Mexiko

Indigene in Oaxaca lehnen Megaprojekte ab


Indigener mit Protestplakat

Foto: Desinformémonos/La Minuta

(Mexiko-Stadt, 22. Februar 2017, desinformémonos).- An der Küste Oaxacas, im Südwesten Mexikos, leben verschiedene indigene Gemeinden wie Mixtek*innen, Chatinos und auch Afro-Mexikaner*innen. Sie lehnen Projekte ab, die auf ihrem Land umgesetzt werden sollen und „Tod und Landraub mit sich bringen“ und sehen sich verpflichtet, ihr Land zu verteidigen. Das erklärte der Rat der Vereinten Gemeinden zur Verteidigung des Flusses Río Verde Copudever (Consejo de Pueblos Unidos en la Defensa del Río Verde). Bei einer Versammlung der indigenen Völker dieser Gegend riefen die Teilnehmenden „Flüsse für das Leben, nicht für den Tod“ und „Stopp dem Staudamm Paso de la Reina!“ und unterstrichen so ihre Absicht, ihr Land und besonders den Fluss Río Verde zu schützen, da er „einer der wenigen lebendigen Flüsse in Mexiko“ sei.

Fehlende Gerechtigkeit

Elf indigene Gemeinden und acht Organisationen sprachen sich auch gegen die Megaprojekte auf ihrem Land aus, „denn wir wollen nicht weiterhin die Kosten für die Benzinpreiserhöhungen („gasolinazo“) zahlen, die das Ergebnis der Energiereformen sind.“ Sie verurteilten außerdem jede Form von Gewalt und Diskriminierung an den Landesgrenzen im Norden und Süden Mexikos und die Gewalt, die durch fehlende Gerechtigkeit und durch wirtschaftliche Ungleichheit entstehe, die nur einige wenige Wohlhabende bevorzuge. Verschiedene indigene Gemeinschaften aus der südlichen Sierra und der Küste von Oaxaca versammelten sich in der Gemeinde Santa Rosa de Luma in Tututepec, um verschiedene Probleme und Bedrohungen zu analysieren, mit denen sie sich auf ihrem Land konfrontiert sehen. Weitere Themen waren die schlechte Wirtschaftslage Mexikos und die Gewalt, der sie als Indigene immer ausgesetzt sind.

Gemeinsam für den Schutz der Umwelt

Die Menschen aus den verschiedenen Gemeinden haben Allianzen geschmiedet, um sich gemeinsam für Wohlstand und den Schutz von Flora und Fauna ihrer Region zu engagieren. Es sei wichtig, den nachfolgenden Generationen zu erklären, warum sie naturnahe Flüsse ohne Staudämme wollten, warum sie sich für Mais einsetzten, damit er weiterhin sowohl ihre leibliche als auch ihre spirituelle Nahrung sei und warum dies weiterhin die Grundlagen ihrer Ernährung sein sollten. Es sei an der Zeit, Gründe aufzuzeigen, warum sie für Berge und Täler ohne Bergbauprojekte seien und warum sie ein historisch gewachsenes Recht auf eine eigene Regierung hätten, ein Recht, wahrgenommen und ernst genommen zu werden und über ihre Zukunft selbst zu entscheiden. „Als Erben der Weisheit unserer Vorfahren haben wir die Chance, Hoffnung und Alternativen für ein besseres Leben anzubieten“, betonten sie. Sie würden nicht aufgeben, bis wieder Ruhe in ihre Gemeinden einkehre angesichts der Gewalt und dem Durchsetzen von extraktiven Projekten.


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