Argentinien

Justiz verurteilt Verbrechen der Militärdiktatur


Eines der geheimen Gefangenenlager. Foto: arteyfotografia.com.ar(Buenos Aires, 13. April 2011, púlsar).- Der Bundesgerichtshof Nr.1 von Buenos Aires hat vier Verantwortliche der zwischen 1976 und 1983 bestehenden Militärdiktatur wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt.

Der Generalmajor Eduardo Cabanillas wurde zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Die ehemaligen Mitarbeiter des SIDE Eduardo Ruffo und Honorio Martínez Ruiz wurden zu jeweils 25 Jahren Haft verurteilt, der ehemalige Geheimagent Raúl Antonio Guglielminetti zu 20 Jahren Haft.

Die Verbrechen wurden im Rahmen der Operation Condor im Geheimzentrum für Verhaftungen “Automotores Orletti” verübt. Im Stadtviertel Flores von Buenos Aires wurde damals eine alte Autowerkstatt durch Mitarbeiter des argentinischen Geheimdienstes SIDE (Secretaría de Inteligencia de Estado) angemietet und als Geheimzentrum umfunktioniert. Hier wurden Menschen aus Argentinien, Chile, Uruguay, Peru, Bolivien und Kuba verhört und gefoltert. Unter dem Decknamen Operation Condor koordinierten in den 1970er und 1980er Jahren die Diktaturen Südamerikas die Verfolgung oppositioneller Kräfte.

Haftstrafen für Verbrechen im Rahmen der Operation Condor

Das Gericht befand die Angeklagten der rechtswidrigen Freiheitsberaubung, Folter und Mord von 65 Opfern für schuldig. Von diesen sind 18 noch immer verschwunden: zehn Argentinier, drei Uruguayer, zwei Kubaner, ein Chilene und zwei in Bolivien entführte Argentinier. Weitere sechs Argentinier wurden ermordet.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Aufarbeitung der südamerikanischen Diktaturverbrechen wurde durch das Gerichtsurteil sowohl die rechtswidrige Freiheitsberaubung von 65 Menschen durch die Operation Condor als auch die repressive Kooperation zwischen den ehemaligen Diktaturen des Cono Sur bestätigt.

CC BY-SA 4.0 Justiz verurteilt Verbrechen der Militärdiktatur von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

onda-info 432 Hallo und Willkommen zum onda-info 432! Wir starten mit einer kurzen Nachricht zu den Wahlen in Paraguay vom 23. April 2018. Dann geht es nach Kuba. Auch dort hat es "Wahlen" gegeben - die Nationalversammlung hat Miguel Díaz-Canel zum neuen Präsidenten Kubas ernannt. Damit ist zumindest formell kein Castro mehr an der Staatsspitze. Wir haben uns in Havanna mal umgehört, wie die Leute die Veränderungen der letzten Jahre bewerten und ob sie Erwartungen an die neue Staatsf...
Migration, Militär und Machtverhältnisse in der kolumbianisch-venezolanischen Grenzregion (Bogotá, 26. Februar 2018, colombia informa/pressenza/poonal).- Soziale Bewegungen in Kolumbien und Venezuela schließen sich auf beiden Seiten der Grenze für ein Leben in Frieden und Solidarität zusammen. Unter dem Motto „Der Frieden in Kolumbien und Venezuela ist der Frieden des Kontinents“ organisieren sie die Veranstaltung „Bevölkerungen vereinen – Für den Frieden“ als eine Art Gegenprogramm zu Gewalt, Hass und Falschinformationen. Am 1. und 2. März 2018 finden die Veranst...
Staatliche Antworten auf die Migration aus Venezuela (Montevideo, 14. Februar 2018, la diaria).- Tausenden Venezolaner*innen sind in anderen Ländern der Region angekommen. Die größte Anzahl von Ankömmlingen verzeichneten die angrenzenden Staaten Kolumbien und Brasilien, die bereits Maßnahmen ergriffen haben, um die Migration in Grenzen zu halten, insbesondere die illegalisierte. Nach offiziellen Angaben sind in den letzten Jahren 550.000 Venezolaner*innen nach Kolumbien gegangen und 40.000 nach Boa Vista, der Hauptstadt des bra...
El Salvador: Teodora Vásquez ist nach über zehn Jahren frei! Von Chris Klänie (San Salvador, 21. Februar 2018, amerika21).- Teodora del Carmen Vásquez ist nach mehr als zehn Jahren Gefängnis in El Salvador Ende vergangener Woche freigelassen worden. Sie war im Jahr 2007 zu 30 Jahren Haft verurteilt worden, nachdem sie eine Totgeburt erlitten hatte. Das Gericht hielt es damals für erwiesen, dass sie ihr Kind bei der Geburt getötet hat. Menschenrechtsorganisationen wie die Bürgervereinigung für die Entkriminalisierung der Abtreibu...
Verteidigungsminister Cienfuegos wird vorerst kein Ehrendoktor Von Gerd Goertz (Mexiko-Stadt, 10. Februar 2018, npl).- Nach zahlreichen Protesten ist die Verleihung des Doktortitels honoris causa an den mexikanischen Verteidigungsminister Salvador Cienfuegos Zepeda durch die Universität für Wissenschaft und Kunst von Chiapas (Unicach) vom Uni-Rektor suspendiert worden. Der Universitätsrat hatte die Vergabe des Ehrentitels in völliger Verkennung der Stimmungslage am 2. Februar mit einer Zweidrittelmehrheit beschlossen. Umgehend bra...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.