Chile

Katholische Kirche verteilt homophobe Broschüre an Schulen


(Fortaleza, 18. August 2009, adital).- Die katholische Kirche in Chile veröffentlichte Mitte August die 134 Seiten starke Broschüre „Jugendliche Homosexualität: eine seelsorgerisch–pädagogische Orientierungshilfe“. In diesem Buch werde behauptet, Homosexualität verarme die Menschen, weil sie „tierisch“, „geistesgestört“, „narzisstisch“ und „fehlgeleitet“ sei, heißt es in der Online–Zeitung Opus Gay. Demnach stehe diese kirchliche Publikation inhaltlich in völligem Gegensatz zu einem Ratgeber zur sexuellen Vielfalt, den die Nichtregierungsorganisation (NRO) Bewegung für die homosexuelle Integration und Befreiung Movilh (Movimiento de Integración y Liberación Homosexual), die u. a. von der UNO und von Amnesty International unterstützt wird, herausgibt.

Die Kirche übergab ihren Ratgeber an Lehrer*innen im ganzen Land. Zudem seien für die kommenden Monate weitere Präsentationen an verschiedenen Orten des Landes geplant. Die „Bildungs“–Aktion habe das Ziel, der zunehmenden Akzeptanz einer rechtlichen Gleichstellung von homo– und transsexuellen Personen, wie sie in Umfragen bereits nachgewiesen wird, entgegenzuwirken, wird auf der Internetseite von Opus Gay aus dem Buch zitiert.

Im April diesen Jahres hatte die NRO Movilh in Schulen die Broschüre „Schule in Vielfalt: Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität in den Klassenzimmern“ ausgegeben. Sie will damit die Akzeptanz und das Verständnis für Menschen verschiedener sexueller Orientierungen oder geschlechtlicher Identitäten fördern. Die Publikation der katholischen Kirche sei eine direkte Reaktion auf die Aktivitäten anderer Akteur*innen, die sich für die Gleichstellung von Homo- und Transsexuellen einsetzen, wird weiter bei Opus Gay aus der Kirchenpublikation zitiert.

In ihrem Buch schlage die Kirche den Schulen vor, ein „Präventionssystem“ einzuführen, mit dem Jugendliche aufgefangen werden sollen, damit sie „gerettet“ würden und ihre sexuelle Orientierung korrigierten.

Opus Gay kritisiert das von der Kirche herausgegebene Buch, denn es „verbreitet gefährliche und verleumderische Vorurteile gegen Menschen, die Personen des gleichen Geschlechts lieben und/oder transsexuell sind und bedient sich dabei der widersprüchlichen und homophoben Prämisse, dass man sexuelle Minderheiten ‚aufnehmen‘ und ‚respektieren‘ müsse, jedoch ihre ‚Sexualpraktiken‘ niemals ‚gutheißen‘ dürfe“.

Das Buch wurde von der Interdisziplinären Arbeitsgruppe der Salesianischen Jugend, mit ausrücklicher Unterstützung durch den Erzbischof von Concepción, Ricardo Ezzati, den Bischof von Arica, Héctor Vargas sowie dem Bischof von Punto Arenas, Tomás González zusammengestellt.

Die katholische Kirche steht mit ihrer Homophobie in Chile allerdings nicht allein: Evangelikale Aktivist*innen haben in Facebook bereits Gruppen gebildet, die sich gegen die Broschüre von Movilh aussprechen und der fast 5.000 Personen beigetreten sind. Die extrem konservative Vereinigung „Aktion Familie“ (Acción Familia) hat bereits mit dem Sammeln von Spenden begonnen, um eine eigene, für die Schulen bestimmte homophobe Broschüre herausgeben zu können.

Mehr Informationen hierzu: http://www.opusgay.cl/1315/article–87469.html (spanisch)

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