In 70 Jahren wird der letzte Gletscher verschwunden sein


Ecuador Antesana. Foto: Noticias Aliadas/viajeros.com(Lima, 10. Januar 2013, noticias aliadas).- Sie krönen Vulkane von mehr als 5.000 Metern Höhe: Ecuadors Gletscher. Das Land hat in den vergangenen 30 Jahren aber 30 Prozent seiner Eisfelder verloren. Expert*innen warnen, dass bei einer Zunahme der globalen Erwärmung im bisherigen Tempo in 70 Jahren Ecuadors letzter Gletscher verschwunden sein wird.

 

Andengemeinschaft sucht nach Lösungen

Das Problem betrifft auch andere Andenstaaten: Eine Arbeitsgruppe der Andengemeinschaft (Comunidad Andina), der neben Ecuador Bolivien, Kolumbien und Peru angehören, sucht nach Lösungen. Das Projekt für die Anpassung an die Auswirkung des Rückgangs der Gletscher in den tropischen Anden PRAA (Proyecto de Adaptación al Impacto del Retroceso de Glaciares en los Andes Tropicales) spricht von „dramatischen Auswirkungen“ des Klimawandels.

In seinem Bericht schreibt das Projekt: „Die Temperaturveränderungen in den Anden werden die Eisschicht verringern, was sich negativ auf das gewohnte Abfließen der Gletscher auswirkt. Die Folgen bekommen auch kalte und sensible Ökosysteme wie die Hochmoore zu spüren, deren Funktion es ist, Wasser zu speichern.“

Die Speicherfunktion der Hochmoore geht verloren

Die Hochmoore liegen oberhalb der Baumgrenze und reichen bis an den Rand der nur scheinbar ewigen Eisfelder. Von Venezuela über Kolumbien und Ecuador bis nach Peru erstrecken sich die Hochmoore der Anden.

Der ecuadorianische PRAA-Experte Jorge Núñez spricht von irreversiblen Schäden, die dieses Ökosystem erleide. Ihm kommt normalerweise die Aufgabe zu, wie ein Schwamm Regen- und Schmelzwasser aufzusaugen.

Ein Gletscher versorgt Ecuadors Hauptstadt Quito mit Wasser

Einer jener Gletscher, die in Ecuador zu verschwinden drohen, ist jener des 5.753 Meter hohen Vulkans Antisana. In 50 Jahren hat er bereits mehr als ein Drittel seiner ursprünglichen Fläche eingebüßt. Der Gletscher ist eine der wichtigsten Wasserquellen für die Hauptstadt Quito.

María Victoria Chiriboga, Direktorin des Anpassungsprogramms an den Klimawandel im ecuadorianischen Umweltministerium erklärt, nur acht Prozent des Wassers, das vom Antisana abfließe, stamme aus dem Gletscher. Der Rest komme aus den Hochmooren.

Höchstgelegenes Skigebiet der Welt in Bolivien

Nicht nur in Ecuador, sondern auch in Kolumbien sind Hochmoore verbreitet, in Bolivien und Peru dagegen eher selten anzutreffen. Hier hängt die Wasserversorgung vom Regen und dem in den Gletschern gespeicherten Wasser ab. Allein auf Peru entfallen 70 Prozent der Anden-Gletscher, der Anteil Boliviens beträgt 20 Prozent, jener von Ecuador und Kolumbien jeweils vier Prozent. 2009 verlor Bolivien eines seiner symbolträchtigsten Eisfelder: um den rund 5.400 Meter hohen Chacaltaya herum befindet sich das höchstgelegene Skigebiet der Welt.

Hier fanden in den 1970er Jahren internationale Ski-Rennen statt. In Peru sind nach Angaben der Weltbank in den vergangenen 35 Jahren 22 Prozent der Gletscher durch Abschmelzen verschwunden. María Chiriboga glaubt nicht, dass sich der Rückzug der Gletscher irgendwie aufhalten ließe. Es komme aber darauf an, die Auswirkungen abzumildern.

Messungen rund um die Uhr

Mit internationaler Unterstützung hat das PRAA auf mehreren ecuadorianischen Eisfeldern meteorologische Messstationen errichtet – auch auf dem Antisana gibt es drei automatische Einrichtungen, die auf unterschiedlichen Höhen messen: den Wind, die Sonneneinstrahlung, die Schneehöhe, den Niederschlag, die Temperatur und die Wassersättigung des Bodens. Letzteres gibt Auskunft über die Speicherfähigkeit der Hochmoore, bzw. deren Veränderungen.

CC BY-SA 4.0 In 70 Jahren wird der letzte Gletscher verschwunden sein von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Fährtensuche: Funde geheimer Gräber gehen weiter Von Gerold Schmidt (Mexiko-Stadt, 22. September 2016, npl).- Im nördlichen Bundesstaat Sinaloa stieß die Gruppe „Las Rastreadoras” (Die Fährtensucherinnen) nach anonymen Hinweisen Mitte September auf sechs Leichen in einem geheimen Grab im Landkreis Ahome. Die Opfer wurden offenbar erschossen. Die Rastreadoras haben zwei Jahre nach ihrer Gründung inzwischen laut Zeitungsberichten fast 300 Mitglieder, darunter auch einige Männer. Fast alle suchen nach direkten Familien...
Urteil in der „Megacausa“ von Córdoba: „Dieser Prozess geht uns alle an!“ Von Ute Löhning (Berlin, 17. September 2016, npl).- Lebenslängliche Haftstrafen für 28 Militärs und Polizisten sind das Ergebnis eines der größten Menschenrechtsprozesse Argentiniens. In der sogenannten „Megacausa“ hatte die argentinische Justiz über Verbrechen in der zentralargentinischen Provinz Córdoba verhandelt. In Zeiten der rechts-konservativen Regierung Mauricio Macris fordern Menschenrechtsorganisationen, Basismedien und Bildungseinrichtungen die Aufklärung ...
Geheime Gräber in Veracruz und kein Ende Von Gerd Goertz(Mexiko-Stadt-Berlin, 22. August 2016, npl).- Im Zusammenhang mit der Suche nach den 43 gewaltsam entführten Lehramtsstudenten von Ayotzinapa vor knapp zwei Jahren wurde im Bundesstaat Guerrero von Bürgerinitiativen ein geheimes Grab nach dem anderen offen gelegt. Eine ähnliche Situation bietet sich in den vergangenen Monaten im Bundesstaat Veracruz. Im April und Juli hatte die Nationale Suchbrigade Verschwundener Personen bereits mehr als 15 geheime G...
Gesetz zur Suche von Verschwundenen verabschiedet (Lima, 30. Juni 2016, noticias aliadas).- Am 22. Juni verabschiedete die peruanische Regierung das Gesetz über die Suche nach verschwundenen Personen (Ley de Búsqueda de Personas Desaparecidas). Damit ist die Suche und Identifikation mittels Datenabgleich von Personen, die während der „Periode der Gewalt 1980-2000“ unter gewaltsamen Umständen verschwanden, auf eine rechtliche Grundlage gestellt. Der Kongress genehmigte die von der Menschenrechtsbehörde gestartete Initiative ...
Auch zweite Suchbrigade in Veracruz findet Überreste von Opfern Von Gerd Goertz(Mexiko-Stadt, 31. Juli 2016, npl).- Die Zweite Nationale Suchbrigade Verschwundener Personen ist nur drei Monate nach ihrer ersten Suchaktion im Bundesstaat Veracruz erneut auf Überreste mutmaßlicher Opfer des organisierten Verbrechens gestoßen. Einen Tag, bevor sie den Ort Paso del Macho im Zentrum des Bundesstaates verlassen wollten, bekamen die Mitglieder der Brigade den anonymen Hinweis, einen Brunnen in einem Zuckerrohrfeld zu untersuchen. Die Brigade...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *