Peru

Haftstrafen für drei Generäle wegen „Baguazo“ von 2009


Repression in Bagua 2009 / http://www.indymedia.org/or/2009/06/925425.shtml(Buenos Aires, 18. März 2011, púlsar).- Drei Generäle wurden am 14. März vor einem Militärgericht wegen des Massakers in Bagua vom Juni 2009 verurteilt. Polizeigeneral Luis Muguruza Delgado, der den Einsatz damals geleitet hatte, erhielt 36 Monate Haft wegen Verletzung der Dienstpflichten, Polizeigeneral Javier Uribe wurde zu 24 Monaten Gefängnis verurteilt. Beide blieben gegen Kautionsauflagen auf freiem Fuß. Der Armeegeneral Raúl Silverio Silva Alván erhielt eine Haftstrafe von 12 Monaten auf Bewährung.

Keine Entschädigung der Opfer

Das Urteil sieht keinerlei Wiedergutmachung für die Opfer oder deren Angehörige vor. Die Familien wiesen das Urteil als „Fehlentscheidung“ zurück und forderten, dass die Verantwortlichen des so genannten „Baguazo“ sich vor einem Zivilgericht verantworten müssen.

Indigene hatten im Frühjahr 2009 mit Straßensperren gegen gesetzliche Beschneidungen ihrer Landrechte im Amazonasgebiet protestiert. Daraufhin verhängte die Regierung für die im Amazonas gelegene Kleinstadt Bagua und deren Umgebung den Ausnahmezustand. Am 5. Juni wurde schließlich eine Polizeieinheit zur Auflösung der Straßenblockaden eingesetzt. Bei den gewaltsamen Übergriffen gegen Indigene an der Curva del Diablo wurde viele Menschen verletzt und mehr als 30 Indigene und 24 Polizisten getötet. Eine offiziell bestätigte Opferzahl liegt immer noch nicht vor.

Generäle als “Bauernopfer”

Die Landesweite Koordinationsstelle für Menschenrechte CNDDHH (Coordinadora Nacional de Derechos Humanos) ließ verlauten, dass es anscheinend Ziel dieses Urteils sei „zwei Polizisten und einen Militär für die schweren Menschenrechtsverbrechen zur Verantwortung zu ziehen während die wahren Verantwortlichen für diese Vorgänge weiter straffrei bleiben.“

Ähnlich äußerte sich auch Alberto Pizango, Präsident der Indigenen Vereinigung zur Entwicklung im peruanischen Regenwald AIDESEP (Asociación Interétnica de Desarrollo de la Selva Peruana). Er beschuldigte die Regierung von Alan García, die Verantwortung der Ex-Minister*innen Yehude Simón, Mercedes Cabanillas und Mercedes Aráoz für die Ereignisse in Bagua zu vertuschen. Pizango wurde von der Regierung als Drahtzieher der Unruhen bezichtigt und floh für elf Monate ins Exil.

Familienangehörige der Opfer und Menschenrechtsorganisationen begaben sich auf den Weg nach Lima, um dort gegen das Urteil protestieren.

CC BY-SA 4.0 Haftstrafen für drei Generäle wegen „Baguazo“ von 2009 von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Auftraggeber von Massaker an Landlosen-Aktivisten im Gefängnis Von Benjamin Bunk, Belo Horizonte (19. Dezember 2017, amerika 21).- Der Großgrundbesitzer Adriano Chafik Luedy, in Brasilien rechtskräftig wegen Mordes verurteilt, ist am 14. Dezember in Salvador de Bahia verhaftet worden. Die Nachricht über die Festsetzung von Chafik in Brasilien platzte direkt in das Jahrestreffen der Landlosenbewegung MST. Am 20. November 2004 waren in der Nähe von Felisburgo in der Grenzregion zwischen den Bundesstaaten Minas Gerais und Bahia fünf ...
Hinhörer: Wahrheit, Gerechtigkeit, Erinnerung Menschenrechte auf den Punkt gebracht. Heute: Wahrheit, Gerechtigkeit und Erinnerung Folter, sexualisierte Gewalt, Mord, Verschwindenlassen von Personen: durch Militärs, bezahlte Auftragskiller, Kartelle oder Banden – das schreit nach Aufklärung, damit die Luft zum Atmen reicht! ¡Nunca más - nie wieder!  
Colonia Dignidad: Bundestag fordert Aufklärung und Hilfe für Opfer Von Ute Löhning (Berlin, 12. Oktober 2017, npl).- Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen fordern die Bundesregierung auf, in der Colonia Dignidad begangene Verbrechen aufzuklären und ein Konzept für Hilfen für die Opfer dieser Verbrechen zu entwickeln. Ist das der Durchbruch in Sachen Aufarbeitung der Geschichte und der deutschen Verantwortung darin? „Kolonie der Würde“ lautet die Übersetzung für „Colonia Dignidad“: die Sektensiedlung, die der deutsche Laienprediger...
Demonstration gegen das Vergessen (Mexiko-Stadt, 3. Oktober 2017, desinformémonos).- Überlebende, Organisationen und Studierende haben am Montag den 2. Oktober in verschiedenen Teilen Mexikos demonstriert und an das Massaker vom 2. Oktober 1968 erinnert, bei dem die Regierung dem Militär den Befehl gegeben hatte, auf die fast fünfzigtausend jungen Menschen zu schießen, die sich auf dem Platz der drei Kulturen in der Großwohnsiedlung Tlatelolco in Mexiko-Stadt versammelt hatten. In Mexiko-Stadt nahmen mehre...
Bundesstaat Coahuila: Morde, Verschwindenlassen und Folter sollen vor den Internationalen Strafgerichtshof (Mexiko-Stadt/Berlin, 23. Juli 2017, poonal).- Am 6. Juli übergab die Internationale Föderation für Menschenrechte FIDH (International Federation for Human Rights) gemeinsam mit mehr als 100 mexikanischen Organisationen dem Internationalen Strafgerichtshof in den Haag (IStGH) einen detaillierten Bericht* über die schwerwiegenden Verbrechen, die zwischen 2009 und 2016 im mexikanischen Bundesstaat Coahuila (im Nordosten des Landes an der Grenze zu Texas) begangen wurden. FIDH u...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.