Kolumbien

Großunternehmen und Militär der Hilfe für Paramilitärs beschuldigt


Von Hans Weber.

Bereits im Jahr 2008 hatte der Ex-Finanzchef von „Peinado Becerra“, Armando Madriaga Picón, vor Gericht gestanden, dass er monatlich 15 Kästen Limonade von Postobón bekam. Er habe sie verkauft und Postobón hätte selber an einen von Madriaga zugewiesenen Händler geliefert. So habe es der damalige Geschäftsführer des Unternehmens arrangiert.

Auch der AUC-Kommandant Salvatore Mancuso hatte im Jahr 2007 ausgesagt, dass die AUC monatlich 7.000 US-Dollar in jedem Departamento, wo Postobón Getränke lieferte, von dieser Firma erhalten hat. Nun will der TSB von der Staatsanwaltschaft wissen, ob sie Untersuchungen diesbezüglich unternommen hat. Es müsse festgestellt werden, ob die Zahlungen von Postobón an die AUC freiwillig waren.

Verflechtungen zwischen Polizei und AUC

Darüber hinaus sollen Polizisten und Militärs nach Angaben des TSB auf Gehaltslisten dieser paramilitärischen Gruppe gewesen sein. In dem 439-seitigen Urteil werden 30 Angehörige der Sicherheitskräfte genannt, die bei kriminellen Aktionen der AUC beteiligt waren. Im Schriftstück wird ebenso darauf aufmerksam gemacht, dass 79 der 251 Demobilisierten der „Peinado Becerra“ zum Militär oder zur Polizei gehört hatten und später leitende Stellen besetzt haben.

Die AUC-Gruppe hat im Süden des Departamento Cesar und Norden des Departamento Norte de Santander zahlreiche gezielte Morde verübt und zwölf Massaker begangen. Die Opfer sind auf Fincas verschleppt worden, wo sie fünf oder sechs Tage gefesselt blieben. Dann wurden sie gefoltert und schließlich ermordet. Das TSB berichtet beispielsweise über einen Minderjährigen, der durch simuliertes Ertränken gequält wurde. Die Leichen haben die Paramilitärs oft an öffentlichen Plätzen oder vor dem Haus des Opfers ausgestellt.

Für das TSB sei wichtig, den Kontext der Menschenrechtsverletzungen der „Peinado Becerra“ herauszustellen und in diesem Sinne die juristische Mitverantwortung von privaten Unternehmen zu ermitteln, damit auch sie in den Prozess zur Entschädigung der Opfer eingebunden werden, so das Gericht.

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