Costa Rica

Jedes schwangere Kind ist ein vergewaltigtes Kind


von Anna Hackl

Proteste für Frauenrechte in San José (Costa Rica) am 25. November 2013 / Foto: Voces Nuestras(San José, 26. November 2013, voces nuestras).- Der 25. November ist der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“. Weltweit gingen Menschen auf die Straßen, auch in Costa Rica. In den Protesten zeigt sich die Wut darüber, dass Gewalt immer noch toleriert wird und für viele Frauen alltäglich ist. Vor allem Gewalt an Mädchen ist ein Tabuthema, das verschiedene feministische Gruppen im Land endlich ins Licht der Öffentlichkeit bringen wollen.

Von Gleichberechtigung noch weit entfernt

San José am 25. November, 10 Uhr morgens. Der Merced-Park, sonst ruhig und idyllisch, gleicht jetzt eher einem großen Ameisenhaufen. Schon von weitem hört man die Parolen, durch Megaphone stark verzerrt: „Nein bleibt Nein! Nicht eine Tote mehr!“ Verschiedenste Menschen, mehrheitlich Frauen, haben sich hier versammelt, um ihre Unzufriedenheit auszudrücken. Manche kommen alleine, manche gehören großen Gruppen an. Alle halten sie Plakate und Banner in die Luft.

Demo am 25. November 2013 in San José (Costa Rica) / Foto: Voces Nuestras„Mein Körper, meine Entscheidung“, steht auf dem Plakat, das Carmen in den Händen hält. Sie ist 25 und will, dass sich endlich etwas ändert, dass ihr Leben anders wird als das ihrer Mutter.

„Es gibt Leute, die meinen, wir wären schon gleichberechtigt“, erklärt sie aufgebracht. „Das ist Blödsinn. Frauen werden in diesem Land weiterhin unterdrückt. Wir können nachts nicht auf die Straße gehen, wir werden angemacht, angefasst, geschlagen, vergewaltigt, ermordet. Das ist keine Gleichberechtigung.“

Kinder, die Kinder haben

Während Carmen spricht, tritt eine Gruppe junger Feministinnen auf die kleine Bühne. Sie sind als schwangere Mädchen verkleidet und prangern die hohe Schwangerschaftsrate bei Minderjährigen an. Im Jahr 2011 wurden in Costa Rica 14.000 Geburten bei Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren registriert, das sind 20 Prozent aller Geburten insgesamt. Abtreibung ist verboten, die Pille danach gibt es nicht. Das Resultat? Kinder, die Kinder haben. Die meisten von ihnen leben auf dem Land. Aufklärung gibt es kaum, weder in den Schulen, noch in den Familien.

Für sieben von zehn der jungen Mütter bedeutet das nicht nur gesellschaftliche Ächtung, sondern auch noch den Ausschluss von jeglicher Bildung. Der Teufelskreis schließt sich.

Gabriela, vom Feministischen Netzwerk gegen Gewalt an Frauen, meint: „Mehr als 400 Mädchen unter 13 Jahren wurden dieses Jahr zu Müttern. Das ist Vergewaltigung, in jedem einzelnen Fall. altUnd die Gesellschaft zeigt mit dem Finger auf sie, während die Vergewaltiger davonkommen.“

Die Zahlen sprechen Bände und die Dunkelziffern bei Vergewaltigungen sind schwer einzuschätzen. Gabriela sagt, dass die meisten Frauen sich viel zu sehr schämen würden, um eine Anzeige in Erwägung zu ziehen. „Die Gesellschaft macht sich durch ihr Schweigen mitschuldig, das muss aufhören.“ Sie will, dass sich endlich etwas ändert, dass das Schweigen gebrochen wird, dass Frauen aus der Opferrolle herauskommen.

„Costa Rica hat Menschenrechtsabkommen unterzeichnet. Wir fordern den Staat auf, sich endlich an diese zu halten. Und wir verlangen von allen Mitbürger*innen, unsere Rechte zu respektieren und zu schützen.“ Als Gabriela sich umdreht, sieht man den Schriftzug auf ihrem Rücken. „Machismo tötet“.

Die Realität ist eindeutig, die Forderungen der Protestierenden ebenso. Nur, ob sich so schnell etwas ändern wird in einem Land, in dem Frauen angeblich selbst schuld sind, wenn sie vergewaltigt werden, ist zu bezweifeln.

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