Argentinien
Fokus: Menschenrechte 2015

Greenpeace klagt an: Das Trinkwasser in Argentinien ist in Gefahr


Kaputte Sammelbecken

Die Sammelbecken der namhaften Mineralölfirmen seien alt und schadhaft und die Kontrollen durch die Behörden selten, wobei die verseuchten Gebiete nicht mit einbezogen würden. Außerdem befände sich der Petrochemie-Komplex Dock Sud an der Mündung des Flusses Riachuelo und am Ufer des Río de la Plata – in einem der am dichtesten bevölkerten Gebiete des Landes.

Mit Blick auf den erneuten Jahrestag der Urteilsverkündung – am 8. Juli 2008 ordnete der Oberste Gerichtshof der Nation die komplette Sanierung des Matanza-Riachuelo-Flussbeckens an – prangert die Nichtregierungsorganisation die Verschmutzung des Grund- und Oberflächenwassers sowie die des Bodens auf dem Gebiet an, verursacht durch das Auslaufen von Kohlenwasserstoffen aus den größten Öl-Raffinerien des Standortes: Shell CAPSA, YPF und Dapsa.

„Die stärkste Verschmutzung des Flusses Riachuelo findet am Industriestandort Dock Sud statt, die Klage vor dem Gerichtshof hat dort ihren Ursprung. Die Behörden können die Verseuchung durch die petrochemische Industrie nicht ignorieren, wenn sie dem Urteil Rechnung tragen wollen“, erklärte Martín Prieto, Geschäftsführer von Greenpeace in Argentinien.

Laut dem Bericht sind die Sammelbecken für die Speicherung der Kohlenwasserstoffe bereits 80 Jahre alt und befinden sich in einem schlechten Erhaltungszustand. Das führt dazu, dass der Inhalt entweicht und in das Grundwasser gelangt. Der Grundwasserspiegel – die oberste Schicht des Grundwassers – ist bereits verseucht.

Schlampige Kontrollen

Bereits in früheren Dokumenten hatten die Umweltschützer*innen vor dem hohen Grad der durch Industrieabwässer verursachten Wasserverschmutzung im Flussbecken gewarnt. Offiziellen Messungen gemäß gäbe es hier kein Vorankommen. Die Aufzeichnungen über Verschmutzungen durch Kohlenwasserstoffe (Benzin, Heizöl, Chemikalien, Schmierstoffe) sind mehr als 20 Jahre alt und Umweltschützer klagen, dass die aktuellen Messungen außerhalb des verschmutzten Gebietes durchgeführt werden und außerdem keine Messungen zu den Auswirkungen auf tiefe Grundwasserverkommen und Oberflächenwasser erfolgen.

„Die Kontrollen sind nicht effizient, hauptsächlich deswegen, weil die Unternehmen an einem Ort verschmutzen und die Behörde des Matanza-Riachuelo-Flussbeckens Acumar (Autoridad de la Cuenca Matanza Riachuelo) an einem anderen Ort nachschaut“, sagte Prieto. Greenpeace fordert von Acumar und den drei Regierungen mit politischer Verantwortung für das Matanza-Riachuelo-Becken (Landes-, Stadt- und Provinzregierung), dass diese die notwendigen Maßnahmen zum Stopp der Verschmutzung durch Kohlenwasserstoffe aus der petrochemischen Industrie ergreifen und an dem Industriestandort effektive Kontrollen durchgeführt werden.

 

Dieser Artikel ist Teil unseres diesjährigen Themenschwerpunkts:

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