte den ehemaligen Polizeichef der Stadt, Felipe Flores Velázquez. Der 58-Jährige gilt als einer der Hauptverantwortlichen des Massakers vom 26. und 27. September...
Im Schatten der Pinguine. 10 Jahre chilenische Studiproteste   Schüler*ìnnen und Studierende in Chile Foto: Nils Brock Chile – das Land war lange Zeit kein Ort für soziale Proteste. Auch nach dem Ende der militärisch-zivilen Diktatur 1989 gelang es nie den neoliberalen Konsens im Land aufzubrechen. Doch dann, vor zehn Jahren, kamen die Pinguine. So ganz ernst nahm das Establishment die Teenager anfangs nicht, als sie mit ihren schwarzen Schuluniformen zu Kundgebungen watschelten. Niemand hätte gedacht, dass die Rufe nach ko...
„Iguala ist ein Friedhof“ Von Fabrizio Lorusso Miranda Mayo. Foto: Noticias Aliadas (Lima, 27. Mai 2016, noticias aliadas).- Interview mit Xitlali Miranda Mayo, Leiterin der Organisation “Suchkomitee für die anderen gewaltsam Verschwundenen von Iguala” (Comité de Búsqueda Los Otros Desaparecidos de Iguala). Xitlali Miranda Mayo ist Psychologin in Iguala, im Bundesstaat Guerrero im Südwesten Mexikos. Sie koordiniert das „Suchkomitee für die anderen gewaltsam Verschwundenen von Iguala", das na...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.