Kolumbien

Hunderte Paramilitärs in den Nordwesten Kolumbiens eingedrungen


Von Hans Weber

AGC-Circa 250 neue Paramilitärs sind im Norden von Chocó eingesickert

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(02. April, amerika21).- In Jiguamiandó im Norden des Departamento Chocó in Kolumbien sind diese Woche rund 250 Männer der paramilitärischen Gruppe „Gaitán-Selbstverteidigungsgruppen“ (AGC) angekommen. Dies berichtet die ökumenische Organisation Justicia y Paz (CIJP). Sie seien in kleinen Gruppen von Landarbeitern, Sägewerkarbeitern und Goldwäschern in die Region eingesickert. Ihre Waffen und Uniformen ließen sie parallel in Säcken auf Geländewagen oder Maultieren transportieren. Den Einwohner*innen gegenüber hätten sie gesagt, sie seien „gekommen, um zu bleiben und Fortschritt zu bringen“.

Bereits vor zwei Wochen hatte die lokale Bevölkerung festgestellt, dass 100 AGC-Männer nahe einer anderen Ortschaft von Jiguamiandó in Tarnuniformen mit Lang- und Kurzwaffen aufgetaucht waren. Zu ihnen sollen auch in Zivil gekleidete Männer gehören, die ihre illegalen Sägewerke und Goldbergbaubetriebe überwachen und ebenso als Spitzel in der Zone fungieren. Diese Männer sagten den Einwohner*innen, sie sollten besser ruhig bleiben, denn die AGC habe auch Spitzel unter den Oberbefehlshabern der Sicherheitskräfte. Die Paramilitärs hätten außerdem sechs Namen von Gemeindeanführern genannt, gegen die sie vorgehen wollen, so die CIJP.
Etwas nördlicher und näher an der Grenze zu Panama meldet auch die „Gemeinschaft für Selbstbestimmung, Leben und Würde am Cacarica-Fluss“ (Cadiva) eine Intensivierung paramilitärischer Operationen seit Ende Januar, als die Guerilla „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) das Gebiet verließ, um sich in den Übergangszonen zu sammeln. Kurz danach hat die AGC eine große Feier mit Alkohol und lauter Musik in dem Weiler Bijao Cacarica veranstaltet, wo sie unter den Kindern Süßigkeiten verteilten. Circa 90 bewaffnete Paramilitärs sollen das Fest bewacht haben.

In den darauffolgenden Tagen haben die AGC-Männer mehrere Versammlungen abgehalten, bei denen sie Fußballartikel und Päckchen mit Bildungsmaterialien verschenkten. Die Paramilitärs verkündeten dabei, dass die Zeiten sich geändert hätten: Sie kämen nicht, um die Einheimischen zu töten, sondern um Entwicklungsprojekte durchzuziehen. Derzeit sind sie dabei, eine Schule zu bauen.

AGC-Männer haben allerdings Anfang Januar zwei Gemeindemitglieder getötet und ein Dutzend von ihnen drangen Mitte Februar in die humanitäre Zone „Nueva Esperanza“ ein, um Gemeindeanführer zu verschleppen. Die Einwohner*innen reagierten sofort, umzingelten die Paramilitärs und zwangen sie, die Zone zu verlassen und einen Jungen, den sie entführen wollten, frei zu geben.

Nach dem Vorfall bat die Gemeinde die Streitkräfte um Schutz. Die Armee schickte Soldaten, brachte aber ihre Zweifel an der Präsenz von Paramilitärs in der Zone zum Ausdruck. Nach Angaben der CIJP sagte ein Oberbefehlshaber der „Einheit Titan“, es sei wenig wahrscheinlich, dass große Gruppen bewaffneter Männer unbemerkt eingedrungen seien.

Die Paramilitärs sind noch immer in der Region und haben mehrere Gemeindeanführer zu militärischen Zielen erklärt.

Die Gemeinden von Cacarica verteidigen ihren kollektiven Landbesitz von über 100.000 Hektar, von dem sie im Jahr 1997 durch Paramilitärs vertrieben wurden. Die damaligen paramilitärischen Selbstverteidigungstruppen (AUC) haben zusammen mit den Streitkräften den Bauern Mariano López gefoltert, vor den Augen der Nachbarschaft enthauptet und mit seinem Kopf Fußball gespielt. Im Jahr 2000 kehrten die ersten Vertriebenen zurück und gründeten Cavida.

(Mit Informationen von cijpcontagio radio)

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