Karibik

Karibikstaaten im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels


Auch vom Klimawandel in der Karibik betroffen: Fischer an der kolumbianischen Karibikküste / Foto: Carlos Octavio Uranga, CC BY-NC-ND 2.0

Auch vom Klimawandel in der Karibik betroffen: Fischer an der kolumbianischen Karibikküste / Foto: Carlos Octavio Uranga, CC BY-NC-ND 2.0

(Lima, 16.05.2017, noticias aliadas).- Die Regeneration von Korallengärten und die Wiederbesiedlung von überfischten Gebieten gehören zu den Massnahmen, die Wissenschaftler*innen der Karibik seit einem Jahrzehnt im Kampf gegen den Klimawandel veranlassen.

Regionales Handeln zum Schutz des Fischereisektors

Für ihre Existenzsicherung sind die Karibikinseln vom maritimen Lebensraum abhängig, der jedoch von voraussichtlich stärker werdenden Hurricans, Dürreperioden und dem Anstieg des Meeresspiegels und der Korallenbleiche betroffen ist.

Laut des 2014 veröffentlichten, fünften Berichts des Weltklimarates IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), haben “[v]iele terrestrische, Süßwasser- sowie marine Arten […] ihre geographischen Verbreitungsgebiete, jahreszeitlichen Aktivitäten, Migrationsmuster, Populationsgrößen und Interaktionen zwischen den Arten in Reaktion auf den anhaltenden Klimawandel verändert”, Folgen, die auch in der Karibik beobachtet wurden.

Der Regionale Fischereimechanismus der Karibik CRFM (Caribbean Regional Fisheries Mechanism) erstellt derzeit einen Klimabericht, der Ende des Jahres veröffentlicht werden soll und Strategien enthält, um die Auswirkungen des Klimawandels auf den Fischereisektor, der in der Wirtschaft der Karibikstaaten eine zentrale Rolle spielt, einzudämmen. Zum CRFM gehören Anguila, Antigua und Barbuda, Bahamas, Barbados, Belize, Dominica, Granada, Guyana, Haiti, Jamaica, Montserrat, St. Kitts und Nevis, Santa Lucia, Saint Vicent und die Grenadinen, Surinam, Trinidad und Tobago, und die Turks- und Caicos-Inseln.

Der Bericht wird sich unter anderem mit der Versauerung der Meere, extremen Klimaereignissen, dem Anstieg des Meeresspiegels und der Meerestemperatur, sowie der Rolle der Gesellschaft im Zusammenhang mit Fischfang, Tourismus und Siedlungsbau, beschäftigen.

Staatliche Planung gegen Folgen des Klimawandels

Laut des vom WWF (World Wildlife Fund) veröffentlichten Living Planet Index 2016, einem Indikator für biologische Vielfalt, sank die Population der im Meer lebenden Arten zwischen 1970 und 2012 um 36 Prozent. Grund sei die Übernutzung, der Verlust und die Verschlechterung von Meereslebensräumen.

Gemeinden der Karibik, deren Lebensunterhalt und Ernährung vom Fischfang abhängen, befinden sich aufgrund des Rückgangs der Fänge in Gefahr. Sollte diese Tendenz anhalten, würde die Wirtschaft vieler Karibiknationen zusammenbrechen.

Kuba etwa bewilligte am 25. Abril den staatlichen Plan zur Bekämpfung des Klimawandels (Plan de Estado para Enfrentar el Cambio Climático). Dabei handelt es sich laut der kubanischen Ministerin für Wissenschaft, Technologie und Umwelt, Elba Rosa Pérez, um “Vorschläge für konkretes Handeln, das dazu beizutragen soll, den Folgen des [Klimawandels] entgegenzuwirken”.

Der Klimawandel, erklärte Pérez, “hat bereits und wird auch in Zukunft die Umweltprobleme verschlimmern und wird somit zu einem die nachhaltige Entwicklung bestimmenden Faktor werden”.

Wissenschaftliche Studien haben den Temperaturanstieg auf der Insel, hohe Unbeständigkeit bei tropischen Wirbelstürmen, Veränderungen im Niederschlagsmuster, Zunahme der Häufigkeit und der Dauer von Trockenheiten sowie den beschleunigten Anstieg des Meeresspiegels in den letzten fünf Jahren bestätigt.

Küstennahe Gebiete besonders betroffen

Der Plan, bekannt als „Tarea Vida” („Aufgabe Leben”), befasst sich unter anderem mit dem Schutz des Lebens der Bevölkerung, der Nahrungsmittelsicherheit und der Entwickung des Tourismus und räumt asugehend davon drei besonders gefährdeten Zonen Priorität ein. Für die betroffenen Gebiete beinhaltet der Plan Maßnahmen, um „Auswirkungen [vor Ort] entgegenzuwirken”. So etwa soll “der Bau von neuen Wohnungen in Siedlungen an der Küste unterbunden und küstennahe Anbauflächen oder solche, die durch den Eintritt von Meereswasser in das Grundwasser gefährdet sind, verkleinert werden”, erklärte Pérez.

Aufgrund der Auswirkungen für Natur und Infrastruktur stellen Überschwemmungen in Küstengebieten infolge des steigenden Meeresspiegels, starker Wellengang durch Hurrikans, Kaltfronten und andere extreme Wetterlagen die größten Gefahren dar.

Unter den elf Aufgaben, die der Plan „Tarea Vida” vorsieht, befinden sich die effiziente Bereitstellung und Nutzung von Wasser im Hinblick auf Trockenperioden oder die Aufforstung. um damit den größtmöglichen Schutz von Böden und Wasser zu erreichen. Zudem soll die Zerstörung von Korralenriffen gestoppt und deren Regeneration und Schutz sichergestellt, sowie Programme, Pläne und Projekte für erneuerbare Energie, Energieeffizienz, Nahrungsmittelsicherheit, Gesundheit und Tourismus umgesetzt werden.

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