Chile

Kampf um Saatgut: Verfassungsgericht soll bäuerliches Saatgut schützen


Bildquelle: Agencia Medio a Medio(Concepción, 18. Mai 2011, agencia medio a medio).- Senator*innen der Opposition wollen sich an das Verfassungsgericht wenden, um zu verhindern, dass Präsident Piñera ein Gesetz unterzeichnet, das den Anbau transgener Pflanzen erlaubt und den Bauern verbietet, Saatgut aus ihrer eigenen Ernte für den Anbau zu verwenden.

Dieses kürzlich verabschiedete Gesetz, das auf Betreiben multinationaler Biotechnologie-Konzerne zustande kam, ist Teil des internationalen Übereinkommens zum Schutz von Pflanzenzüchtungen UPOV 91. Die Biotechnologie-Konzerne können damit auf eine Verlängerung der Gültigkeitsdauer der Rechte und Garantien für den Verkauf hybrider und transgener (genetisch veränderter) Samen hoffen.

 

Kleinbäuerliche Landwirtschaft in Gefahr

Senatorin Rincón erklärte, dass „man das Gesetz über die Rechte der Pflanzenzüchter hätte debattieren sollen, bevor über die Ratifizierung des Übereinkommens abgestimmt wurde, denn dieses hebt die Inhalte des Gesetze Nr. 19.342 von 1994 auf, mit dessen Hilfe die Erfassung von Pflanzenarten eingeführt wurde. Auf Grundlage dieses Gesetzes unterschrieb Chile die 1978 überarbeitete Version des Übereinkommens, welche sich weniger schädlich auf die Agrarwirtschaft auswirkte als die Version von 1991“.

Laut Senator Jaime Quintana werde in dem Moment, in dem Präsident Sebastián Piñera dieses internationale Instrument ratifizieren würde, „eine bäuerliche Praxis anfangen zu verschwinden, die Jahrhunderte lang die Grundlage für eine gesunde Ernährung der Bevölkerung gewesen war. Zudem würde die Einführung des Gesetzes die kleineren Agrarbetriebe ernstlich schädigen und die Tür für die Einführung von transgenen Pflanzen öffnen“.

Opposition beruft sich auf Konvention 169 der ILO

Darum schickte Quintana voraus, dass er über den Leiter des Präsidialamtes, Cristián Larroulet beantragen werde, dass man Garantien einräumen müsse, damit die UPOV nicht dem widersprechen wird, was in der ILO-Konvention 169 festgelegt wurde, die wiederum Verfassungsrang hätte.

Quintana fügte hinzu, dass er die Möglichkeit erwäge, sich an internationale Organe wie die Internationale Arbeitsorganisation ILO zu wenden. Die ILO-Konvention 169 wurde 2008 von Chile unterzeichnet und stärkt die Rechte indigener Völker, insbesondere das Recht auf Land und Ressourcen.

CC BY-SA 4.0 Kampf um Saatgut: Verfassungsgericht soll bäuerliches Saatgut schützen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

onda-info 432 Hallo und Willkommen zum onda-info 432! Wir starten mit einer kurzen Nachricht zu den Wahlen in Paraguay vom 23. April 2018. Dann geht es nach Kuba. Auch dort hat es "Wahlen" gegeben - die Nationalversammlung hat Miguel Díaz-Canel zum neuen Präsidenten Kubas ernannt. Damit ist zumindest formell kein Castro mehr an der Staatsspitze. Wir haben uns in Havanna mal umgehört, wie die Leute die Veränderungen der letzten Jahre bewerten und ob sie Erwartungen an die neue Staatsf...
Hausangestellte – der unsichtbare Sektor (Mexiko-Stadt, 9. März 2018, desinformémonos).- Mexiko hat auf institutioneller und rechtlicher Ebene viele Fortschritte beim Thema Frauenrechte zu verzeichnen, aber es gibt noch viele Herausforderungen. Die Gleichstellung ist auch weiterhin ein Wunschdenken. Auf dem Weg dorthin gibt es große Hindernisse, unter anderem die Gewalt in ihren vielfältigen Ausprägungen.. „Wir sind zwar vorangekommen, aber es reicht nicht – noch nicht mal dafür, dass die Frauen ein Leben frei vo...
El Salvador: Teodora Vásquez ist nach über zehn Jahren frei! Von Chris Klänie (San Salvador, 21. Februar 2018, amerika21).- Teodora del Carmen Vásquez ist nach mehr als zehn Jahren Gefängnis in El Salvador Ende vergangener Woche freigelassen worden. Sie war im Jahr 2007 zu 30 Jahren Haft verurteilt worden, nachdem sie eine Totgeburt erlitten hatte. Das Gericht hielt es damals für erwiesen, dass sie ihr Kind bei der Geburt getötet hat. Menschenrechtsorganisationen wie die Bürgervereinigung für die Entkriminalisierung der Abtreibu...
„Uns bringt das Erdöl gar nichts!“ Der Staat, private Unternehmen und internationale Konzerne - sie alle fördern seit Jahrzehnten Erdöl im peruanischen Amazonasgebiet. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Umweltverschmutzungen und zu Konflikten mit den dort lebenden Indigenen. Für viele der Ölaustritte ist eine Pipeline verantwortlich, die von den Ölfeldern im Amazonasgebiet bis zu den Häfen an der Küste führt. Die Pipeline "Oleoducto Norperuano" gehört der staatlichen Erdölgesellschaft Petroperú. Die Pipel...
Uruguay: Zwischen Straflosigkeit und Aufklärung Uruguay ist heute eine der fortschrittlichsten Demokratien der Welt. Doch hat es das Land geschafft seine jüngere Geschichte aufzuarbeiten? Wenn die Vergangenheit unter Beteiligung der Zeitzeugen aufgeklärt werden soll, dann ist jetzt die letzte Chance, denn sowohl Täter, als auch Opfer werden nicht mehr lange leben... Wir hören einen Beitrag von Valentin der Negri. Er wagt einen Rückblick auf die Militärdiktatur der siebziger und achtziger Jahre und geht der Frage nach, wi...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.