Mexiko
Fokus: Frauen und Queer / Mujeres y Queer

Gewalt gegen Escort-Arbeiterinnen 1


Protest gegen machistische Gewalt

Foto: Desinformémonos/Cuartoscuro

(Mexiko-Stadt, 5.Januar 2018, desinformémonos).- Ende Dezember wurde die Argentinierin Karen Ailen ermordet in einem Hotel in Mexiko-Stadt aufgefunden. Vergangenen November fand man die Leiche von Génesis Ullyannis Gibson aus Venezuela. „Wir fordern Gerechtigkeit für die Compañeras, es gibt viele Hinweise, die untersucht werden müssen. Die Verbrechen dürfen nicht ad acta gelegt werden und die Schuld darf nicht den Frauen gegeben werden“, sagte Elvira Madrid Romero, Vorsitzende der Straßenbrigade zur Unterstützung der Frau “Elisa Martínez” (Brigada Callejera de Apoyo a la Mujer). „Escort-Frauen“ seien in Mexiko mindestens ebenso heftiger Gewalt ausgesetzt wie Sexarbeiterinnen, was vor allem an der Art der Kundschaft liege, versicherte Madrid Romero.

Die Gründerin der Brigada Callejera erklärte, dass es zwar einige Escorts gebe, die auf eigene Rechnung arbeiteten, aber nicht alle seien frei oder hätten sich freiwillig dafür entschieden. Die Alterspanne der Frauen reicht von 18-24 Jahren und sie verdienen zwischen 20.000-50.000 mexikanische Pesos (etwa 880-2.200 Euro). Die Internet-Agenturen, bei denen die Frauen ihre Dienste anbieten, behalten teilweise 20-30 Prozent des Lohnes ein.

Viele Escort-Frauen sind Opfer des Menschenhandels

Die Vorsitzende der Regionalen Koalition gegen Kinder- und Frauenhandel in Lateinamerika und der Karibik (Coalición Regional contra el Tráfico de Mujeres y Niñas en América Latina y el Caribe), Teresa Ulloa Ziáurriz, gab an, dass viele Frauen durch den Menschenhandel zur Escort-Arbeit kämen. Sie würden durch vermeintliche Arbeitsangebote, hauptsächlich aus der Model-, Schauspiel- und Tanz-Branche, betrogen.

Die größte Gruppe der Opfer des Menschenhandels stellen junge Frauen sowie Ausländerinnen dar. Laut Ulloa sind mindestens 20 Prozent der Opfer Ausländerinnen. „Früher gab es viel Handel mit argentinischen Frauen, jetzt konzentriert er sich auf Kolumbien und Venezuela; bedingt durch die schwierige Lage in ihren Ländern, die auf strukturelle Umstände zurückzuführen ist“, betonte Ulloa.

Schließlich versicherte sie, dass die mexikanischen Regierungsverantwortlichen den Menschenhandel oder die sexuelle Ausbeutung nicht ordnungsgemäß bekämpften, denn es sei immer noch so, „dass die Frauen ungeschützt dem ausgesetzt sind, was der bezahlende Konsument mit ihnen machen will.“

CC BY-SA 4.0 Gewalt gegen Escort-Arbeiterinnen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ein Gedanke zu “Gewalt gegen Escort-Arbeiterinnen

Das könnte dich auch interessieren

Argentinien: 90 Frauenmorde innerhalb von 120 Tagen
145
(Buenos Aires, 9. Mai 2019, ANRed).- Auf Initiative der feministischen Organisation MuMaLá – Frauen des Lateinamerikanischen Mutterlands (Mujeres de la Matria Latinoamericana) wurde das Nationalregister der Frauenmorde ins Leben gerufen. Ausgewertet werden Printmedien und digitale Nachrichten. Nun liegen die Zahlen für die ersten vier Monate dieses Jahres vor: 90 Femizide. Das bedeutet: Im Schnitt wird alle 32 Stunden eine Frau umgebracht. Statt Maßnahmen für ein gewaltfreies...
Mord an Lesvy und Aidée: Demonstrantinnen fordern Gerechtigkeit
43
(Mexiko-Stadt, 3. Mai 2019, cimacnoticias).- Am 3. Mai hat sich zum zweiten Mal der Tag gejährt, an dem die damals 22-jährige Lesvy Berlin Rivera Osorio auf dem Gelände der Nationaluniversität UNAM getötet wurde. Mittlerweile ist ihr Exfreund Jorge Luis G. wegen Femizides angeklagt, doch dass es den Gerichtsprozess überhaupt gibt, ist allein dem mutigen Kampf von Lesvys Familie zu verdanken. Das hat die Generalstaatsanwältin der Stadt Mexiko, Ernestina Godoy Ramos, in einem ö...
Schutzprogramm für Journalist*innen unzureichend
51
(Berlin, 23. April 2019, npl).- Seit dem 19. April befindet sich in der südmexikanischen Hafenstadt Salina Cruz der Journalist Jesús Hiram Moreno im Hungerstreik. Kurz zuvor hatte ihm die Polizei mitgeteilt, dass er fortan keinen Personenschutz mehr erhalten wird. Dagegen, und weil es keine Fortschritte bei den Ermittlungen zu dem Anschlag auf ihn gibt, protestiert Hiram Moreno mit seinem Hungerstreik. Einen Monat zuvor, am 20. März, wurde Moreno durch mehrere Schüsse verl...
Mexiko: Gewaltrekord im ersten Quartal 2019
242
(Mexiko-Stadt, 23. April 2019, npl).- Das jüngste Massaker an 13 Personen, die am 19. April in der Stadt Minatitlán im mexikanischen Bundesstaat Veracruz an einer Familienfeier teilnahmen, legte den Finger noch einmal tief in die Wunde. Die teils naiven Hoffnungen, mit dem Amtsantritt von Präsident Andrés Manuel López Obrador (Amlo) am 1. Dezember 2018 würde sich die Verbrechens- und Menschenrechtslage in Mexiko schnell und radikal verbessern, haben in den vergangenen Monaten...
Argentinien #19F: Wieder landesweite Proteste für das Recht auf Abtreibung
115
(Buenos Aires, 21. Februar 2019, ANRed).- Der 19. Februar ist zu einem weiteren Tag des feministischen Kämpfens und Zusammenkommens geworden, seit vor einem Jahr der erste landesweite „Pañuelazo“ durchgeführt wurde. Die grünen Halstücher (pañuelos) sind das Symbol der Bewegung für das Recht auf Abtreibung und dürfen bei keinem Protestmarsch fehlen. Bisher wurde das neue Gesetz zur Legalisierung von Abtreibung nur im Abgeordnetenhaus verabschiedet, der Senat stimmte dagegen. ...