Argentinien

Großmütter der Plaza de Mayo: Enkel Nummer 122 gefunden


Die Großmütter der Plaza de Mayo suchen nach den Enkeln ihrer Verhaftet-Verschwundenen Kinder. Jetzt haben sie Enkel Nr. 122 gefunden

Die Großmütter der Plaza de Mayo suchen nach ihren Enkeln, den Kindern ihrer Verhaftet-Verschwundenen Kinder. Jetzt haben sie Enkel Nr. 122 gefunden / Foto: Camilo Henao, CC_BY-NC-SA_2.0

(Montevideo, 26. April 2017, la diaria).- Noch ist sein Name nicht öffentlich, doch gestern wurde seine Herkunft bekanntgegeben: Der Enkel Nummer 122 ist 40 Jahre alt, hat zwei Kinder und lebt nicht in Buenos Aires. Er habe um ein wenig Zeit gebeten, um sich zurückzuziehen, während er sich mit seiner neuen Identität auseinandersetzt. So schilderte in einer Pressekonferenz am 25. April die Vorsitzende der Gruppe Abuelas de Plaza de Mayo (Großmütter der Plaza de Mayo), Estela de Carlotto die Situation um den Sohn von Enrique Bustamante und Iris Nélida García Soler. Die beiden gehörten der Gruppe Montoneros an und gelten seit 1977 als Verschwundene.

Die Vorsitzende schilderte eine Serie von “Treffen und gescheiterten Begegnungen“, an deren Ende das Auffinden dieses Enkels steht. Bustamente und García Soler wurden im Januar 1977 entführt. Die Nationale Gen-Datenbank verfügte allerdings erst im Jahr 2010 über die notwendigen Informationen, um die Identität ihres Sohnes herausfinden zu können. Ein großes Hindernis bei der Suche stellte die Tatsache dar, dass Bustamente offiziell nicht als verschwunden gilt. Sein Fall konnte erst kürzlich in die Datenbank eingegeben werden, als eine ehemalige politische Gefangene bestätigte, dass sie selbst gemeinsam mit den Eltern des Jungen im geheimen Haft- und Folterzentrum der Militärschule Esma (Escuela Mecánica de la Armada) in Haft gesessen habe. Dort sei dann der Enkel Nr. 122 geboren worden, so Carlotto.

Eine Cousine von Bustamente hatte im Jahr 2010 das Menschenrechtssekretariat um Informationen über ihn gebeten. Erst seit kurzem konnte die Datenbank sich mit dem Fall beschäftigen. „Das bestätigt, dass es sich um 30.000 oder mehr Verschwundene handelt“, erklärte Carlotto am 25. April und antwortete damit direkt auf Regierungsbeamt*innen der Regierung Macri, die Zweifel an der offiziellen Zahl der Verschwundenen angemeldet hatten. Carlotto unterstrich, dass „dieser Fall der Beweis dafür ist, dass diese Prozesse ein sehr wichtiges Mittel waren und sind und der Staat diesen Prozess der Erinnerung, Wahrheitsfindung und rechtlichen Aufarbeitung mit einer entsprechenden öffentlichen Politik begleiten muss“.


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