Ecuador

Intag: Erneuter Konflikt um Kupferabbau bahnt sich an


Auf der Versammlung in Junin Anfang April /Foto: www.decoin.org(Berlin, 16. April 2013, poonal).- Rund 190 Vertreter*innen aus 16 Dörfern haben am vergangenen 6. April bei einer Versammlung in der Gemeinde Junín (Provinz Imbabura) ihren Widerstand gegen den geplanten Kupferabbau in der Region bekräftigt. In einer Erklärung kritisieren sie, „verantwortungsvollen Bergbau“ gebe es nicht, unterstrichen jedoch ihre Dialogbereitschaft. Das staatliche Minenunternehmen ENAMI plant nach eigenen Angaben noch in diesem Jahr Explorationsarbeiten für die 4.839 Hektar große Konzession „Llurimagua“ nahe Junín.

Mehr als 2 Millionen Tonnen Kupfer

Dafür wurde ein Vertrag mit dem weltweit größten Kupferförderer, dem chilenischen Minenunternehmen Codelco, unterzeichnet. Gemäß einer Studie der japanischen Agentur JICA und Landschaft im Intag / Foto: Hoyerder ecuadorianischen Regierung aus den 1990er Jahren werden in 318 Mio. Tonnen Gestein rund 2,2 Mio. Tonnen Kupfer und rund 300 Tonnen Molybdän vermutet.

Die rund 17.000 Bewohner*innen der Bergregion Intag hatten sich seit den 1990er Jahren mehrfach gegen den Bergbau ausgesprochen und über 20 Konzessionen abgewehrt. Im Jahr 2007 entwaffnete und vertrieb die Bevölkerung mit friedlichen Mitteln eingeschleuste Paramilitärs. Mit zahlreichen alternativen Projekten von Ökotourismus über landwirtschaftliche Kooperativen bis hin zu Plänen für eine autarke Energieversorgung sollten seither Alternativen zum Bergbau geschaffen werden.

Cantónsrat von Cotacachi übergeht regionale Beschlüsse

Pérez erklärt seine Sicht bei der Versammlung der Bezirksregierung in Cotacachi / Bildquelle: www.Decoin.orgBesonderen Unmut bei den Bergbaugegner*innen hatte die kurz vor den Präsidentschaftswahlen im Februar 2013 erfolgte Abstimmung des Rates des Cantóns über die Explorationsarbeiten erregt. Alberto Anrango, Bürgermeister von Cotacachi, hatte seine Zustimmung zur Exploration mit der staatlichen Beteiligung begründet: „Wenn ein Privatunternehmen darum bitten würde, wäre das etwas anderes. Doch es ist ein staatliches Unternehmen, und wir sind staatliche Funktionäre, da “,können wir uns nicht dagegenstemmen erklärte er auf der Versammlung am 13. Februar.

Silvia Quilombago, Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation Decoin, wies gegenüber Pressevertreter*innen darauf hin, dass sich der Kanton Cotacachi, zu dem das Konzessionsgebiet gehört, 2002 zum “Ökologischen Cantón“ erklärt habe. Gemäß einem Raumordnungs- und Entwicklungsplan, der partizipativ entwickelt worden sei, hätten sich die von der Konzession betroffenen Gemeinden García Moreno und Peñaherrera für ein anderes Entwicklungsmodell ausgesprochen, das den Bergbau ausschließe. Dieser Beschluss sei mit einer Stimmenmehrheit aus Bürgermeister und Mitgliedern der Regierungspartei Alianza País einfach übergangen worden, so Quilombago und Polibio Pérez, der derzeitige Vorsitzende der Koordination Intag.

Bergbaugegner prangert Einschüchterungsversuch an

Pérez erklärte, am Tag vor der Versammlung in Junín seien morgens vier Patroullien mit insgesamt 17 Polizisten zu seinem Haus im Dorf Chalguayacu gekommen und hätten viele Fragen gestellt, so etwa nach seiner Legitimation, zu der Versammlung aufzurufen. Auf Nachfrage von Gissela Morales, der zuständigen Gemeindevorsitzenden von García Moreno, bei der Provinzregierung in Imbabura habe man zur Antwort eralten, dass es keinen Anordnung zu einem derartigen Einsatz gebe. Pérez erklärte gegenüber der Regionalzeitung „El Norte“, bei diesem Vorfall handle es sich eindeutig ein Einschüchterungsversuch gegen die Bergbaugegner*innen.

Edgar Guillén, Verantwortlicher für Kommunikation bei ENAMI entgegnete auf die Kritik der Bergbaugegner Ende Februar gegenüber “El Norte”: „(…) der neue Bergbau des 21. Jahrhunderts setzt neueste Technik ein, bei der keine kontaminierenden Chemikalien verwendet werden müssen. Foto: Intag e.V.Das Wasser wird wiederaufbereitet, so dass umweltverträglichen Technologien gesprochen werden kann, die in den verschiedenen Phasen der Minentätigkeit zum Einsatz kommen“.

Der Solidaritätsverein Intag e.V. will heute, am 16. April, in Berlin anlässlich des Deutschlandbesuchs von Ecuadors Präsident Rafael Correa mit einer Informations- und Protestveranstaltung vor der Technischen Universität Berlin auf die kritische Situation im Intag aufmerksam machen. Correa wird am frühen Abend an der Universität einen Vortrag halten.

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