Mexiko

Gewaltsam verschwunden in Veracruz – PGR will nicht zuständig sein


Familienangehörige aus Playa Vicente demonstrieren und fordern von der Regierung, dass die fünf jungen Leute, die in Tierra Blanca entführt wurden, lebend fwieder auftauchen. Foto vom 14. Januar 2016, Cuarto Oscuro

Familienangehörige aus Playa Vicente demonstrieren und fordern von der Regierung, dass die fünf jungen Leute, die in Tierra Blanca entführt wurden, lebend wieder auftauchen. (Foto vom 14. Januar 2016, Cuarto Oscuro)

(03. Februar 2016, desinformémonos).- Am 11. Januar kamen José, Mario Arturo, Alfredo, Bernardo und Susana aus dem Urlaub zurück. Die jungen Männer sind alle noch keine 25 Jahre, Susana ist 16 Jahre alt. Sie waren in Urlaub gefahren. Sie kamen zurück. Sie wurden von der Polizei in der Stadt Tierra Blanca im Bundesstaat Veracruz im Osten Mexikos angehalten. Sie wurden nicht wieder gesehen.

Sieben Polizisten wurden festgenommen, gegen sie wurde Anklage wegen der Entführung der fünf jungen Leute erhoben. Einer der Angeklagten ist Marcos Conde Hernández, Beauftragter für Öffentliche Sicherheit und laut den Mitgliedern von Verschwundenen-Organisationen schon öfter in unregelmäßige Festnahmen und Entführungen von anderen Personen im Bundesstaat Veracruz verwickelt.

Familienangehörige machen sich auf die Suche

Da die verantwortlichen Behörden und die Justiz zwar die Täter festgenommen haben, aber nicht den Aufenthaltsort der jungen Leute bekannt geben, haben die Eltern der Verschwundenen selber mit der Suche begonnen und äußern sich öffentlich über das Verbrechen. Bereits seit dem 11. Januar halten sie eine Mahnwache vor den Toren der Staatsanwaltschaft von Tierra Blanca aufrecht, bei der sie Anzeige erstattet hatten.

Anfang Februar hat die Generalbundesstaatsanwaltschaft durch ihre Abteilung Menschenrechte mitteilen lassen, der Fall werde an die Justizbehörden des Bundesstaates Veracruz zurück verwiesen. Die Eltern erfuhren von dieser Entscheidung der Generalbundesstaatsanwaltschaft PGR kurz nach einem Treffen mit Roberto Campa, dem stellvertretenden Leiter der Abteilung Menschenrechte.

„Die Generalbundesstaatsanwaltschaft lässt uns im Stich.“

Die Eltern forderten die mexikanische Regierung auf, sie zu unterstützen, die Suche zu gewährleisten und auf Ergebnisse zu drängen: „Die Regierung bot uns persönlichen Schutz an und am Anfang versprach sie, dass der Fall bis in die letzte Konsequenz verfolgt werde; es wurde sogar ein Ermittlungsverfahren gegen die festgenommenen Polizisten eingeleitet. Doch jetzt werden wir alleine gelassen. Und es ist doch die Aufgabe der Bundesregierung, es ist ihre Aufgabe, verschwundene Personen zu suchen. Wenn ich mich jetzt schon alleine fühle, so werden wir in Zukunft vollkommen schutzlos sein, ohne zu wissen, an wen wir uns wenden können. Wir sind vollkommen auf uns selber gestellt. Die Generalbundesstaatsanwaltschaft lässt uns im Stich.“ Das erklärte einer der Familienangehörigen am 3. Februar morgens im Radiosender Radio Fórmula.

Am selben Tag versprach Roberto Campa, stellvertretender Leiter der Abteilung Menschenrechte des Innenministeriums, sich mit den Familien der fünf Verschwundenen in der Stadt Tierra Blanca zu treffen, in der die Entführung stattgefunden hat.

Da der Fall nun nicht mehr in der Zuständigkeit der Bundesbehörden liegt, ist es sehr wahrscheinlich, dass die sieben Polizisten, die in den Fall verwickelt sind, nicht wegen eines Bundesverbrechens angeklagt werden. Alles bleibt der örtlichen Justiz überlassen, obwohl es der Bundesstaat Veracruz ist, der die Verantwortung für das gewaltsame Verschwindenlassen trägt.

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