Bolivien

Gletscher des Berges Chacaltaya komplett abgeschmolzen


(Lima, 10. Oktober 2009, noticias aliadas).- Chacaltaya, einst internationales Wettkampfzentrum des Skisports in den 1970er Jahren, ist nur noch Erinnerung. Die ehemals am höchsten gelegene Skipiste der Welt existiert nicht mehr. Der Gletscher des 5.300 Meter hohen Chacaltaya, der etwa zwei Stunden von der Hauptstadt La Paz entfernt liegt, ist abgeschmolzen – sechs Jahre früher, als von den Expert*innen vorausgesagt.

„Kalter Weg“ bedeutet der Name des Gipfels aus dem Aymara übersetzt. Das Eis des Chacaltaya begann während der 1980er Jahre zu verschwinden. Vor zehn Jahren sagte das Institut für Hydraulik und Hydrologie IHH (Instituto de Hidráulica e Hidrología) der Universität Mayor de San Andrés voraus, dass der Gletscher vermutlich noch bis 2015 bestehen würde. Im vergangenen März wurde jedoch bereits gemeldet, dass der Gletscher vollständig abgeschmolzen sei.

Der stellvertretende Direktor des IHH Edson Ramírez verwies darauf, dass das Abschmelzen des Gletschers auf ein Zusammenwirken der höheren Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre und der Erhöhung der globalen Durchschnittstemperaturen zurückzuführen sei, heißt es in einer von der Presseagentur ALC veröffentlichten Erklärung. Andere bolivianische Gletscher, wie der besonders bekannte 6.462 Meter hohe Illimani im Südosten von La Paz, könnten ebenfalls in 30 Jahren verschwunden sein.

Etwa 71 Prozent der tropischen Gletscher im Gebirgszug der Anden liegen in Peru, 20 Prozent in Bolivien und je vier Prozent in Ecuador und Kolumbien. Ihr Verschwinden stellt eine Bedrohung für die Wasserversorgung und die Energieversorgung für mehrere Millionen Menschen dar und gefährdet auch deren Nahrungsmittelsicherheit. Juan Carlos Sánchez, Mitglied des Weltklimarates IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) erklärte: „… der vielleicht offensichtlichste und am besten dokumentierte Beweis für den Klimawandel in Lateinamerika ist das Verschwinden der Gletscher in den Anden.“

Beispielsweise gäbe es in Peru 3.044 Gletscher, deren Ausdehnung sich zwischen 1970 und 1997 um 22 Prozent verringert habe. Das seien 11.300 Millionen Kubikmeter im Volumen, schreibt Sanchez in einem Artikel des venezolanischen Internetportals Analítica. Dieses Abschmelzen habe sich bei kleinen Gletschern, die unter 5.500 Meter Höhe lägen, stärker ausgewirkt und bedeute den Verlust wichtiger Wasserreserven in der Größenordnung von 7.000 Millionen Kubikmetern Wasser, heißt es in dem Artikel weiter. So hätten die Gletscher des Cotopaxi und des Antisana in Ecuador bereits 30–50 Prozent ihrer Eisfläche verloren.

„Für Ecuador haben die Gletscher eine überragende Bedeutung, denn sie sind die Quelle für die Wasserversorgung und Bewässerung der Landwirtschaft in den zentralen Tälern des Landes. Außerdem sichern sie auch die Wasserversorgung für die Stadt Quito“, stellt Sánchez weiter fest. In Kolumbien verschwanden innerhalb der letzten 50 Jahre acht der insgesamt 15 Gletscher des Landes. Bei den noch verbleibenden sieben Gletschern wurde in den letzten fünf bis zehn Jahren ein Rückgang der Eisfläche um bis zu 20 Meter pro Jahr festgestellt.

Die Schmelze der Gletscher berge auch Risiken für die Bevölkerung in deren unmittelbarer Umgebung, so Sánchez. Kurzfristig bedeute dies eine Überversorgung der Wasserreservoire. Ein Freiwerden von Eismassen könne daher zu Überschwemmungen, Lawinen und Erdrutschen führen. Längerfristig könne bedeutend weniger Wasser für die Trinkwasserversorgung, die Landwirtschaft oder auch die Energieproduktion zur Verfügung stehen. Weiter sei die Veränderung der Ökosysteme auf den Bergen ein Problem, da viele Arten durch die Zerstörung ihres Lebensraumes vom Aussterben bedroht würden.

Nach Angaben von D. Hoffmann vom Bolivianischen Institut für Gebirgsforschung (Instituto Boliviano de la Montaña), fehlten seitens der Politik Strategien, mit diesem Zukunftsszenario umzugehen: “Die Regierung hat überhaupt keine Strategie zur Abfederung der Folgen dieser Entwicklung oder anderweitige Pläne entwickelt, um den negativen Auswirkungen des Abschmelzens der Gletscher zu begegnen, die durch den Klimawandel bedingt sind. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Rückgang der Gletscher sich auf lokaler Ebene am stärksten auswirken wird. Das bedeutet, dass die Gemeindebehörden in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle würden übernehmen müssen“, wird der Experte in einem Artikel der Agentur ALC vom September dieses Jahres zitiert.

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