Argentinien

Jujuy: Macri verlässt wegen massiver Proteste Veranstaltung im Hubschrauber


Hubschrauber

Der argentinische Präsident musste seine Veranstaltung per Hubschrauber verlassen. Foto: ANRed

(Buenos Aires, 19. August 2018, anred).- Am Freitag, 17. August 2018, musste der argentinische Präsident Mauricio Macri eine Veranstaltung im Nordwesten Argentiniens wegen massiver Proteste im Helikopter verlassen. Die Veranstaltung fand in Purmamarca in der Provinz Jujuy statt. Weitere Protestkundgebungen wurden unter anderem in Tilcara und der Provinzhauptstadt San Salvador de Jujuy durchgeführt. Der Präsident wollte in Purmamarca seinen Plan vorstellen, das Militär zukünftig bei Angelegenheiten der „inneren Sicherheit“ einzusetzen.

Dagegen mobilisierten sich Mitglieder mehrerer Organisationen in verschiedenen Städten der Provinz Jujuy, um die Aufhebung des Dekrets 683/18 zu fordern, welches die Einbeziehung der Streitkräfte im Inneren vorsieht. Sie verlangten außerdem die notwendigen Mittel, um das reibungslose Funktionieren der staatlichen Universitäten, der staatlichen Erziehung im allgemeinen und des Wissenschafts- und Technologiesystems zu garantieren.

Kritik an US-Militärstützpunkt

Die Kundgebung in Purmamarca sollte ursprünglich in La Quiaca stattfinden. In der Hauptstadt des Departamentos Yavi verurteilen die dort lebenden Gemeinschaften die Einrichtung eines nordamerikanischen Militärstützpunktes. Den Vorwürfen zufolge befinden sich in dem Gebiet Bodenschätze, die für US-amerikanische Firmen strategisch wichtig sein sollen.

Der Präsident, der abermals das von Menschenrechtsorganisationen kritisierte Dekret rechtfertigte, verteidigte erneut den umstrittenen Militärstützpunkt. „Ich möchte allen Argentinierinnen und Argentiniern sagen, dass diese Frauen und Männer ebenfalls Argentinierinnen und Argentinier sind; sie sind Mitglieder unserer Sicherheits- und Streitkräfte, der Sicherheits- und Streitkräfte der Demokratie. Sie sind da, um uns zu beschützen und wir müssen dankbar dafür sein, dass sie diese Verpflichtung eingegangen sind“ – so einige seiner Worte.

„Wir meistern die Stürme, die vor uns liegen“

Auf der Veranstaltung, auf der die üblichen „Sündenböcke“ wie zum Beispiel „das schwere Erbe“ oder „der Kampf gegen den Drogenhandel“ nicht fehlen durften, gab der Präsident aber auch zu, dass die Armut weiter steige. „Wir meistern die Stürme, die vor uns liegen – mit Überzeugung und indem wir unseren Kurs beibehalten. Und wir sollten immer daran denken, dass – wenn wir unsere Aufgaben erfüllen – wir viele Dinge entwickeln und Arbeit in jedem Winkel des Landes schaffen werden“, bekräftigte Mauricio Macri. Neben dem Präsidenten waren der Verteidigungsminister, Oscar Aquad, die Ministerin für Sicherheit, Patricia Bullrich und der Chef des Armee-Generalstabs Generalleutnant Bari del Valle Sosa, anwesend.

Trotz umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen wie Absperrungen durch die Marineinfanterie brachte die Bevölkerung von Jujuy ihren Ärger zum Ausdruck und überwand einige dieser Umzäunungen. In Tilcara durchbrachen Demonstrant*innen die Absperrungen um zu verhindern, dass der Präsident den Hauptplatz erreichte; allerdings ohne Erfolg. Die Sicherheitskräfte schnitten den Weg ab. Der Präsident verließ den Ort schließlich im Hubschrauber – und schaffte damit ein Bild mit starkem symbolischem Charakter.

CC BY-SA 4.0 Jujuy: Macri verlässt wegen massiver Proteste Veranstaltung im Hubschrauber von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Tödliche Polizeigewalt in Argentinien: Gespräch mit Sergio Maldonado
109
Am 1. August 2017 verschwand der argentinische Kunsthandwerker und Aktivist Santiago Maldonado nach einem Polizeieinsatz gegen eine Gruppe von Mapuche, die eine Straße in Patagonien blockiert hatten. Das Schicksal von Santiago Maldonado hatte damals die argentinische Öffentlichkeit und den Wahlkampf geprägt, am 1. Oktober 2017 gingen landesweit bis zu 300.000 Menschen gegen Polizeigewalt und für Gerechtigkeit auf die Straße. Viele hatten noch die tausendfachen Fälle von gewal...
Vier Tote nach Polizeieinsatz: Organisationen fordern Rücktritt von Ministerin Bullrich
65
(Montevideo, 28. Mai 2019, la diaria).- Zuerst starben vier Jugendliche während eines verstörenden Vorfalls in der Nacht zum Montag, 20. Mai 2019. Daran beteiligt war ein höchst zweifelhaftes Vorgehen der Polizei, das noch untersucht wird. Als die argentinische Sicherheitsministerin Patricia Bullrich nun auch noch das Verhalten des Polizisten Luis Chocobar rechtfertigte, erhielt die Kontroverse neuen Auftrieb. Chocobar hat Ende 2017 einen jungen Mann in La Boca, einem Stadtte...
onda-info 459
153
Seit Ende 2018 beschäftigten wir uns beim Nachrichtenpool Lateinamerika besonders mit den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen der UN – auch bekannt unter dem Namen „Agenda 2030“. Unsere Hinhörer-Serie stellt euch diesmal Ziel 7 vor: Saubere und bezahlbare Energie für alle. Apropos Energie und sauber. In Venezuela setzt man ja unter egal welcher Regierung vor allem auf‘s Öl. Und auf Machterhalt oder Erhalt der Macht. Lässt sich ein Krieg oder eine Militärintervention in dem süda...
Argentinien will Preisanstieg bekämpfen
222
(Montevideo, 17. April 2019, la diaria).- Die Regierung von Mauricio Macri hat eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, um den Preisanstieg für Konsumgüter zu bremsen. Nach offiziellen Angaben sind die Preise im März 2019 um 4,7 Prozent und in den letzten zwölf Monaten um 55 Prozent angestiegen. Die Ankündigung erfolgte durch Finanzminister Nicolás Dujovne, der von der Ministerin für Gesundheit und Soziale Entwicklung, Carolina Stanley, und dem Produktionsminister Dante Sica ...
TV Pública beklagt Zensur
29
(Buenos Aires, 2. April 2019, anred).- Mitarbeiter*innen der Nachrichtenredaktion des staatlichen argentinischen Fernsehsenders TV Pública beklagen eine Beeinträchtigung ihrer Arbeit. Diese sei auf Anordnung des Chefs der Nachrichtenredaktion des Senders, Néstor Sclauzero, sowie des Ministers für öffentliche Medien, Hernán Lombardi erfolgt. „Mitten im Wahljahr und sieben Monate vor den Wahlen darf kein Journalist der Nachrichtenredaktion eine Nachrichtensendung moderieren“, m...