Guatemala

Internationale Organisationen fordern von Regierung gewaltfreie politische Lösung der Agrarkonflikte


Gewaltsame Vertreibung von Kekchi-Familien am 17. März 2011 / adital, CUC(Guatemala-Stadt, 29. März 2011, cerigua).- Agrarkonflikten nur durch die Anwendung des Strafrechts zu begegnen, schafft über kurz oder lang unregierbare Verhältnisse. Diese Mahnung erteilten bedeutende akademische Institutionen der guatemaltekischen Regierung in einer gemeinsamen Stellungnahme. Die Vereinigung zum Fortschritt der Sozialwissenschaften in Guatemala ACANCSO (Asociación para el Avance de las Ciencias Sociales en Guatemala), die Lateinamerikanische Fakultät für Sozialwissenschaften FLACSO (Facultad Latinoamericana de Ciencias Sociales) und das Institut zur Analyse und Untersuchung Nationaler Probleme der Universität San Carlos USAC verurteilten in ihrem Schreiben die repressiven Konfliktlösungsversuche des Staat als inhuman.

800 Familien vertrieben, ein Toter

Am 15., 16. und 17. März 2010 wurden mehr als 800 Familien von Sicherheitskräften des Staates und Eigentümer*innen der Zuckerfabrik Chabil Utzaj in Alta Verapaz vertrieben, die das Grundstück beanspruchen, auf dem sich die Kekchi-Familien seit vergangenem Jahr niedergelassen hatten. Während der Vertreibung starb ein Bauer, weitere wurden verletzt sowie deren Ernte und ihre Behausungen zerstört und verbrannt.

Es fehle ein nationales Entwicklungskonzept, das auf politischen Maßnahmen des Staates beruhe, die sich den Problemen des ländlichen Raumes annehme, kritisierten die Institutionen. Vor allem müsse die Initiative für ein Gesetz zur ländlichen Entwicklung weiterverfolgt werden, die vom Kongress blockiert wird. Aktuell sollten zunächst einmal jene Maßnahmen der nationalen Politik der ländlichen Entwicklung umgesetzt werden, die bereits 2009 beschlossen wurden, so die Forderung der Institutionen.

Organisationen fordern Wende in Agrarpolitik

Nach Ansicht der Organisationen finde in den landwirtschaftlichen Konflikten eine historische Problematik ihren Ausdruck, die der Konzentration von Landbesitz geschuldet sei. Außerdem sein die Konflikte Ergebnis des Vorantreibens eines neoliberalen Wirtschaftsmodells, dass ausländische multinationale Investitionen bevorzuge und der Entwicklung des eigenen Binnenmarktes schade.

Folge dieser Politik sei die Abhängigkeit der Produktionsstrukturen von externen Märkten, wodurch es zyklisch zu Wirtschaftskrisen komme, wie beispielsweise beim Kaffeeanbau. Zudem, so kritisieren die Institutionen weiter, habe dieses Agieren die Konzentration auf Ressourcenausbeutung bewirkt und den Bergbau, die Förderung von Erdöl, den Bau großer Wasserkraftwerke und den Monokultur-Anbau von Agrotreibstoffen forciert, deren Gewinne ausschließlich den multinationalen Konzernen zugute kämen, Monokultur von Kraftstoffen, die nur das transnationale Kapital begünstigen.

Menschenrechtsverletzungen des Staates

Die kürzlich von der Zivilen Nationalpolizei PNC (Policía Nacional Civil) und der Armee verübten gewaltsamen Vertreibungen spiegelten eine Staatspolitik wider, die Menschenrechte verletze und sich damit in keinster Weise vom Regierungsstil vorheriger Regierungen unterscheide, betont die Stellungnahme der Institutionen.

CC BY-SA 4.0 Internationale Organisationen fordern von Regierung gewaltfreie politische Lösung der Agrarkonflikte von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Vertriebene in Chiapas kehren in die Ungewissheit zurück (Mexiko-Stadt, 3. Januar 2017, desinformémonos).- Etwa 4.000 aus der Gemeinde Chalchihuitán im südmexikanischen Chiapas vertriebene Indigene sind am 2. Januar in ihre Häuser zurück gekehrt, obwohl dort weiterhin bewaffnete Gruppen aktiv sind. Die Indigenen machen daher die Regierung Bundesstaates Chiapas und die mexikanische Bundesregierung verantwortlich, sollte es zu einem Angriff auf die Familien kommen. Wie die Gemeindepfarrer Marcelo Pérez Pérez, aus Simojovel und Sebast...
Lateinamerika und die Karibik: Keine Erfolge im Kampf gegen den Hunger (Lima, 30. Oktober 2017, noticias aliadas).- Laut dem Bericht zur Lage der Ernährungssicherheit in Lateinamerika und der Karibik in 2017 verliert die Region aktuell ihren Kampf gegen den Hunger. Das anlässlich des diesjährigen Welternährungstags am 16. Oktober veröffentlichte Dokument kommt für 2016 zu dem Schluss, dass 43 Millionen Menschen in Lateinamerika und der Karibik unterernährt sind. Das entspricht 6,6 Prozent der Gesamtbevölkerung von 650 Millionen Menschen. Der ...
Kein Recht auf Gesundheit Venezuela galt einst als vorbildlich: Im Kampf gegen den Hunger und für Gesundheit hatte das Land im vergangenen Jahrzehnt große Fortschritte erzielt. Aber die Sache hatte einen Haken: Das gesamte Sozialsystem war durch den Verkauf von Erdöl finanziert, schließlich verfügt der Staat über umfangreiche Vorkommen des schwarzen Goldes. Doch seit der Ölpreis auf dem Weltmarkt um die Hälfte gesunken ist, geht in Venezuela nichts mehr. Das betrifft auch das Gesundheitssystem: Mensch...
Vertriebene hängen an der Grenze fest (Mexiko-Stadt, 9. Juni 2017, desinformémonos/poonal).- Am 2. Juni sind etwa 500 Menschen aus der Gemeinde San Andrés in der guatemaltekischen Provinz Petén durch ein massives Polizeiaufgebot vertrieben worden. Nachdem sie mehrere Kilometer durch den Regenwald gelaufen sind, hängen sie nun in der Gemeinde Candelaria im mexikanischen Bundesstaat Campeche fest. Nach Angaben von Hilfsorganisationen droht eine humanitäre Krise, da sich die Vertriebenen in schlechtem Zustand und oh...
“Das Recht auf Stadt” zwischen Anspruch und Wirklichkeit Das sonntägliche Mittagessen findet bei Familie Passos traditionell vor dem Fernseher statt. Auf dem Couchtisch ihres Häuschens an der Lagune von Jacarepaguá am westlichen Stadtrand von Rio de Janeiro drängen sich Reis, schwarze Bohnen und Gegrilltes. Auf dem Flatscreen läuft Fußball. Da überlässt Inacia Passos ihrem Mann und Sohn nur zu gern die Fernbedienung, betätigt sich ein bisschen in ihrem Vorgarten und genießt die seltene Stille. „In der Woche hörst du den ganzen T...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.