Mexiko

Journalistin Zoila Edith Márquez entführt


Screenshot der Startseite von lineainformativa.com(Mexiko-Stadt, 10. Dezember 2013, cimac-poonal).- Die Lokaljournalistin und Redakteurin des Online-Mediums Línea Informativa aus Zacatecas in Zentralmexiko ist am 7. Dezember gewaltsam entführt worden. Sie gilt seither als vermisst. Die verheiratete Journalistin und Mutter von zwei Kindern verschwand gegen 14 Uhr, als sie mit ihrem Auto auf dem Weg zu einer Videothek war, um geliehene Videos zurückzubringen.

Generalsstaatsanwaltschaft untersucht – und zweifelt an Entführung

Laut der Zeitung „La Jornada“ hätten Augenzeugen berichtet, dass vier Personen, zwei Frauen und zwei Männer, an dem Überfall beteiligt gewesen sein sollen. Ein Mann und eine Frau, vermutlich schwer bewaffnet, hätten Márquez bedroht und sie gezwungen, in den Transporter der Entführer einzusteigen. Von der Journalistin als auch von ihrem Auto fehlt bisher jede Spur.

Die Generalstaatsanwaltschaft von Zacatecas bestätigte das Verschwinden der Journalistin und hat Untersuchungen eingeleitet. Man gehe jedoch nicht davon aus, dass es sich um eine Entführung handele, da kein Familienmitglied Anrufe mit Forderungen zur Rettung von Zoila Márquez erhalten habe. Auch äußerte der Generalstaatsanwalt Arturo Nahle García Zweifel an der Version einer bewaffneten Entführung.

„Reporter ohne Grenzen“ und „Article 19“ fordern Aufklärung

Die international zum Schutz der Meinungs- und Pressefreiheit tätige Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) mit Sitz in Paris forderte in einer Presseerklärung vom 9. Dezember eine schnelle Aufklärung des Falles. Sie geht davon aus, dass das Verschwinden von Márquez mit ihrem Beruf als Journalistin zusammenhängt.

Die Organisation mahnte die Staatsanwaltschaft, diese Annahme bei der Suche nach der Vermissten zu berücksichtigen. Auch die in London ansässige Organisation Article 19 macht auf den Fall aufmerksam und forderte, dass die Spezialstaatsanwaltschaft für Verstöße gegen die Meinungsfreiheit FEADLE auf diesen Fall (Fiscalía Especializada en la Atención de Delitos contra la Libertad de Expresión) angesetzt werde.

Letzte Recherche zu Bergbaukonflikt

Der Chef des Online-Portals Línea Informativa, Omar Hernández Herrera, erklärte, Márquez habe bisher keine Drohungen erhalten, die ihre Sicherheit gefährden könnten, auch das Portal selbst, dass seine Arbeit seit dem Verschwinden der Journalistin vorübergehend eingestellt hat, sei nicht bedroht worden.

Nach Angaben des Portals „Tiempo en linea“ habe Zoila Márquez am Wochenende zuvor an einer Reportage über einen Bergbaukonflikt in der Stadt Loreto gearbeitet. Hernández unterstrich jedoch, er glaub nicht, dass das Verschwinden der Journalistin mit dieser Recherche im Zusammenhang stehe.

Die Nationale Menschenrechtskommission CNDH (Comisión Nacional de Derechos Humanos) hat inzwischen eine Beschwerde wegen des Verschwindens der Journalistin eingereicht. Auf Anweisung des nationalen Bürgerbeauftragten Raúl Plascencia Villanueva erhält die Familie seit dem 8. Dezember Unterstützung.

Entführungen der letzten zehn Jahre blieben straffrei

Mexiko gilt als eines der gefährlichsten Länder für Pressearbeiter*innen. In diesem Jahr sind bereits die Journalisten Sergio Landa Rosado (Diario Cardel) Gerardo Blanquet (Radio Grande, Coahuila) verschwunden. In den letzten zehn Jahren sind nach Angaben von Reporter ohne Grenzen 18 Journalist*innen verschwunden.

Keiner der Fälle konnte aufgeklärt werden. In einigen Fällen ist davon auszugehen, dass Militärs und Polizisten in die Fälle verwickelt seien, so Reporter ohne Grenzen.

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