KOLUMBIEN: Festnahme des Cousins des Präsidenten wegen Kontakten zu Paramilitärs


(Buenos Aires, 22. April 2008, púlsar).- Die Generalstaatsanwaltschaft hat am Dienstag, den 22. April, die Festnahme von Mario Uribe Escobar, Cousin des Präsidenten Álvaro Uribe Velez, angeordnet. Die Justizbehörden untersuchen derzeit Mario Uribe Escobars Verbindungen zu Führungskräften der paramilitärischen Vereinigten Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens AUC (Autodefensas Unidas de Colombia).

Der ehemalige Senator und Vorsitzende der Partei Demokratisches Kolumbien PCD (Partido Colombia Democrática) wird beschuldigt, sich in den Jahren 1998 und 2002 mit Anführern paramilitärischer Gruppen getroffen zu haben, um in paramilitärischen Besitz befindliche Ländereien sowie Wahlunterstützung in einzelnen Regionen zu erhalten.

Als Reaktion auf die gerichtliche Anordnung der Festnahme war Uribe Escobar am Morgen des 22. April in die costaricanische Botschaft in Bogotá geflüchtet, wo er politisches Asyl beantragte. Während die Staatsanwaltschaft bekannt gab, dass die Anordnung zur Festnahme auch nicht bei Zahlung einer Kaution ausgesetzt werden könne, versammelten sich vor der Botschaft Demonstrant*innen, die gegen das Asylbegehren von Uribe Escobar protestierten. Am Abend lehnte die costaricanische Regierung das Asylgesuchen schließlich ab und der Ex-Senator wurde den wartenden kolumbianischen Sicherheitskräften übergeben.

Mit dem Fall Uribe Escobar könnte die Zahl der wegen Verbindungen zum Paramilitarismus verhafteten Ex-Parlamentarier auf 33 ansteigen.

Uribe Escobar hatte seinen Sitz im Senat im Oktober letzten Jahres wegen den Untersuchungen der Generalstaatsanwaltschaft aufgeben müssen. Er ist einer von insgesamt
63 Funktionären und ehemaligen Parlamentariern, gegen die wegen Verbindungen zur AUC ermittelt wird. 54 von ihnen sind Mitglieder der Regierungskoalition im Parlament, die den Präsidenten Uribe Velez unterstützt. Dieser bekundete in einer kurzen Pressemitteilung seinen „Schmerz“ angesichts der Verhaftung seines Cousins.

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