Institutionalisierte Homophobie


homosexuality. Foto: Archiv(Lima, 29. Januar 2014, noticias aliadas).- Ende 2013 wurde der Nachrichtensprecher Claudio Nasco ermordet. Der 37-jährige wurde am 13. Dezember in einer Hütte in der Umgebung von Santo Domingo tot aufgefunden. Das Verbrechen wurde von drei Jugendlichen begangen, zu welchen das Opfer sexuelle Beziehungen unterhalten haben soll. Die Tat rückte erneut die Gefahr in den Fokus, in der sich Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle (LGBTI) in der Dominikanischen Republik befinden,.

Die Grausamkeit des Verbrechen deutet auf Homophobie als Tatmotiv hin. Ungeachtet dessen wurde die Tat vom Großteil der Medien als Raubmord eingestuft. Die Medien sehen den Grund für diese Art von Straftaten seitens der jugendlichen Straftäter in sozialen Missständen wie Ausgrenzung und Arbeitslosigkeit, sowie dem Mangel an Bildung und sozialen Aufstiegschancen.

Für Leonardo Sánchez, Vorsitzender der Interessenvertretung der Gemeinschaft der LGBTI ASA (Amigos siempre Amigos), existiert hingegen in der Dominikanischen Republik eine “institutionalisierte Homophobie”. “Das ganze System ist darauf ausgerichtet, die Vereinigung der Gemeinschaft der Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Trans zu unterbinden und ihre Anerkennung zu verhindern”, wurde er in der Presse zitiert.

Auch Familien verhindern Aufklärung

Nach Zahlen der Organisation ASA wurden zwischen 2006 und 2013 mindestens 26 homophobe Straftaten begangen. Die Organisation TRANSSA (Trans Siempre Amigas), ein Zusammenschluss der LGBTI, brachte zwar 13 Fälle vor Gericht, allerdings führten nur zwei zu Verurteilungen. “In nur zwei Fällen konnte ermittelt werden”, präzisierte Sánchez. “Die anderen wurden fallen gelassen, da die Familie und die mit der Untersuchung und Verurteilung beauftragte Staatsanwaltschaft nichts unternehmen und den Fall nicht weiter verfolgen”.

Einer der Gründe für die fehlende gerichtliche Verfolgung der Straftaten stellt Sánchez zufolge die Familie dar. Sie schämen sich ihrer LGBTI-Familienmitglieder und wollen nicht, dass deren Fälle bekannt werden. “Wenn der Homosexuelle ermordet wird, so lässt die Familie dies auf sich beruhen, unternimmt keine weiteren Schritte. Die eigene Familie ist schuld an der Straflosigkeit, da sie für den Mord ihres Angehörigen keine Gerechtigkeit fordert”, fügte Sánchez hinzu.

Verfassung hat Mängel

Dem Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen wird periodisch über die Situation der LGBTI in der Dominikanischen Republik berichtet. Im Jahre 2012 wies der Bericht darauf hin, dass die dominikanische Verfassung Diskriminierung auf Grund der sexuellen Orientierung sowie der geschlechtlichen Identität und Verhaltens nicht explizit verbietet. Sie untersagt lediglich eine Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts, der Hautfarbe, des Alters, einer Behinderung, der Herkunft, Familienangehörigkeit, Sprache, der Religion, politischer und philosophischer Anschauung sowie des sozialen oder persönlichen Status.

In dem Bericht kommt auch Sánchez zu Wort: „Im Verhalten und den Gewohnheiten ist leicht zu erkennen, dass man sich für seine sexuellen Präferenzen schämen oder diese gar verstecken muss, insbesondere in der Arbeitswelt. Damit sie befördert werden können, nötigt man sie in manchen Firmen gar zur Heirat. In der Nationalbank werden die Führungspositionen bevorzugt mit Personen besetzt, welche verheiratet sind und Familien haben. So gibt es eine Vielzahl ungeschriebener Regeln, welche das gesellschaftliche Leben durchdringen“.

 

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