Paraguay

Indigene protestieren mit Straßenblockaden für Landrechte


gegen-Regierung aidesep.pe(Lima, 20. Februar 2013, servindipúlsartelesur-poonal).- Seit dem Montag blockieren immer wieder rund 300 Indigene der Völker Ñandéva und Ayoreo im Departement Chaco mit einer unbefristeten Straßenblockade die Überlandstraße Transchaco in der Stadt Mariscal Estigarribia. Sie fordern mit ihrer Aktion, dass die Regierung auf wiederholt von ihnen geäußerte Beschwerden reagiert, dass Behörden und Privatunternehmen unrechtmäßig in indigene Territorien eindringen.

 

Zudem fordern sie den Rücktritt des Chefs des Instituts für Indigene Angelegenheiten INDI (Instituto Paraguayo del Indígena) und seiner Angestellten sowie die strafrechtliche Verfolgung dieser Funktionären, die an den Rechtsbrüchen beteiligt gewesen seien. Auch der Vorsitzende des Nationalen Instituts für Ländliche Entwicklung und Land INDERT (Instituto Nacional de Desarrollo Rural y de la Tierra) müsse seinen Hut nehmen und alle von INDERT initiierten Vorgänge, die indigene Territorialrechte verletzten, gestoppt werden.

Zu den monierten Vorgängen gehört etwa der illegale Verkauf von 25.000 Hektar indigenem Land der Gemeinde Cuyabia, wie die paraguayische Zeitung „La Nación“ berichtet. Die Indigenen aus dem Nordwesten des Landes riefen in einer Erklärung die „gesamte Zivilgesellschaft“ dazu auf, sich solidarisch mit ihnen zu erklären. Bereits vor einigen Wochen hatten Ayoreo mit Straßenblockaden gegen die Vertreibung von ihren angestammten Territorien protestiert.

Die Indigenenverbände Unión de Nativos del Chaco, Federación de Pueblos, Organización de Indígenas del Chaco, la Organización del Pueblo Ñandéva und Unión de Nativos Ayoreo del Paraguay kritisieren, dass die Regierung von Federico Franco auf Strafanzeigen und Beschwerden der Indigenen nicht reagiere und den Landraub so erst ermögliche. Bisher sind die Proteste friedlich verlaufen.

Bauernführer Lezcano von Unbekannten erschossen

Am 19. Februar ist zudem im Departement Concepción der Bauernführer Benjamín Lezcano von zwei unbekannten Männern erschossen bei seinem Haus erschossen worden. Die Mörder seien auf einem Motorrad zum Haus von Lezcano gefahren und hätten sofort das Feuer eröffnet. Der Getötete war ein bäuerlicher Aktivist, der sich bekanntermaßen gegen Gensoja-Pflanzungen und den Zugriff transnationaler Konzerne auf Land eingesetzt hatte.

Vor wenigen Tagen hat in Paraguay offiziell der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen im April begonnen. Im Juni 2012 war der gewählte Präsident Fernando Lugo vom Parlament in einem international stark kritisierten Schnellverfahren des Amtes enthoben worden. Soziale Bewegungen, Gewerkschaften und Indigene kritisieren zahlreiche Rechtsbrüche und Menschenrechtsverletzungen seitdem der radikal-liberale Federico Franco die Präsidentschaft übernommen hat.

 

Dieser Artikel ist Teil unseres Themenschwerpunkts:

2013-banner-entwicklung 2013 klein

CC BY-SA 4.0 Indigene protestieren mit Straßenblockaden für Landrechte von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Indigene Rechte: Zum Tag des Widerstands Viele, vor allem europäisch stämmige Nord- und Lateinamerikaner*innen, sehen im 12. Oktober bis heute einen Feiertag für die „Zivilisierung“ und Missionierung des Kontinents. In Spanien ist der Tag, an dem Christoph Kolumbus vor 525 Jahren auf den amerikanischen Kontinent traf, Nationalfeiertag; aber auch in fast allen amerikanischen Ländern wird der 12. Oktober als Tag des "Hispanischen", als Kolumbus-Tag, als Tag des Kontaktes zweier Kulturen oder, weniger schön, als Tag de...
NAFTA: Irreführende Botschaften Von Ana de Ita Was kann die Neuverhandlung von NAFTA bringen? / Mexikanische Ackerfurche, Foto: Neil Smitz, CC_BY-NC-SA_2.0, flickr (Mexiko-Stadt, 10. September 2017, la jornada).- Zu Beginn der zweiten NAFTA-Verhandlungsrunde, die mit seinem fünften Regierungsbericht zusammenfiel, verbreitete der mexikanische Präsident Peña Nieto: „Wir sind der zwölftgrößte Nahrungsmittelproduzent in der Welt...Erstmals in 20 Jahren exportieren wir mehr Lebensmittel als wir importiere...
Vormarsch des Agrobusiness gefährdet Ernährungssicherheit in Südamerika Von Andreas Behn, Rio de Janeiro Endlose Sojafelder in Monokultur in Brasilien / Foto: Karinna_Paz_CC_BY_2.0_Flickr (Rio de Janeiro, 07. September 2017, npl).- Sojaplantagen soweit das Auge reicht. Einige Landstriche des lateinamerikanischen Binnenlandes Paraguay sehen aus wie eine einzige Monokultur. Von der früheren Waldlandschaft ist kaum ein Baum übriggeblieben. Ökolog*innen sprechen von einer 'grünen Wüste'. Das Agrarbusiness macht mit dem Export gute Gewinne, doc...
Uyacali: Shipibo-Indigene noch immer ohne Landtitel – sechs weitere Morde Von Vigilante Amazónico Ermordet, weil sie ihr Land nicht hergeben wollten: Sechs Shipibo-Indigene starben Anfang September 2017 durch Kopfschuss / Foto: vigilante amazónico (Lima, 06. September 2017, servindi-poonal).- Am vergangenen 1. September sind sechs Bauern des indigenen Volkes der Shipibo im Distrikt Nueva Requena nahe der Amazonas-Stadt Pucallpa (Department Ucayali) erschossen worden. Hintergrund der Morde war nach Angaben von Vigilante Amazónico die Weigerun...
Hunderte Verfahren gegen Monsanto wegen Krebs durch Glyphosat Von Silvia Ribeiro* Mit oder ohne Einsatz von Glyphosat angebaut? / Foto: Cimmyt, CC BY-NC-SA 2.0, flickr (Mexiko-Stadt, 8. Juli 2017, la jornada).- Seit dem 7. Juli hat der US-Bundesstaat Kalifornien Glyphosat in die Liste der krebserregenden Substanzen aufgenommen. Glyphosat ist der Hauptinhaltsstoff des Pflanzengiftes RoundUp von Monsanto (enthalten ebenfalls in Faena, Rival, Machete und anderen Marken). Innerhalb eines Jahres muss es in Kalifornien als potentiell k...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.