Mexiko

Indigene Menschenrechtsaktivisten in Guerrero ermordet


von Kristin Gebhardt

(Berlin, 25. Februar 2009, npl).- Mit deutlichen Folterspuren wurden die Leichen von Raúl Lucas Lucía und Manuel Ponce Rosas am 20. Februar in Las Cazuelas im Munizip Tecoanapa, Bundesstaat Guerrero, gefunden. Dies teilte das Menschenrechtszentrum Tlachinollan mit. Die beiden indigenen Aktivisten seien sieben Tage zuvor von drei bewaffneten Männern, die sich als Polizisten ausgegeben hätten, in Ayutla de los Libres (Guerrero) verschleppt worden. Der 39-jährige Raúl Lucas und der 32-jährige Manuel Ponce waren als Präsident bzw. Sekretär bei der indigenen Organisation für die Zukunft des mixtekischen Volkes OFPM (Organización para el Futuro del Pueblo Mixteco) aktiv.

In ihrem Kommuniqué schreiben die Menschenrechtler aus Tlachinollan zum Kontext der Morde folgendes: „Die OFPM geht, wie auch die Organisation des indigenen Volkes der Me´phaa OPIM (Organización del Pueblo Indígena Me´phaa), aus der Organisation der indígenen Völker der Mixteken und Tlapaneken OPIMT (Organización del Pueblo Indígena Mixteco y Tlapaneco) hervor. Schon vor zehn Jahren hat diese Organisation begonnen, Vorfälle, in die Militärs in verschiedenen Gemeinden in Ayutla verwickelt waren, zu dokumentieren und zu veröffentlichen. In der mixtekischen Region ist die OFPM aktiv. Dort liegt auch El Charco, jene Gemeinde, in der Soldaten am 11. Juni 1998 elf Indigenas ermordeten. Und in den Dörfern Ojo de Agua, La Fátima und Ocotlán, die sich auch in der Gegend befinden, ließ das Gesundheitsministerium 18 indigene Frauen zwangssterilisieren.

Raúl Lucas hat am 24. Oktober 2006 vor der staatlichen Menschenrechtskommission CNDH (Comisión Nacional de Derechos Humanos) Klage gegen Soldaten des Heeres eingereicht. Die Militärs hatten ihn am 18. Oktober inhaftiert und einer illegalen Befragung unterzogen. Raúl Lucas hat zudem bei der Generalstaatsanwaltschaft wegen Autoritätsmissbrauch und Einschüchterung Klage eingereicht … Am 15. Februar 2007 wurde er überfallen.

Als Präsident der OFPM dokumentierte Raúl im Jahr 2008 vier Fälle von Menschenrechtsverletzungen, die von Militärs in indigenen mixtekischen und tlapanekischen Gemeinden begangen wurden. Es handelt sich um Durchsuchungen, Diebstähle, Verhaftungen und illegale Befragungen. Auch in diesen Fällen wurden fünf Klagen bei der CNDH sowie Strafverfahren eingeleitet.“

Das Menschenrechtszentrum Tlachinollan schreibt weiter: „Als Menschenrechtszentrum sind wir überzeugt davon, dass dieses Verbrechen an den beiden Indígenas ein ‚Verbrechen des Staates’ ist. Der Staat hat weder die notwendigen Garantien dafür geleistet, dass diese Menschenrechtler ihrer Arbeit nachgehen konnten, noch sie vor Repression, Angriffen, Bedrohungen, dem Verschwinden und der Ermordung als Folge ihrer Arbeit geschützt.”

CC BY-SA 4.0 Indigene Menschenrechtsaktivisten in Guerrero ermordet von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

2016: Zwischen Januar und Juli bereits 25 Journalist*innen ermordet Von Ernesto Carmona, Ciap-Felap*(Santiago, 2. August 2016, agenciadenoticias).- Nach den Statistiken der lateinamerikanischen Journalist*innenvereinigung CIAP-FELAP wurden in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 25 Journalist*innen und Pressemitarbeiter*innen getötet: zehn in Mexiko sowie ein weiterer mexikanischer Journalist, der auf US-amerikanischem Boden ermordet wurde. Dazu kamen fünf in Guatemala, vier in Honduras, drei in Brasilien, einer in El Salvador sow...
Lateinamerika: 2015 wurden 122 Umweltschützer*innen ermordet (Lima, 30. Juni 2016, noticias aliadas).- Im Jahr 2015 erreichte die Zahl der weltweit ermordeten Umweltschutzaktivist*innen einen neuen traurigen Höhepunkt. Die Organisation Global Witness spricht von einem Anstieg um 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 122 der insgesamt 185 Todesopfer wurden in Lateinamerika ermordet. Brasilien wird von Global Witness als das gefährlichste Land eingeschätzt, hier wurden 50 Umweltaktivist*innen ermordet. Es folgen Kolumbien (26), Peru (12), Ni...
„Iguala ist ein Friedhof“ Von Fabrizio Lorusso(Lima, 27. Mai 2016, noticias aliadas).- Interview mit Xitlali Miranda Mayo, Leiterin der Organisation “Suchkomitee für die anderen gewaltsam Verschwundenen von Iguala” (Comité de Búsqueda Los Otros Desaparecidos de Iguala).Xitlali Miranda Mayo ist Psychologin in Iguala, im Bundesstaat Guerrero im Südwesten Mexikos. Sie koordiniert das „Suchkomitee für die anderen gewaltsam Verschwundenen von Iguala", das nach dem gewaltsamen Verschwindenlasse...
UNO fordert Aufklärung der Morde an Indigenen (Caracas, 9. Juni 2016, telesur).- Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hat die kolumbianische Regierung aufgefordert, den Tod von drei Indigenen aufzuklären, die seit dem Beginn der landesweiten Streikaktion Minga Agraria am 30. Mai ums Leben gekommen sind. “Diese Vorfälle müssen von den Justizbehörden vollständig aufgeklärt werden; wir bieten dabei unsere volle Unterstützung an. Es müssen alle Vorkehrungen getroffen werden, um zu vermeiden, dass sich solche Sit...
Agrarstreik geht trotz Repression weiter (Caracas, 8. Juni 2016, telesur).- Die Serie von Streiks, Straßenblockaden und Protestaktionen in Kolumbien geht ungeachtet der verschärften Repression der Regierung weiter. Am 30. Mai hatte die Minga Agraria, ein breites Bündnis aus Bauernverbänden, Gewerkschaften, Indigenen und Afro-Kolumbianer*innen mit dem unbefristeten Streik begonnen. Seitdem hat das Vorgehen der Aufstandsbekämpfungseinheit der Polizei, ESMAD, drei tote Indigene, mindestens 149 Verletzte und viel...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *