Kolumbien

Indigene fordern von den FARC ein Ende der Gewalt


Die FARC in Kolumbien. Foto: Servindi/El Universal(Lima, 20. Mai 2013, servindi).- Indigene Organisationen aus der kolumbianischen Provinz Cauca haben erneut einen offenen Brief an den Anführer der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens, Timoléon Jiménez, geschrieben. Darin betonen sie erneut ihren Wunsch, in einen direkten Dialog mit der Guerillaorganisation zu treten, um in Frieden leben zu können.

 

In der Botschaft erinnern sie den Guerillachef daran, dass zwischen Januar 2002 und April dieses Jahres allein im Norden des Cauca und in Caldono 70 Mitglieder indigener Gemeinden ermordet worden sind. Viele von ihnen waren spirituelle oder politische Anführer*innen oder Wachtposten der indigenen Gebiete.

Der Brief ist eine Antwort auf zwei Nachrichten der FARC, eine von der FARC-Gruppe Westblock (Bloque Occidental) und wurde von wichtigen indigenen Organisationen unterzeichnet, wie dem Indigenen-Dachverband ONIC (Organización Nacional Indígena de Colombia), dem Regionalrat CRIC (Consejo Regional Indígena del Cauca) und der Vereinigung ACIN (Asociación de Cabildos Indígenas del Norte del Cauca).

„Gibt es ein anderes Wort als Vernichtung?“

Die Organisationen konfrontierten den Guerillachef in direkten Worten mit ihrer harten Lebenssituation: „Sag uns, Kommandant Timoleón: Gibt es ein anderes Wort als Vernichtung, das wir für das ständige Sterben der Indigenen verwenden können, deren Vergehen es ist, dass wir uns selbst verwalten und auf unsere Weise und nach unseren Sitten leben wollen?“

Die 70 Toten seit 2002 wurden demnach „zu einem Drittel von Kämpfern der FARC oder euren Minen verursacht, ein weiteres Drittel von der Armee und den Paramilitärs. Bei den anderen konnten wir die Schuldigen nicht identifizieren.“

Die Indigenen beharrten erneut auf ihrem Recht, auch Guerilleros/as zu verurteilen, die sich nicht an die Entmilitarisierung halten. Gleichzeitig wiesen sie die Anschuldigungen des Westblocks zurück, mit der Entmilitarisierung täten die Indigenen dem Militär einen Gefallen und sie würden von jemandem gesteuert.

Drei Bedingungen für einen Dialog

Für die Aufnahme direkter Gespräche stellten die indigenen Organisationen drei Bedingungen: Erstens dürfe bei Gefechten zwischen der Guerilla und der Armee die Unversehrtheit der Zivilbevölkerung nicht verletzt werden. Zweitens sollten die indigenen Anführer*innen, die Sitten und althergebrachten Bräuche der Gemeinden respektiert werden. Dies umfasse auch die Achtung der indigenen Rechtsprechung und der indigenen Kontrolle über ihre Gebiete.

Drittens müssten absolut und ausnahmslos Drohungen, Ermordungen oder bewaffnete Angriffe auf indigene Anführer*innen oder Gemeindemitglieder, im Besonderen die Nasa-Frauen verboten werden.

„Kommandant Timoleón: Wir müssen uns dringend zu direkten Gesprächen zusammensetzen. Aber unsere Gemeinden wollen auch merken, dass Gespräche tatsächlich Veränderungen bewirken.“

14-Jähriger Junge erschossen

Am Schluss erwähnt der Brief noch den Mord an dem 14-jährigen Jhon Alexander Vitonás Yosanto, der in der Gemeinde Toribiio erschossen worden ist. Obwohl die genauen Umstände des Mordes noch nicht geklärt sind, gelten zwei Minderjährige als Täter. Die Indigenen gehen davon aus, dass die Täter der Guerilla angehören.

 

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