Brasilien

Gericht stoppt Vermarktung von Genmais des Bayer-Konzerns


(Rio de Janeiro, 28. Juli 2010, púlsar).- Der Bundesgerichtshof des brasilianischen Bundesstaates Paraná hat dem Pharma-Multi Bayer die Zulassung für die Vermarktung der genetisch veränderten Maissorte Liberty Link entzogen und das Vorgehen der für die Genehmigung von transgenen Pflanzensorten zuständigen Behörde CTNBio (Comissão Técnica Nacional de Biosegurança) in Frage gestellt. Mit ihrer Entscheidung vom 27. Juli 2010 hat die Bundesrichterin Pepita Durski Tramontini die Organisationen, die mehr Transparenz und schärfere Kontrollen bei der Zulassung und Vermarktung von GVOs (Genetisch Veränderten Organismen) fordern, gestärkt.

Dem Urteil zufolge ist Bayer die Vermarktung der Maissorte Liberty Link, die gegen das von Bayer produzierte Herbizid Liberty mit dem Wirkstoff Glyphosinat resistent ist, in ganz Brasilien untersagt. Die Richterin bemängelte das Fehlen einer effektiven Kontrolle für den Zeitraum nach der kommerziellen Zulassung. Dieser Kontrollmechanismus, laut Statut der CTNBio zwingend vorgeschrieben, soll die Kontaminierung herkömmlicher Sorten verhindern und das Recht auf transparente Information garantieren.

Bei Missachtung der richterlichen Weisung muss Bayer täglich umgerechnet gut 20.000 Euro Strafe zahlen. Mit sofortiger Wirkung muss der Konzern die Vermarktung, Aussaat, Transport und den Import der betreffenden Maissorte aussetzen.

Die Gerichtsentscheidung hat auch Auswirkungen auf das Vorgehen der CTNBio selbst. Die Behörde ist in Zukunft gezwungen, die Prozesse der GVO-Zulassungen der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seit 2007 kritisieren NGOs und Umweltaktivist*innen, dass die CTNBio die Informationen über die Zulassungsprozesse zurückhält. Dies, so die Kritiker*innen, verletze das Recht auf Information und den Umgang mit Dokumenten von öffentlichem Interesse.

Die Gerichtsentscheidung geht auf eine Klage aus dem Jahr 2007 zurück, die von den Organisationen Terra e Direitos, AS-PTA, IDEC und ANPA eingereicht wurde. Ziel der Klage war es, die CTNBio dazu zu bewegen, die durch GVOs hervorgerufenen Risiken für Gesundheit und Umwelt adäquat zu analysieren, Transparenz zu gewährleisten und die Kontaminierung herkömmlicher Sorten mit genverändertem Material in der Landwirtschaft zu verhindern.

CC BY-SA 4.0 Gericht stoppt Vermarktung von Genmais des Bayer-Konzerns von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

onda-info 432 Hallo und Willkommen zum onda-info 432! Wir starten mit einer kurzen Nachricht zu den Wahlen in Paraguay vom 23. April 2018. Dann geht es nach Kuba. Auch dort hat es "Wahlen" gegeben - die Nationalversammlung hat Miguel Díaz-Canel zum neuen Präsidenten Kubas ernannt. Damit ist zumindest formell kein Castro mehr an der Staatsspitze. Wir haben uns in Havanna mal umgehört, wie die Leute die Veränderungen der letzten Jahre bewerten und ob sie Erwartungen an die neue Staatsf...
El Salvador: Teodora Vásquez ist nach über zehn Jahren frei! Von Chris Klänie (San Salvador, 21. Februar 2018, amerika21).- Teodora del Carmen Vásquez ist nach mehr als zehn Jahren Gefängnis in El Salvador Ende vergangener Woche freigelassen worden. Sie war im Jahr 2007 zu 30 Jahren Haft verurteilt worden, nachdem sie eine Totgeburt erlitten hatte. Das Gericht hielt es damals für erwiesen, dass sie ihr Kind bei der Geburt getötet hat. Menschenrechtsorganisationen wie die Bürgervereinigung für die Entkriminalisierung der Abtreibu...
„Uns bringt das Erdöl gar nichts!“ Der Staat, private Unternehmen und internationale Konzerne - sie alle fördern seit Jahrzehnten Erdöl im peruanischen Amazonasgebiet. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Umweltverschmutzungen und zu Konflikten mit den dort lebenden Indigenen. Für viele der Ölaustritte ist eine Pipeline verantwortlich, die von den Ölfeldern im Amazonasgebiet bis zu den Häfen an der Küste führt. Die Pipeline "Oleoducto Norperuano" gehört der staatlichen Erdölgesellschaft Petroperú. Die Pipel...
Uruguay: Zwischen Straflosigkeit und Aufklärung Uruguay ist heute eine der fortschrittlichsten Demokratien der Welt. Doch hat es das Land geschafft seine jüngere Geschichte aufzuarbeiten? Wenn die Vergangenheit unter Beteiligung der Zeitzeugen aufgeklärt werden soll, dann ist jetzt die letzte Chance, denn sowohl Täter, als auch Opfer werden nicht mehr lange leben... Wir hören einen Beitrag von Valentin der Negri. Er wagt einen Rückblick auf die Militärdiktatur der siebziger und achtziger Jahre und geht der Frage nach, wi...
2017: Femizide in der Dominikanischen Republik steigen an Von Mercedes Alonso Romero (Santo Domingo, 9.Januar 2018, SEMlac).- Die dominikanische Gesellschaft ist sich bewusst, dass das Jahr 2017 mit einer der höchsten Femizidraten geendet hat. Ein Missstand der dafür sorgt, dass die Dominikanische Republik im regionalen Ranking der Femizide noch weiter nach vorne auf die ersten Plätze rutscht. Zwei von fünf Todesfällen sind auf häusliche Gewalt zurückzuführen. Das zeigt der Bericht „Vom Abkommen zur Aktion: Politische Prax...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.