Mexiko

Guerilla ERPI ruft zu Wahlboykott in Guerrero auf


(Montevideo, 29. September 2008, recosur-poonal).- Fünf Tage vor den Wahlen im mexikanischen Bundesstaat Guerrero hat die Guerillagruppe Revolutionäre Streitkräfte des aufständischen Volkes ERPI (Ejército Revolucionario del Pueblo Insurgente) dazu aufgerufen, die Wahlen zu sabotieren. Am 4. Oktober wird in Guerrero über die Zusammensetzung des dortigen Kongresses sowie die Besetzung von 81 Bürgermeisterposten abgestimmt. Die ERPI, eine bewaffnete Guerrillagruppe, die 1998 zum ersten Mal an das Licht der Öffentlichkeit trat und die v.a. in den indigen geprägten Gebieten Guerreros operiert, bezeichnet den Wahlboykott als eine „Protestmaßnahme gegen die neoliberalen Regierungen“.

In einer am Montag, den 29. September, veröffentlichten Erklärung beschuldigt die ERPI einige der Kandidat*innen, mit Gruppen des Drogenhandels zu tun zu haben. „Wir schlagen vor, als Zeichen des Unmuts mit dem Parteiensystem, das das neue Gesicht der alten Diktatur der besitzenden Klasse Mexikos ist, sich der Wahl zu enthalten“, so die ERPI.

Die Guerrillagruppe beschuldigte die PRD-Regierung von Zeferino Torreblanca Galindo, die 2005 an die Macht kam, und einige der Gemeinderegierungen Guerreros als Unterstützer von paramilitärischen Gruppen zu fungieren, die „die kämpferischsten sozialen Aktivist*innen entführen und töten“. Im Wahlkampf war es verstärkt zu gewalttätigen Angriffen auf Aktivist*innen gekommen, die sich zur Wahl stellen.

Laut ERPI ist die Ermordung des PRD-Kandidaten Homero Lorenzo Ríos, der im XIV. Distrikt Guerreros zur Wahl angetreten ist, Resultat der „Auseinandersetzungen der Banden des organisierten Verbrechens“. Die Gruppe verwies darauf, dass auch die zur Wahl stehenden Ex-Gemeindepräsidenten von Zirándaro und Quechultenango, Catalino Duarte Ortuño und Napoleón Silva García, in den Drogenhandel verstrickt seien.

Die Gruppe beschuldigte den Gouverneur von Guerrero, Torreblanca Galindo, sowie die Bundesegierung Mexikos, „Drogenhändlerbanden in der Aufstandsbekämpfung“ einzusetzen und „Todesschwadrone in den Gebieten Costa Chica, Costa Grande und Tierra Caliente“ zu unterhalten. Die Gruppen, so die ERPI weiter, würden von hohen Rängen des mexikanischen Militärs und der Marine angeführt und seien verantwortlich für die Entführungen und Ermordungen von Mitgliedern sozialer Bewegungen, aufständischer Gruppen und vieler Unschuldiger. Die PRD- und PRI-Gemeinderegierungen sowie die Regierung des Bundesstaates würden den Banden des organisierten Verbrechens politischen und polizeilichen Schutz bieten.

CC BY-SA 4.0 Guerilla ERPI ruft zu Wahlboykott in Guerrero auf von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Mord statt Tarifverträge – Torex Gold will weiter machen Von Nina Aretz (Berlin, 8. Februar 2018, npl)-. Seit dem 3. November 2017 befinden sich die Minenarbeiter*innen der Mine Media Luna in Cocula, Guerrero im Streik, um gegen die Entlassung von 600 Arbeiter*innen zu protestieren. Diese hatten sich der Bergbaugewerkschaft SNTMMSSRM (Sindicato de Trabajadores Mineros, Metalúrgicos y Similares de la República Mexicana) angeschlossen, da sie sich von dem unternehmerfreundlichen, größten mexikanischen Gewerkschaftsbund CTM (Conf...
Militär stoppt Proteste gegen Wahlbetrug (El Progreso, 20. Januar 2018, radio progreso).- Am 20. Januar 2018 war der Beginn eines landesweiten Streiks anberaumt worden, der bis zum 27. Januar dauern und mit dem die Ablehnung des Wahlbetruges zum Ausdruck gebracht werden sollte. Der 27. Januar war zudem der Tag, an dem Juan Orlando Hernández auf illegitime Art und Weise den Präsidentenstuhl für weitere vier Jahre einnehmen sollte. Honduras' aktuelle Verfassung verbietet die Wiederwahl des Staatsoberhauptes, aber P...
Kein Feminismus, kein Gender: Frauen treten aus der PRD-Partei aus. (Mexiko-Stadt, 15.Januar 2018, Cimacnoticias/poonal)-. Mitte Januar haben acht Frauen* öffentlich ihren Austritt aus der Partei der Demokratische Revolution PRD (Partido de la Revolución Democrática) angekündigt: Feministische und Gender-Themen hätten keinen angemessenen Platz mehr im Parteiprogramm, so die Frauen. Sie werfen der Partei vor, ihre Werte und Prinzipien vergessen zu haben. Außerdem habe sie sich zu weit nach rechts bewegt und das schon bevor sie sich zu eine...
Todesopfer bei Repression gegen Staudammwiderstand in Guerrero Von Philipp Gerber (Oaxaca-Stadt, 15. Januar 2018, npl).- Bei einem Polizeieinsatz in Acapulco, Guerrero, gegen Gegner*innen eines Staudammprojekts kamen mehrere Personen ums Leben, 25 Bauern wurden verhaftet. Der Einsatz erfolgte, nachdem in den Morgenstunden des 7. Januars bei einem Fest im Dorf La Concepción eine Schießerei ausbrach. Gemäß dem Sprecher des Staudammwiderstands CECOP, Marco Antonio Suástegui, wurden zwei Elemente der kommunitären Dorfpolizei bei einem...
Die Gewalt im Acapulco der Armen Von Abel Barrera, Leiter des Menschenrechtszentrums Tlachinollan* (Tlapa, Guerrero, 12. Januar 2018, la jornada).- Gegen drei Uhr morgens, als auf dem Dorfsportplatz getanzt wurde, sah ich, wie zwei Mitglieder der gemeindebasierten Polizei einer Person folgten, die auf das Comisariado zurannte [Büro des Comisario, dem Beauftragten für das Gemeindeland. Die Beauftragten werden in der Theorie von der Gemeindeversammlung gewählt. Oft erfolgt ihre Wahl aber unter Unregelmä...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.