Dominikanische Republik

Gericht verhindert Entkriminalisierung der Abtreibung


Protest gegen Abtreibung

Abtreibung bleibt verboten / Foto: Adital

(Fortaleza, 23. Dezember 2015, adital).- Nach der Annullierung der Strafrechtsreform bleibt der Schwangerschaftsabbruch in der Dominikanischen Republik auch weiterhin uneingeschränkt eine Straftat. Präsident Danilo Medina hatte am 19. Dezember 2014 die umfassende Reform des Strafrechts verkündet und damit die Einstufung der Abtreibung als Straftat in drei Fällen aufgehoben: Wenn die Schwangerschaft eine Risiko für das Leben oder die Gesundheit der Mutter darstellt, wenn der Fötus nicht außerhalb der Gebärmutter überleben könnte oder im Falle eine Vergewaltigung. Nachdem jedoch religiöse und konservative Gruppen Einspruch eingelegt hatten, erklärte das Verfassungsgericht die Reform für verfassungswidrig.

Das von Präsident Medina vorgeschlagene Gesetz 550-14 war Teil des neuen Strafrechts der Dominikanischen Republik, die ursprünglich vom 20. August 1884 stammte. Einsprüche dagegen erhoben wurden von der Stiftung für Justiz und Transparenz FJT (Fundación Justicia y Transparencia), der Stiftung für Transparenz und Demokratie und der Stiftung für eine glückliche Ehe. Die Einwände richteten sich gegen die Artikel 107, 108, 109 und 110, die im Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbrüchen stehen.

Amnesty: Rückschlag für Frauenrechte

Für Erika Guevara Rosas, Direktorin des Regionalprogrammes für Amerika bei Amnesty International, bedeutet die Entscheidung mitten im 21. Jahrhundert einen Rückschritt für die Menschenrechte der Frauen. „Die Auswirkungen dieser Entscheidung werden katastrophal für die Frauen und Mädchen der Dominikanischen Republik sein. Sie werden weiterhin bestraft, diskriminiert und gezwungen, sich gefährlichen Abtreibungen zu unterziehen, da man ihnen den Zugang zu einer legalen medizinischen Behandlung ohne Risiken verwehrt.“

Nach Daten verschiedener Gesundheitsorganisationen werden im Land jedes Jahr heimlich 85.000 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Ungefähr 15.000 Frauen suchen mit schweren gesundheitlichen Beschwerden öffentliche Krankenhäuser auf, nachdem sie sich einer illegalen Abtreibung unterzogen haben. Laut Amnesty zeigen die Zahlen, dass ein komplettes Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen deren Durchführungen nicht etwa verringert, sondern das Risiko für die Frauen erhöht, an illegalen und unsicheren Abtreibungen zu sterben. Für die Weltgesundheitsorganisation WHO führt das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen zu einem „erschreckenden Nebeneffekt“ unter den Ärzten und zieht vor allem arme Frauen und Mädchen in ländlichen und abgelegenen Gebieten in Mitleidenschaft.

Die Informationen wurden von Amnesty International zur Verfügung gestellt.

 

CC BY-SA 4.0 Gericht verhindert Entkriminalisierung der Abtreibung von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Bergbaufreie Zone in Guerreros Hochland Von Gerold Schmidt Herlinda Solano will keinen Bergbau auf dem Territorium der Gemeinde / Foto: MR-Zentrum Tlachinollan (desinformemonos) (Mexiko-Stadt, 26.Juli 2017, npl).- Die me'phaa-Gemeinde San Miguel del Progreso (von den me'phaa selbst Júba Wajíin genannt) im Bundesstaat Guerrero erreichte in ihrem Kampf gegen Bergbaukonzerne einen Urteilsspruch, der von Expert*innen als „historisch“ eingestuft wird. Die zuständige Richterin am Distriktgericht in Chilpancingo, d...
Übertragung des HIV-Virus von infizierten Schwangeren auf ihre Kinder eingedämmt (Lima, 28. Juni 2017, noticias aliadas-poonal).- Nicaragua veröffentlichte am vergangenen 13. Juni einen Bericht zur Situation von HIV-Aids im Land. Der erste Fall war 1987 bekannt geworden. Seither wurden im Land 12.157 Menschen mit HIV registriert. Dabei handelte es sich in 65 Prozent der Fälle um Männer, 35 Prozent der Infizierten waren Frauen. Während der vergangenen 30 Jahre sind 20 Prozent der Infizierten (2.429 Personen) gestorben. Nach Angaben des Gesundheitsminist...
Hunderte Verfahren gegen Monsanto wegen Krebs durch Glyphosat Von Silvia Ribeiro* Mit oder ohne Einsatz von Glyphosat angebaut? / Foto: Cimmyt, CC BY-NC-SA 2.0, flickr (Mexiko-Stadt, 8. Juli 2017, la jornada).- Seit dem 7. Juli hat der US-Bundesstaat Kalifornien Glyphosat in die Liste der krebserregenden Substanzen aufgenommen. Glyphosat ist der Hauptinhaltsstoff des Pflanzengiftes RoundUp von Monsanto (enthalten ebenfalls in Faena, Rival, Machete und anderen Marken). Innerhalb eines Jahres muss es in Kalifornien als potentiell k...
Bundesstaat Coahuila: Morde, Verschwindenlassen und Folter sollen vor den Internationalen Strafgerichtshof Zumindest in Coahuila wohl nicht nur ausschließlich im Auftrag des Staates im Einsatz: Die mexikanische Bundespolizei / Foto: Jesus Villaseca Perez, CC_BY-NC-SA 2.0 (Mexiko-Stadt/Berlin, 23. Juli 2017, poonal).- Am 6. Juli übergab die Internationale Föderation für Menschenrechte FIDH (International Federation for Human Rights) gemeinsam mit mehr als 100 mexikanischen Organisationen dem Internationalen Strafgerichtshof in den Haag (IStGH) einen detaillierten Bericht* über ...
Autoritärer Umbau von Staat und Justiz Von Jutta Blume Kämpft gegen den undemokratischen Umbau von Staat und Justiz: Die ehemalige Richterin Tirza Flores / Foto: Hondurasdelegation (Berlin, 23. Juli 2017, npl).- Im November finden in Honduras Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Der amtierende Präsident Juan Orlando Hernández wird sich dabei zur Wiederwahl stellen, obwohl die Verfassung das bislang verboten hatte. Da Hernández‘ Nationale Partei die staatlichen Institutionen weitgehend kontrolliert,...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.