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Koka-Anbau verlagert sich von Kolumbien nach Bolivien und Peru


(Lima, 01. Juli 2009, noticias aliadas).- Wie schon in vergangenen Jahren ist es auch 2008 zu einer Verlagerung der Kokain-Produktion gekommen, stellte das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) fest. Während der Koka-Anbau in Kolumbien im vergangenen Jahr um fast ein Fünftel zurückgegangen ist, verzeichnen Peru und Bolivien einen Zuwachs der Anbauflächen.

In Kolumbien schrumpfte die Anbaufläche 2008 um 18 Prozent auf 81.000 Hektar und sank damit auf den Stand der Jahre 2004 bis 2006. Die Produktion von Kokain verringerte sich 2008 um 28 Prozent auf 430 Tonnen. „Das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren“, heißt es in dem jährlichen Drogenbericht des UNODC, der am 19. Juni veröffentlicht wurde. Grund für den radikalen Rückgang war laut dem UN-Büro die massive Vernichtung von Anbauflächen: Rund 153.000 Hektar wurden in Kolumbien seit 1994 durch Besprühung mit Pflanzengiften zerstört, knapp 77.000 Hektar manuell.

In Bolivien und Peru wurden die Anbauflächen indessen ausgeweitet: In Bolivien wuchs die Fläche um sechs Prozent auf 30.000 Hektar, in Peru auf 56.000 Hektar (plus 4,5 Prozent). Die Produktion von Kokain stieg in Bolivien auf 113 Tonnen, neun Prozent mehr als im Jahr zuvor. In Peru erhöhte sich die Produktion um rund vier Prozent auf 302 Tonnen.

Für den peruanischen Drogen- und Entwicklungsexperten Hugo Cabieses handelt es sich hierbei um einen Verlagerungseffekt: „Bestätigt wird das dadurch, dass sich die Anbaufläche in den drei Ländern in den letzten 15 Jahren durchgehend um 200.000 bis 250.000 Hektar bewegt. Die Produktion von Kokain liegt kontinuierlich zwischen 900 und 1200 Tonnen jährlich“, erklärt Cabieses.

Insgesamt wurde laut UNODC in den drei Ländern im vergangenen Jahr auf rund 168.000 Hektar Land Koka angebaut, die Kokain-Produktion lag bei 845 Tonnen. Die Anbaufläche sei zwar dieses Jahr kleiner, meint Hugo Cabieses, „die Erträge sind aber bedeutend besser geworden.“ Aktuell liegen diese bei durchschnittlich fünf Kilogramm Kokain pro Hektar.

Für die Zuwächse in der bolivianischen und peruanischen Kokain-Produktion macht der Leiter der staatlichen peruanischen Antidrogenkommission DEVIDA (Comisión Nacional para el Desarrollo y Vida sin Drogas), Rómulo Pizarro, vor allem die hohe Nachfrage verantwortlich. Speziell nennt er dabei die USA und Europa, die Hauptabnehmer der Drogenexporte aus den Andenländern.

UNODC-Generaldirektor Antonio Maria Costa versichert hingegen, dass die Nachfrage nach Kokain in den wichtigsten nordamerikanischen Märkten gesunken sei. In Europa habe sie aufgehört, zu steigen.

DEVIDA-Leiter Pizarro ruft die Abnehmerländer dennoch dazu auf, nach dem Prinzip der „geteilten Verantwortung“ ihren Part im Kampf gegen die Drogen zu übernehmen. „Die Unterstützung der USA ist bedeutend zurückgegangen“, kritisiert er gegenüber der Nachrichtenagentur „Andina“. Hilfe von Seiten Europas gebe es fast überhaupt keine.

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