Bolivien

Keine Einigung mit der Opposition in Sicht


(Montevideo, 25. August 2008, comcosur-púlsar).- Die bolivianische Rechte ist weiterhin auf Konfrontationskurs mit der Regierung von Evo Morales. Am 27. August organisierte die Opposition in drei Regionen des Landes Streiks und anschließende Straßensperren. Wie gewohnt konzentriert sich der Aufruhr auf die Departements Santa Cruz gefolgt von Beni und Pando. Deren Präfekten fordern die Rückgabe von 166 Mio. US-Dollar aus Erdöleinnahmen, mit denen die Regierung eine jährliche Rente von 337 US-Dollar für alle bedürftigen Alten ab 60 Jahren finanziert. Auf das Argument der gerechten Verteilung der Erdöleinnahmen reagiert die Rechte mit Gleichgültigkeit.

Laut MAS-Kabinettschef Juan Ramón Quintana seien Polizei und Streitkräfte bewusst „provoziert“ worden, um mit Gewalt auf die Streikenden zu reagieren. Die ultrarechte Jugendorganisation „Unión Juvenil Cruceñista“ hatte alle Händler und Transporteure dazu gezwungen, sich am Streik zu beteiligen. Morales bot den Streikenden ein neues Abkommen zur gerechteren Verteilung der Steuern an. Zudem warnte er davor, dass seine Regierung sich gezwungen sehen könnte, hart gegen die Streikenden vorzugehen, „falls einige Gruppen nicht die Bedürfnisse und Not der großen Mehrheit verstehen wollen und immer gewalttätiger werden“.

Die Rechte versucht zudem, die Versorgung mit Lebensmitteln einzuschränken. So will die Viehzuchtregion Beni ihren Hauptabnehmermarkt, die Städte La Paz, Oruro und Potosí, nicht mehr mit Fleisch beliefern. Die Regierung wiederum zählt auf die Unterstützung der großen Masse der ärmeren Bevölkerung: Angesichts der Drohungen der Opposition versicherten Kleinbauern und Indigene, dass sie gleichfalls Zugänge zu verschiedenen Bezirken abriegeln würden, um so die Rechte zu blockieren. Die Regierung unter Evo Morales kündigte wiederum an, Fleisch, wenn nötig, zu importieren.

Die Regierung verfügte zudem am 24. August, dass Sanktionen gegen solche Staatsbedienstete verhängt würden, die Ölstationen besetzten bzw. beschädigten oder Gasleitungen schließen würden. Die Präfekten der Opposition hatten diese Maßnahmen angekündigt, um den Teil der Erdöleinnahmen zurück zu erpressen, den die Regierung ihnen gekürzt hatte, um das Geld in die Altersrente für Bedürftige fließen zu lassen. Nach der Drohung der Präfekten hatte das Militär begonnen, Ölförderstationen in Santa Cruz, Chuquisaca und Tarija zu überwachen. In den Gemeinden Villamontes und Yacuiba, im Departement Tarija, wurden am 25. August kurzzeitig Behinderung der Öl- und Gaslieferungen in Leitungen registriert, die nach Argentinien, Paraguay und Santa Cruz führen.

CC BY-SA 4.0 Keine Einigung mit der Opposition in Sicht von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Kriminelle Umweltzerstörung im Nordwesten Mexikos Von Victor M. Quintana(Mexiko-Stadt, 6. Mai 2016, la jornada).- Nicht jeden Tag genießt man ein solches Vorrecht. Die pastoralen Mitarbeiter*innen der Diözese der Sierra Tarahumara, einer Gebirgsregion im Nordwesten Mexikos, luden mich zu ihrer Versammlung zum Thema Seelsorgeplan der Diözese ein. Die Dynamik dieser großen Gruppe, die sich aus Laien, Nonnen, Mönchen und Priestern zusammensetzt, erregte meine Aufmerksamkeit. Anfang des Jahres hatten sie einen Seelsorg...
Nach der Niederlage von Evo Morales Von José Carlos Díaz Zanelli(Quito, 29. Februar 2016, servindi).- Bei der am 21. Februar dieses Jahres abgehaltenen Volksbefragung über eine Verfassungsänderung, die eine erneute Kandidatur des bolivianischen Präsidenten Evo Morales möglich und damit den Weg für seine Wiederwahl frei machen sollte, stimmten nach Auszählung der Stimmen 51,3 Prozent gegen und 48,7 Prozent für eine Änderung. Damit hat Morales nach elf Jahren Regierungszeit einen ersten herben Rückschlag ...
Über das „Nein“ zur möglichen Wiederwahl von Evo Morales Von Cristina Fontenele(Fortaleza, 24. Februar 2016, adital).- Bei dem am 21. Februar dieses Jahres abgehaltenen Referendum über die mögliche Wiederwahl des Präsidenten Boliviens entschied sich die Mehrheit der bolivianischen Bevölkerung gegen eine Änderung des Artikels 168 der Verfassung von 2009 und damit gegen eine erneute Kandidatur Evo Morales´ bei den Präsidentschaftswahlen 2020. Nach Zahlen der Obersten Wahlbehörde Boliviens OEP (Órgano Electoral Plurinacional) ...
Cancún: Das Urlaubsparadies ist die Hölle für Frauen von Andrea Franco (Mexiko-Stadt, 03. November 2015, cimac).- Am Sonntag, dem 1. November dieses Jahres nahmen mehr als fünftausend Menschen an einer Demonstration in der mexikanischen Küstenstadt Cancún teil, um gegen Frauenmorde, gewaltsames Verschwindenlassen und den Anstieg der Gewalt in dieser Gegend zu protestieren. Doch weder die zahlreichen Proteste gegen die Frauenmorde noch die Ermordung einer weiteren jungen Frau im Touristenzentrum der mexikanischen Karibik konnte...
Teatro Trono Deutschlandtour Sept.-Nov. 2009 Bis Ende November touren Teatro Trono aus Bolivien für drei Monaten durch Deutschland. Teatro Trono aus El Alto, der armen Zwillingsstadt von La Paz, gilt als eines der ambitioniertesten Theaterprojekte des Landes. In ihrer Kunst fusioniert das alte und neue Bolivien. Die Körperliche Entkolonialisierung, die Emanzipation der Körper von der ‚Kolonialen Haut’ steht im Mittelpunkt der künstlerischen Auseinandersetzungen von Teatro Trono, die ihre Performances als Form der politi...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *