Chile Haiti
Fokus: Migration und Flucht / Migración y Refugio

Kerzen für Joane Florivil – junge Haitianerin in Polizeigewalt verstorben


 

Kerzen für die in Haft verstorbene Haitianerin Joane Florivil / Foto: twitter piensa prensa/@panbecerra

Kerzen für die in Haft verstorbene Haitianerin Joane Florivil. Die aus Haiti angereisten Angehörigen verlangen, dass der chilenische Staat die Überführung des Leichnams der jungen Frau veranlasst. / Foto: twitter, piensa prensa/@panbecerra

(Caracas, 03. Oktober 2017, telesur).- Am 30. August hatte man Joane Florivil beschuldigt, ihre Tochter ausgesetzt zu haben. Obwohl Frau Florivil und ihr Ehemann die Anschuldigung zurückwiesen, wurde die junge Frau verhaftet und starb kurze Zeit später unter bislang ungeklärten Umständen durch Schläge auf den Kopf. Zahlreiche Kerzen wurden am zweiten Oktober im Rahmen einer Trauerfeier zum Gedenken an die Haitianerin Joane Florivil auf der Plaza de Armas in der chilenischen Hauptstadt Santiago entzündet. Die 29-Jährige starb unter bisher ungeklärten Umständen, nachdem sie von der Polizei verhaftet worden war.

Florivil soll ihr Kind ausgesetzt haben

Zu der Festnahme kam es, weil sie angeblich ihre drei Monate alte Tochter im Büro zum Schutz der Kinderrechte in Lo Prado ausgesetzt hatte. Florivil und ihr Mann, der 34-jährige Wilfried Fidele, bestritten den Vorwurf.

Am 30. August war das Paar mit dem Baby unterwegs, als sie von einem Mann hereingelegt wurden, der ihnen Arbeit versprach. Als Fidele sich einen Moment von Frau und Kind entfernt hatte, nutzte der Mann die Gelegenheit, um die Frau zu überfallen und zu bestehlen. Diese wiederum gab ihr Kind einem umstehenden Wachmann, um den Dieb zu verfolgen.

Als sie nach einigen Minuten zurückkam, um ihr Kind wieder abzuholen, wurde sie von der Polizei verhaftet. Die Beamten des ODP hatten sie bereits angezeigt, weil sie ihr Baby anscheinend hatte aussetzen wollen. Florivil und ihr Mann versuchten, den Vorfall aufzuklären, da jedoch beide kein Spanisch sprachen, blieben ihre Versuche erfolglos.

Der offiziellen Polizeiversion zufolge hatte sich Florivil aus Verzweiflung darüber, dass sie ihr Kind verlieren würde, die Kopfverletzungen selbst zugefügt, worauf sie umgehend ins Krankenhaus verbracht worden war, wo sie einige Wochen später verstarb. Die Familie zweifelt diese Version jedoch an.

47,5 Prozent der Migrant*innen in Chile leiden unter Diskriminierung

Das Baby wurde in einer Wohngruppe des staatlichen Kinderheims Casa Nacional del Niño untergebracht, eine Einrichtung, die sich im vergangenen Jahr wegen Kindesmissbrauchs verantworten musste. Am 21. November soll über die weitere Zukunft des Kindes entschieden werden, obwohl der Vater sowie die Familie der Verstorbenen die Vormundschaft übernehmen wollen.

In weiten Teilen der chilenischen Gesellschaft wurde der Fall als ein rassistisch motiviertes Verbrechen eingestuft. Nach Ansicht des Instituts für Menschenrechte INDH (Instituto de Derechos Humanos) zeigt sich in diesem Vorfall „die ganze Palette bestehender Vorurteile und die herrschende Voreingenommenheit. Die Menschenrechte werden nicht angemessen berücksichtigt und ein faires Verfahren findet nicht statt.“.

Die Menschenrechtsanwältin Johana Montivero hatte Joane noch getroffen, bevor diese in der Haft verstarb. Ihrer Ansicht nach war die junge Frau sehr verzweifelt und habe zu keinem Zeitpunkt vorgehabt, ihr Kind auszusetzen.

Im Rahmen der Gedenkfeier wurde außerdem die Rückgabe des Kindes an die Familie gefordert. Das Baby befindet sich derzeit in staatlicher Obhut. Die haitianische Community in Chile ist in den letzten zehn Jahren gewachsen. Dennoch gebe es immer noch Diskriminierung und Gewalt gegenüber Haitianer*innen, weil sie eine andere Sprache sprechen, eine andere Hautfarbe haben oder einfach weil sie arm seien, so die Organisation „Feliz der ser Haitiano“.

Chile: Migrant*ínnen starten Kampagne für das Wahlrecht

Chile gehört zu den Ländern, in denen Migrant*innen am stärksten diskriminiert werden. In der sozialen Agenda des Jahres 2017 gehörte das Thema Migration zu den allerschwierigsten, unter anderem wegen einiger diskriminierender Projekte, die von den Abgeordneten der Rechten angeschoben worden waren. Auch wenn diese nicht vollumfassend erfolgreich waren, bilden sie dennoch den ideologischen Nährboden für solche schrecklichen Vorkommnisse.

CC BY-SA 4.0 Kerzen für Joane Florivil – junge Haitianerin in Polizeigewalt verstorben von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Peru: Protest gegen rassistischen Werbespot (Lima, 8. September 2018, Servindi).- Am 9. September rief das Kollektiv „Bürger*innen im Kampf gegen den Rassismus“ zu einem symbolischen und friedlichen Protest vor dem Laden von Saga Falabella auf. Auslöser war ein Werbespot der Firma, in dem eine junge afroperuanischen Frau namens Valeria mit schlechtem Geruch und Schmutz in Verbindung gebracht wird. Der Rassismus in dem Werbespot von Saga Falabella „zieht sich seit langem durch die Werbung des Unternehmens. Die Stereo...
Streik der Studierenden an der UNAM (Berlin, 11. September 2018, poonal).- An mindestens 32 Einrichtungen der Nationalen Autonomen Universität Mexikos – kurz UNAM – traten die Studierenden am 4. September in den Streik. Diesem schlossen sich binnen kürzester Zeit Kommiliton*innen in ganz Mexiko an. Zehntausende von ihnen gingen in Mexiko-Stadt und weiteren Städten des Landes auf die Straße und forderten ein Ende der Gewalt an Mexikos Hochschulen. Streik für Verbesserung der Sicherheitslage Mit ihrem Streik re...
Migrationspolitik der USA: Kriminalisierung als Strategie (Quito, 31. August 2018, colombia informa).- Die Migrationspolitik der USA hat sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts auf die Kriminalisierung der Migrant*innen im Namen der nationalen Sicherheit konzentriert. Unter der gegenwärtigen Regierung von Donald Trump stützen sich die Reformen der US-Migrationspolitik auf einen rassistischen, xenophoben und völkischen Diskurs. Dazu kommt der Plan, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu bauen, um den Zutritt von Immigrant*innen ohne...
Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Diskriminierung und Anstiftung zum Hass in Costa Rica (San José, 25. August 2018, Derecho Internacional Público/poonal).- Die politische Krise, die am 18. April in Nicaragua losgetreten wurde, hat zu einem massiven Zustrom von Nicaraguaner*innen nach Costa Rica geführt. Durch die bislang vorherrschende Tradition der Offenheit wurden zunächst keine fremdenfeindlichen Aktionen registriert. Doch am 18. August hatte eine kleine Gruppe im zentral gelegenen Parque de la Merced in der Hauptstadt San José eine Demonstration gegen nicara...
Gewalt gegen venezolanische Geflüchtete (Rio de Janeiro, 19. August 2018, taz).- Im Norden Brasiliens ist es zu Ausschreitungen gegen venezolanische Geflüchtete gekommen. In der Grenzstadt Pacaraima griff eine aufgebrachte Menge am Samstag (Ortszeit) ein Flüchtlingslager und andere Unterkünfte von Migrant*innen aus dem Nachbarland an. Notdürftige Behausungen und Habseligkeiten der Venezolaner*innen wurden in Brand gesteckt, wie die Zeitung O Globo in ihrer Online-Ausgabe berichtete. Auch Steine wurden geworfen, ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.