Costa Rica

Hungerstreikende abgefrühstückt


altvon Laura Zierke und Laura Mc Quiddy

(San José, 23. Oktober 2010, voces nuestras).- Seit dem Morgen des 08. Oktober befinden sich Umweltschützer*innen in Costa Rica im Hungerstreik gegen den Goldminentagebau. Sie wollen mit ihrem Entbehren die Regierung Laura Chinchilla dazu bewegen, das Dekret 34.801-MINAET außer Kraft zu setzen. Dieses war vom ehemaligen Präsidenten Oscar Arias erlassen worden. Es erklärt die Goldmine Las Crucitas zu einem Projekt von öffentlichem Interesse und nationalem Nutzen und erlaubt somit dem Unternehmen, in der Region Wälder zu roden.

Die Hungerstreikenden hatten sich vor dem Präsidentenpalast niedergelassen. Polizeikräfte räumten unverzüglich den ursprünglich angedachten Platz, so dass die Protestierenden die erste Nacht unter freiem Himmel im Regen verbringen mussten. Die Gruppe besiedelt nun einen Grünstreifen gegenüber des Regierungsgebäudes. Bis Mitte Oktober waren es neun Hungerstreikende, sechs von ihnen beendeten die friedliche Revolte auf Anraten eines sie begleitenden Arztes.

12 Tage lang wurde der Protest von der Regierung ignoriert. Regierungsvertreter*innen hatten sich weder öffentlich zum Hungerstreik geäußert, noch suchten sie den Dialog mit den Hungerstreikenden. Auch die Massenmedien schwiegen bis zum Dienstag, den 19. Oktober. Nun endlich reagierte der Vizepräsident auf einen Brief der Protestierenden. Die Regierung Laura Chinchilla fordert von den Umweltschützer*innen Geduld, bis ein zur Zeit laufendes Gerichtsverfahren über Las Crucitas beendet ist.

In diesem Gerichtsverfahren werden allerdings lediglich die Konzessionen des Goldminenprojektes überprüft, das Dekret könnte auch unabhängig von der Entscheidung der Richter abgeschafft werden. Nichtsdestotrotz lässt der gegenwärtige Stand des Gerichtsverfahrens die Goldminengegner*innen hoffen. Die meisten der bislang in den Zeugenstand getretenen Expert*innen bemängeln die Machbarkeitsstudien des Unternehmens Infinito Gold Ltd. als unzureichend. Teilweise wurden die Studien, die das Unternehmen vorweist, nicht von entsprechenden Expert*innen verifiziert.

Die Protestierenden hatten ursprünglich vor, bis zum Ende des Gerichtsverfahrens am 25. Oktober den Hungerstreik durchzuhalten. Es ist ihnen anzusehen, dass dies kein einfaches Unterfangen ist. Kopf- und Bauchschmerzen, Schwindel, Schwäche und Unkonzentriertheit sind die ständigen Begleiter. Sie zeigen sich froh über jeden Besuch und wünschen sich von der costa-ricanischen Bevölkerung etwas mehr Unterstützung in Form von Besuchen und öffentlichen Bekenntnissen. Schließlich, so ihre Ansicht, würden sie Umfragewerten zufolge mit ihrem Protest gegen den Goldminentagebau 90 Prozent der costa-ricanischen Bevölkerung vertreten.

(Bildquelle: Voces Nuestras)

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