Argentinien
Fokus: Menschenrechte 2011

Kleinbauer in Landkonflikt von Auftragskillern ermordet


Kleinbauernorganisation Mocase protestiert gegen Rechtlosigkeit / agencia pulsar(Buenos Aires, 23. November 2011, púlsar/poonal).- Am 16. November wurde der Kleinbauer Cristian Ferreyra in der Gemeinde San Antonio, in der nordargentinischen Provinz Santiago del Estero, ermordet. Wie die Kleinbauern- und Landarbeiterorganisation MOCASE-VC berichtet, sei der Mord von Auftragskillern eines Gutsbesitzers verübt worden. In einer Stellungnahme erklärte die LandarbeiterInnen-Bewegung der Provinz Santiago del Estero – Vía Campesina MOCASE-VC, die Mörder des jungen Mannes handelten im Auftrag des Agrarunternehmers Jorge Cicciolo.

Unternehmer hatte offen mit Mord gedroht

MOCASE-VC identifizierte die Angreifer als Javier und Arturo Juárez. Sowohl Cicciolo als auch Javier Juárez sind mittlerweile verhaftet worden. Ebenfalls inhaftiert wurden Walter Juárez, Mario René und Carlos Gregorio Abregú. Den Aussagen der Organisation zu Folge, schossen Javier und Arturo Juárez mit einem Gewehr auf Christian Ferreyra sowie auf den Landarbeiter Darío Godoy, der ebenfalls verletzt wurde. Außerdem sollen die Angreifer noch einen weiteren Kameraden der angegriffenen Landarbeiter geschlagen haben. Die Täter seien auf der Suche nach Ferreyra zu seinem Haus gekommen und hätten sofort das Feuer eröffnet.

Des Weiteren verwies MOCASE-VC in ihrer Erklärung darauf, dass der Unternehmer Ciccioli mehrere Male öffentlich damit gedroht habe, ein Mitglied der Organisation zu töten, „damit sie aufhören, Ärger zu machen“.

Widerstand gegen Vertreibung und Abholzung

Seit Monaten widersetzen sich die Bewohner*innen der Gemeinde San Antonio den gewaltsamen Versuchen von Großunternehmer*innen, jenes Land, das die Gemeindemitglieder als ihr Eigentum bezeichnen, in Anspruch zu nehmen.

Laut MOCASE-VC handle es sich bei den Unternehmern um dieselben Firmen, die auch einen systematischen Angriffsplan gegen die indigenen Bauern und Bäuerinnen der Verwaltungsbezirke Copo, Pelligrini und Alberti in der Provinz Santiago del Estero, entworfen haben. Im Zuge dessen wird auf die willkürliche Verhaftung des Bauern Ricardo Cuellar sowie den Angriff auf den freien Radiosender FM Pajsachama und das Niederbrennen von Wohnhäusern verwiesen. “Das ist hier der Wilde Westen, unsere Rechte interessieren niemanden, sie schlachten uns ab wie die Tiere“, zitiert die Tageszeitung Página 12 in ihrer Online-Ausgabe Marilena Santillán, eine Kollegin des Ermordeten, die ebenfalls in der LandarbeiterInnenbewegung aktiv ist.

Komplizenschaft von Behörden und Politik

Die LandarbeiterInnen-Bewegung macht Behördenvertreter*innen, Beamte der Justizgewalt und öffentliche Einrichtungen der Provinz für den Mord an dem 23-jährigen Ferreyra verantwortlich. „Die Waldbehörde der Provinz hat der Abholzung eines Gebietes zugestimmt, wo bäuerliche und indigene Familien seit vielen Generationen leben“, kritisiert die Landarbeiterorganisation. Schließlich wurde in der Meldung der MOCASE darauf hingewiesen, dass „einzig die Gemeindeorganisationen die Vertreibung [der Bauern und Bäuerinnen] und den Kahlschlag von Tausenden von Hektar Land verhindern konnte.“

Die Bewegung verwehrt sich zudem gegen den Strafrichter Alejandro Fringes Sarria aus der Stadt Monte Quemado. Der Richter habe den vielen Anzeigen wegen der Angriffe auf die Ländereien der indigenen Bauern und Bäuerinnen kein Gehör geschenkt, so die Landarbeiterorganisation.

Am 25. November forderten in Buenos Aires die Teilnehmer*innen eines Protestmarsches zum argentinischen Parlament, darunter auch Parlamentsabgeordnete, die Aufklärung des Mordes und ein Ende der Rechtlosigkeit und der Verfolgung von Kleinbauern und -bäuerinnen und Indigenen.

 

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