Chile

Kampagne gegen tödliches Gift im Goldabbau


Buchvorstellung. Foto: Agencia Medio a Medio(Concepción, 30. Juli 2011, Agencia Medio a Medio).- Am 27. Juli wurde das Buch “Cianuro, la cara tóxica del oro” („Zyanid, die giftige Seite des Goldes“) des kanadischen Forschers William Sacher, im Austellungsraum des chilenischen Nationalarchivs vorgestellt. Das Werk dient als Grundlage der Kampagne für das Verbot von Natriumzyanid beim Goldabbau in Lateinamerika.

Das Lateinamerikanische Observatorium für Umweltkonflikte OLCA (Observatorio Latinoamericano de Conflictos Ambientales) und der unabhängige Verlag Quimantú präsentierten eine gedruckte Version des Buches, welches unter dem Link www.conflictosmineros.net im Internet kostenlos zur Verfügung steht. Damit soll in Chile eine Debatte über ein international stark polemisiertes Thema ausgelöst werden, die es paradoxerweise im „Land des Bergbaus“ selbst noch nicht gibt.

Laut Lucio Cuenca, Vorstandsmitglied des OLCA, hatte eine Anfrage an das geologische Forschungsinstitut SERNAGEOMIN oder an das Gesundheitsministerium ergeben, dass es weder Studien noch spezifische Kontrollen zum Gebrauch und dem genauen Ziel des Einsatzes von Natriumzyanid im Bergbau und dessen Auswirkungen auf die Gesundheit der Arbeiter gebe. Dies sei höchst beunruhigend, wenn man bedenke, dass derzeit 14.000 Tonnen der Substanz im Einsatz sind und sich die Zahl verdoppeln würde, falls das umstrittene Bergbauprojekt Pascua Lama in Betrieb genommen würde. Diese Zahl stiege noch weiter an, wenn auch die anderen Megaprojekte Gestalt annehmen würden, die im Hinblick auf Umweltfragen bereits genehmigt worden sind.

Gewinne für Unternehmen, Verluste für Mensch und Umwelt

Bei der Auswaschung des Bodens mit Zyanid wird eine Tonne Felsgestein zerstört, aus dem zwei Gramm Gold gewonnen werden. Dabei wird das Felsgestein mit einem Kilo Zyanidlösung pro Gramm Gold berieselt. Die Kosten für das Unternehmen belaufen sich dabei auf ungefähr 50 Dollar pro Goldunze, deren Wert auf den internationalen Märkten auf circa 1.600 Dollar geschätzt wird. Die sozialen Kosten und die der Umwelt werden bei der Kosten-Nutzen-Rechnung offensichtlich außer Acht gelassen, bleiben für die Staatskassen aber eine unerträgliche Belastung.

Doktor Andrei Tchernitchin, Experte für Toxikologie der Universität von Chile, bestätigte seinerseits den fehlenden Willen der Politik, in Forschungen auf diesem Gebiet des öffentlichen Gesundheitswesen zu investieren und präsentierte Statistiken aus eigenen Studien, die den Zusammenhang zwischen Abfallprodukten des Bergbaus und Krankheiten in angrenzenden Regionen unter Beweis stellen. Tchernitchin verwies außerdem auf das Vererbungsschema des Imprinting (genomische Prägung). Dies beschreibt die unsichtbare Wirkung der Schwermetalle auf die Gene, mit schwersten Folgen nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die ganze Gesellschaft.

Im Anschluss daran betonte Moisés Labraña, Vositzender der Dachgewerkschaft des chilenischen Bergbaus (Confederación Minera de Chile), wie wichtig es für die Arbeiter*innen und die Gemeinschaft sei, über wissenschaftliche Informationen zu verfügen, die nicht von den Unternehmen selbst finanziert werden. Dies sei heutzutage äußerst schwierig angesichts der Komplizenschaft zwischen den Universitäten und transnationalen Bergbauunternehmen. Die so erstellten Berichte erlaubten – weit entfernt von fachlicher Ethik – den Einsatz von Technologien und die Entwicklung von Schürfgruben auch dann, wenn diese offensichtlich die Lebensqualität des Landes verschlechtern. Denn für die Unternehmen wiederum – die Finanziers der Studien – bedeute dies einen umso größeren Gewinn.

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