Kolumbien

Kolumbianische Binnenflüchtlinge fordern Unterstützung durch Stadtverwaltung von Bogotá


(Havanna, 26. Mai 2009, prensa latina).- Die Stadtverwaltung der kolumbianischen Hauptstadt und die Sprecher*innen der mehr als 850 Binnenflüchtlinge, die seit mehreren Wochen öffentliche Plätze und Parks in Bogotá besetzt halten, haben sich darauf geeinigt, dass die Flüchtlinge am 26. Mai das besetzte Gelände verlassen und in Übergangsunterkünften untergebracht werden.

Wie es hieß, habe sich die Stadtverwaltung bereiterklärt, bis zu 400 Arbeitsplätze in Bauprojekten des Instituts für Stadtentwicklung IDU (Instituto de Desarrollo Urbano) sowie ebenso viele Projektstellen über das kommunale Institut für Soziale Wirtschaft IPES (Instituto para la Economía Social) zu schaffen.

Die Regierungssekretärin von Bogotá Clara López erklärte, während der dreitägigen abschließenden Verhandlungen habe man über die dramatische Situation der Vertriebenen, ihre tatsächlichen Bedürfnisse sowie die Notwendigkeit diskutiert, die derzeitigen Strategien im Umgang mit der Vertriebenenproblematik zu verändern.

Nini Johana Soto, Sprecherin der Protestierenden, erklärte, die Familien würden in Übergangsunterkünften untergebracht, wo die Verhandlungen weitergeführt würden. Sie hob hervor: „Wir gehen, aber die Verhandlungen werden fortgesetzt, bis wir alle unsere Forderungen – humanitäre Hilfe alle drei Monate, Projektstellen sowie menschenwürdige Unterkünfte – durchgesetzt haben.“ Millionen von Kolumbianer*innen, die sich in einem endlosen Teufelskreis aus Gewalt und Armut befänden, sähen sich gezwungen, ihre Heimatorte zu verlassen, und vergrößerten so das Heer der Opfer des Bürgerkriegs sowie der neoliberalen Politik der kolumbianischen Regierung.

Die Tausenden von Familien, die auf der Suche nach Schutz durch die größten Städte des Landes ziehen und die immer stärker entwurzelt werden, sind heute nicht mehr zu übersehen. Statistiken zu dem Thema weisen aus, dass zwischen 1985 und 2008 mehr als vier Millionen Menschen von Vertreibung betroffen waren, das sind ungefähr 900.000 Familien.

Die Beratungsstelle für Menschenrechte und Vertreibungen CODHES (Consultoría para los Derechos Humanos y el Desplazamiento), eine kolumbianische Nichtregierungsorganisation, teilte in ihrem jüngsten Bericht mit, die Zahl der Binnenflüchtlinge im Lande sei 2008 im Vergleich zu 2007 um 24,4 Prozent angestiegen. Als Grund wurden hauptsächlich eine Neuformierung bewaffneter Gruppierungen ehemaliger Paramilitärs sowie der andauernde Bürgerkrieg angeführt.

Dem Bericht von CODHES zufolge seien mehrere hunderttausend Menschen gezwungen gewesen, ihren Wohn- bzw. Arbeitsort zu verlassen. Sie lebten nun unter schwierigen Bedingungen marginalisiert und in Armut. CODHES nennt für das Jahr 2007 eine Zahl von 305.638 Vertriebenen, während es 2008 bereits 380.863 gewesen seien, mehr als die Hälfte davon Frauen und Mädchen. Dies entspreche etwa 76.172 Haushalten, die ihre Wohn– bzw. Arbeitsstätten aufgeben mussten.

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