Panama

Hohe Staatsverschuldung durch Kanalausbau


von Marco A. Gandásegui, hijo*

(Quito, 29. Januar 2009, alai).- Die panamaische Regierung hat nach eigenen Angaben die Staatsverschuldung um weitere 1,11 Milliarden US-Dollar angehoben. Die Regierung tätigte Anleihen bei verschiedenen internationalen Einrichtungen, darunter die Interamerikanische Entwicklungsbank BID und der Fondo Andino de Reservas. Da die traditionellen internationalen Finanzinstitute ihren Kreditrahmen gekürzt hatten, soll die neue Anleihe der panamaischen Staatsbank über den infolgedessen entstandenen Engpass hinweghelfen.

Über die rechtlichen Rahmenbedingungen dieses neuen Darlehens gab Präsident Martín Torrijos keine Auskunft. Einige Wochen zuvor hatte Torrijos bereits erklärt, das Land werde ein Darlehen von über zwei Milliarden US-Dollar zeichnen und damit teilweise den Ausbau des Panama-Kanals finanzieren.

Das Projekt Kanalausbau sieht sich derzeit mit der schwersten Krise des Weltseehandels seit 1930 konfrontiert. Wie das Unternehmen Lloyd’s List mitteilte, haben aufgrund der wirtschaftlichen Rezession, die den Welthandel stark beeinträchtigt, bereits fünf Transportunternehmen die Anzahl der Fahrten ihrer Containerschiffe verringert. Betroffen sind APL, Haburg Sud, Hapag-Lloyd, Hyundai Merchant Marine und Evegreen. Besonders stark betroffen seien die Häfen im asiatischen Raum. Die japanische Reederei Mitsui OSK hatte ursprünglich geplant, Fährlinien zwischen den wichtigsten Häfen Asiens und der USA einzurichten, nahm jedoch angesichts der aktuellen Lage von dieser Idee Abstand.

Noch alarmierender ist Nachricht vom „Zusammenbruch“ der Häfen Long Beach und Los Angeles, beide in Kalifornien, in den letzten Wochen, auch dies eine Folge des weltweiten ökonomischen „Meltdown“. Der Hafen Long Beach vermeldete eine elfprozentige Abnahme des Containerschiffverkehrs. Ein so starker Rückgang war in den letzten 20 Jahren nicht vorgekommen. Allein im Monat Dezember 2008 nahmen die Schiffsbewegungen in Long Beach um 25 Prozent ab. Im Hafen von Los Angeles war die Containerbewegung im gesamten Jahr 2008 um sechs Prozent gesunken, im Dezember stieg der Rückgang sprunghaft auf 15 Prozent an.

Für den Panamakanal dienen diese Entwicklungen als Orientierungshilfen, da Long Beach und Los Angeles einen vergleichbaren Dienst anbieten. In Long Beach trat der Rückgang sehr plötzlich ein. Das Jahr 2007 mit insgesamt 7,3 Millionen TEU (Maßeinheit für die Ladefähigkeit von Containern) war für den Hafen das Jahr mit der bisher höchsten Auslastung. Wie auch im Panamakanal ging der Güterverkehr zurück, allerdings viel plötzlicher als im zentralamerikanischen Kanal, und sank auf 6,4 Millionen TEU. Im November und Dezember 2008 fielen die Exporte, die über den Hafen laufen, um 23 bzw. 34 Prozent. Ähnliches passierte in Los Angeles: Hier sank der Güterverkehr zwischen 2007 und 2008 von 8,4 auf 7,8 Millionen TEU.

Nach Aussagen des Instituts HSBC Global Research, das für den chinesisch-britischen Finanzdienstleister HSBC Prognosen erstellt, sieht die Zukunft des Seehandels alles andere als rosig aus. Man müsse mit einem erheblichen Preisverfall rechnen, die Existenz der Reedereien stehe auf dem Spiel. HSBC zufolge wird die Containerschiffahrt im Jahr 2009 stagnieren und sich 2010 wieder etwas erholen. Fast alle Reedereien kündigten für 2009 Verluste an.

Während sich die panamaische Regierung verschuldet, um den Interessen einiger Weniger entgegenzukommen, beginnt die ökonomische Basis der Welt um sie herum zu zerfallen. Für die Schulden werden unsere Kinder und Enkel aufkommen müssen, während die hohen Damen und Herren der Regierung Entscheidungen treffen, die zum Inhalt haben, sich gemeinsam mit ihren Geschäftspartnern zu bereichern.

*Professor der Universität Panama und angeschlossenes Forschungsmitglied des CELA (Zentrum für Wirtschaft, Gesetzgebung und Wasserverwaltung / Centro de Economía, Legislación y Administración de Agua).

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