Kolumbien

Indigener Anführer in Popayán ermordet


William Alexander Oimé Alarcón, erschossen am 2. März 2016 in Popayán.

William Alexander Oimé Alarcón, erschossen am 2. März 2016 in Popayán. Foto: Servindi/Colprensa

(Lima, 4. März 2016, servindi).- Am 2. März wurde der Anführer der indigenen Gruppe Yanacona am Río Blanco, William Alexander Oimé Alarcón, ermordet. Er starb in Popayán, der Hauptstadt des südkolumbianischen Departments Cauca, durch drei Schüsse. Der 43-jährige war im Cauca vor allem durch seinen Kampf gegen den informellen Bergbau bekannt, an dem Gruppen des Organisierten Verbrechens mitverdienen. Er war darüber hinaus Künstler und Produzent audiovisueller Medien.

Der Polizeichef von Popayán, Pedro Rodelo Asfora, setzte eine Belohnung von zehn Millionen Pesos (2.850 Euro) aus für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter oder Auftraggeber führen.

Indigene Organisationen verurteilen den Mord

Der Dachverband der Indigenen Kolumbiens ONIC (Organización Nacional Indígena de Colombia) wertete den Mord als Teil einer Vernichtungsstrategie an indigenen Völkern und ihren Anführer*innen. Die Polizei wurde aufgefordert, zügig zu ermitteln, damit der Fall nicht in der Straflosigkeit bleibe. Carlos Maca, Mitglied des Regionalrats der Indigenen des Cauca CRIC (Consejo Regional Indígena del Cauca) verurteilte den Mord ebenfalls und merkte an, dass es sich nicht um einen Raubüberfall gehandelt habe, da die Täter nicht das Geld an sich nahmen, das Oimé kurz vorher im Stadtzentrum abgehoben hatte.

Die indigene Wortführerin Aida Quilcué wollte nicht ausschließen, dass es ein gezielter Mordanschlag war, der mit Kontrollen im Zusammenhang stehen könnte, den die Yanacona kürzlich in der Barbillas-Hochebene durchgeführt haben: “Erst vor acht Tagen haben sie dort Untersuchungen gemacht. Wir gehen davon aus, dass es einen Zusammenhang gibt. (…) Ich glaube nicht an einen Raubmord, sondern an eine gezielte Verfolgung. Die Begleiter des Anführers haben gesagt, dass es Killer waren, die auf ihn geschossen haben.”

Dieser und weitere Morde im Cauca

Zeugen gaben an, dass Motorradfahrer in der Altstadt drei Schüsse auf Oimé abgegeben haben. Einer davon traf ihn in den Kopf. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo er am Abend starb. Laut Polizeibericht hatte der Indigenenchef zuvor 20 Millionen Pesos abgehoben und sich dann zu Fuß ins Viertel El Empedrado begeben. “Nach der Tat rannte der Angreifer bis zur nächsten Ecke und bestieg ein wartendes Motorrad; der Fahrer flüchtete Richtung Osten. Das Geld blieb beim Opfer, weshalb wir einen Raub ausschließen können.”

In der Provinz Cauca wurden innerhalb derselben Woche weitere zwei Indigene umgebracht, in Popayán und Santander de Quilichao. Am 26. Februar wurde der 22-jährige Hanner Sebastián Corpus Ramos ermordet. Er lebte im indigenen Schutzgebiet Canoas. Zwei Tage später wurde die Bauernsprecherin Maricela Tombe in Playarica, Gemeinde Tambo erschossen.

 

banner 2016

CC BY-SA 4.0 Indigener Anführer in Popayán ermordet von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Wo ist Santiago Maldonado? Hier, in der Gemeinde Pu Lof im Süden Argentiniens, wurde Santiago Maldonado zuletzt gesehen. Foto: Anred.org Von Darius Ossami (Berlin, 16. August 2017, npl). Seit dem 1. August ist der 28-jährige Santiago Maldonado nach einem Polizeieinsatz in Patagonien spurlos verschwunden. Maldonado ist ein linker Aktivist aus dem Großraum Buenos Aires, der seit einigen Monaten in Patagonien lebt und schon mehrfach an Protestaktionen der Mapuche teilgenommen hat. Er hatte sich unt...
Cuencas Sagradas – Ach du heiliger Quellfluss! Von Nils Brock und Darius Ossami Elvia Dagua von der Confeniae stellt das Projekt der Cuencas Sagradas vor. Foto: La Nave Radio (Berlin, 13. August 2017, npl).- Der Amazonas wird gerne als die „grüne Lunge" unseres Planeten  bezeichnet. Doch der Lunge geht es schlecht: Wie eine nimmersatte Raupe arbeiten sich von allen Seiten profitorientierte Industrien durch den Regenwald : Ölbohrungen, Bergbau, Wasserkraftwerke, Flussbegradigungen und Soja-Monokulturen. Jede einzeln...
Bergbaufreie Zone in Guerreros Hochland Von Gerold Schmidt Herlinda Solano will keinen Bergbau auf dem Territorium der Gemeinde / Foto: MR-Zentrum Tlachinollan (desinformemonos) (Mexiko-Stadt, 26.Juli 2017, npl).- Die me'phaa-Gemeinde San Miguel del Progreso (von den me'phaa selbst Júba Wajíin genannt) im Bundesstaat Guerrero erreichte in ihrem Kampf gegen Bergbaukonzerne einen Urteilsspruch, der von Expert*innen als „historisch“ eingestuft wird. Die zuständige Richterin am Distriktgericht in Chilpancingo, d...
Abgestimmt: Die Gemeinden Pijao und Arbeláez wollen keinen Bergbau Die Kleinstadt Pijao / Foto: Camilio hdo, cc by-nc-nd-2.0 (Lima, 28. Juni 2017, noticias aliadas).- Zwei Gemeinden Kolumbiens haben sich bei einem Volksentscheid am 9. Juli gegen die Förderung von Erdöl und den Bergbau insgesamt auf ihren Territorien ausgesprochen. Bei einer Abstimmung der Bürger*innen in Pijao in der zentralkolumbianischen Provinz Quindío und in der ebenfalls in Zentralkolumbien gelegenen Gemeinde Arbeláez (Provinz Cundinamarca) votierten die Einwohner*i...
Cracolândia: Hilfe und Repression im Land des Cracks Polizeiaktion am 11. Juni in Cracolândia. Foto: Fotospublicas.com/Mastrangelo Reino/A2img (CC BY-NC 2.0) Im Norden der Innenstadt von São Paulo liegt Cracolândia, das Land des Cracks. Das Viertel ist in ganz Brasilien ein Symbol für die Drogenepidemie im Land. Ein städtisches Hilfsprogramm zeigte in den letzten Jahren viel beachtete Erfolge. Doch damit ist nun Schluss: Der neue, rechtsgerichtete Bürgermeister setzt wieder ganz auf Vertreibung und Bestrafung. Und das wohl ni...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.