Brasilien

Indigener Forscher: Der Brand im Nationalmuseum von Rio ist ein kultureller Ethnozid


Jose Urutau

José Urutau, Forscher am ausgebrannten NAtionalmuseum. Foto: Desinformémonos

(Mexiko-Stadt, 8. September 2018, desinformémonos/servindi).- Mit über 20 Millionen Objekten und der angeschlossenen Bibliothek mit mehr als 530 Millionen Titeln galt das Museu Nacional da Universidade Federal do Rio de Janeiro als das wichtigste Museum für Naturkunde und anthropologische Geschichte. Am Sonntag den 2. September wurde es durch einen Brand zerstört.

Der Brand bedeute einen “unwiederbringlichen Verlust für die indigenen Kulturen, vergleichbar mit dem Einfall der europäischen Invasoren im Jahr 1500“, so José Urutau, indigene Führungspersönlichkeit der Ethnie Guajajara und Forscher am Nationalmuseum von Rio de Janeiro. Gegenüber AFP erklärte der Linguist und Forscher, der Brand des Nationalmuseums sei „ein Anschlag auf das kollektive historische Gedächtnis und auf die Sprache der brasilianischen Ureinwohner“.

„Man spricht von Linguizid und Epstemizid, wenn das Wissens und die Kultur eines Volkes vollständig ausgelöscht wurden. Der Brand hat genau das zur Folge”, stellt Urutau betroffen fest. Laut AFP waren in dem Museum 40 Millionen Objekte von 300 indigenen Völkern gelagert. Gleichzeitig war es der Sitz des Dokumentationszentrums für indigene Sprachen CELIN (Centro de Documentación de Lenguas Indígenas). Dazu Urutau: „Das Museum verfügte über eine national und international einmalige Sammlung indigener Sprachzeugnisse.“

CC BY-SA 4.0 Indigener Forscher: Der Brand im Nationalmuseum von Rio ist ein kultureller Ethnozid von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Bewaffnete brasilianische Gruppe greift Indigene an
84
(Berlin, 18. November 2018, poonal).- Am Sonntag, 11. November, ist es im Bezirk Corpus Christi im paraguayischen Department Canindeyú zu einem bewaffneten Angriff auf Indigene der Ava Guaraní gekommen. Etwa 40 Bewaffnete seien im Morgengrauen in der Gemeinde Takuara’i aufgetaucht und hätten Kinder, Frauen und Alte gequält und eingeschüchtert; fünf Indigene, darunter ein zwölfjähriger Junge, blieben zwei Tage vemisst, kehrten dann aber zurück, schreibt das Portal Cuarto Poder...
„Indios werden sich ans bessere Leben gewöhnen müssen“
1239
(Rio de Janeiro, 11. November 2018, taz).- Den Indigenen in Brasilien stehen schwere Zeiten bevor. Seit der Wahl des Rechtsextremisten Jair Bolsonaro zum neuen Präsidenten fürchten sie um ihre Rechte und ihr Land. Auch Umwelt- und Klimaschutz insbesondere im Amazonasgebiet sind in Frage gestellt. Der Ex-Militär Bolsonaro ist erklärter Freund der Großgrundbesitzer und des Agrobusiness, die nicht zögern werden, ihre Gier nach neuem Agrarland auch mit Gewalt durchzusetzen. „W...
Recht auf Zustimmung oder Vetorecht? – Der Streit um ein Konsultationsgesetz in Honduras
74
(Berlin, 25. Oktober 2018, npl).- In Honduras werden indigene Gemeinschaften meistens nicht gebührend in Entscheidungsprozesse über Projekte auf ihren Territorien eingebunden. Der honduranische Staat will diese Prozesse mit einem neuen Konsultationsgesetz regeln. Allerdings fühlen sich indigene Gemeinschaften von den bislang kursierenden Gesetzentwürfen eher bedroht als gestärkt. Kraftwerk ohne Zustimmung Seit Juli wird an der Karibikküste zwischen den Garífuna-Gemeinden Sa...
Recht auf Zustimmung oder Vetorecht? – Der Streit um ein Konsultationsgesetz in Honduras
70
In Honduras werden indigene Gemeinschaften meistens nicht gebührend über Entscheidungsprozesse über Projekte auf ihren Territorien eingebunden. Der honduranische Staat will diese Prozesse mit einem neuen Konsultationsgesetz regeln. Allerdings fühlen sich indigene Gemeinschaften von den bislang kursierenden Gesetzentwürfen eher bedroht als gestärkt. Die Radioreihe „Menschenrechte und Unternehmen“ ist ein Kooperationsprojekt des Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile La...
Angriff auf TeleSUR-Reporterin
28
(Berlin, 28. August 2018, npl).- Die indigene Reporterin Rolanda García Hernández wurde am 21. August dieses Jahres von vermeintlichen Angestellten des Wasserkraftwerkes Oxec im guatemaltekischen Departement Alta Verapaz tätlich angegriffen und sexuell bedroht. García Hernández wollte in Begleitung von Angehörigen der indigenen Selbstverwaltung von Santa María Cahabón Berichten über illegalen Holzeinschlag im Bereich des Flusses Cahabón nachgehen. Ziel war es, einen Bericht ü...