Karibik Puerto Rico

Genmanipulierte Karibik


von Carmelo Ruiz Marrero

(Quito, 08. März 2010, alai).- Seit den 80er Jahren ist Puerto Rico zu einer wichtigen Plattform für die Biotechnologie-Industrie geworden, die das Land für Experimente sowie für die Weiterverbreitung von gentechnisch verändertem Saatgut nutzt. Diese Aktivitäten in Forschung und Entwicklung sind kurz davor, in weit größerem Stil betrieben zu werden, wie in einem Artikel der lokalen Tageszeitung El Nuevo Día, in der Ausgabe vom 7. Februar 2010, berichtet wird. In der Reportage heißt es wörtlich:

„Saúl Rosado, Präsident der Puerto Rico Forschungsgemeinschaft Saatgut (Puerto Rico Seed Research Association), bestätigte, dass die Tochtergesellschaften von europäischen und US-amerikanischen multinationalen Konzernen in Puerto Rico dabei sind, ihre Operationen auszuweiten, um der steigenden Nachfrage nach Saatgut zu begegnen… Manuel Pérez, Manager des Maisprojekts von Monsanto Caribe, bekräftigte die Expansionspläne der Firma auf der Insel.“

Derzeit gibt es auf der Insel neun Saatgutkonzerne, die alle in der Puerto Rico (PR) Forschungsgemeinschaft Saatgut zusammengeschlossen sind, unter ihnen Monsanto, Syngenta, Pioneer, Dow Agroscience und Bayer Cropscience. Die Konzerne besitzen auf Puerto Rico mehr als 2194 Hektar Land, auf denen Mais, Soja, Sorghum, Sonnenblumen, Baumwolle und andere Pflanzen angebaut werden. Die Felder befinden sich in den Gemeindebezirken Lajas, Sabana Grande, Juana Diaz, Santa Isabel, Salinas, Guayama, Isabela und Aguadilla. Weltweit machen Mais, Soja und Baumwolle den größten Anteil an gentechnisch veränderten Pflanzen aus.

Der US-amerikanische Konzern Monsanto ist der größte Saatgutkonzern. Er kontrolliert weltweit 90 Prozent des Marktes an gentechnisch verändertem Saatgut und agiert, gemäß den Angaben auf seiner eigenen Internetseite, seit 1983 unter dem Namen Monsanto Caribe in Puerto Rico. In Juana Díaz, einem Dorf an der Südküste der Insel, besitzt der Konzern etwa 809 Hektar Ackerland, auf denen er Soja, Mais, Baumwolle und Sorghum anbauen lässt.

In dem Gemeindebezirk Isabela, im Nordosten der Insel, südlich der Autobahn Nummer 2, unterhält Monsanto Caribe seine Büros und lässt auf etwa 130 Hektar Fläche Samen ausbringen. Auf der anderen Seite der Autobahn befindet sich ein Versuchsstandort der Universität von Puerto Rico UPR (Universidad de Puerto Rico), wo mit finanzieller Unterstützung der Bill & Melinda Gates-Stiftung eine gentechnisch veränderte Yukka-Pflanze gezüchtet wird, die in Afrika zum Einsatz kommen soll. Durch Manipulationen im Erbgut dieser Yukka-Pflanze soll ihr Vitamin A-, Eisen-, Zink- und Proteingehalt gesteigert werden.

Dieses Projekt steht unter der Aufsicht von Dimuth Sritunga, Professor des Recinto Universitario de Mayagüez RUM der UPR. Er leitet zudem das Programm Biocassava Plus der Gates-Stiftung, welches darauf abzielt, die Nährstoffe von Maniok in Afrika mittels konventioneller Züchtungsmethoden, sowie durch genverändernde Methoden der Biotechnologie zu steigern. Das RUM ist eine von elf Institutionen, die am Programm Biocassava Plus teilnehmen. Die bedeutendste ist das Danforth Plant Science Center, eine nicht profitorientierte Institution, deren Sitz in der US-Stadt St. Louis liegt. Das Forschungszentrum wurde 1998 mit Geldern der Monsanto Stiftung gegründet. Hugh Grant, Chef von Monsanto, ist Vorstandsmitglied von Danforth.

Tom Philpott, Journalist der Umweltzeitschrift Grist, bemerkt dazu: „Ich finde die Aussage zutreffend, dass Danforth der nichtkommerzielle Arm von Monsanto für Forschungszwecke ist.“

Quellen:

– Aura Alfaro “Crean ‘superyuca’ en Mayagüez” El Nuevo Día, 28 de febrero 2010.

– Aura Alfaro “Germina la innovación” El Nuevo Día, 7 de febrero 2010.

– Biocassava Plus http://biocassavaplus.org/ Danforth Plant Science Center.

– http://www.danforthcenter.org/ Monsanto Puerto Rico http://www.monsanto.pr/nuestra_empresa/historia/monsanto_puertorico.asp

– Tom Philpott “USDA research chief concerned about ‘safety of organic food’” Grist Magazine, 2 de marzo 2010. http://www.grist.org/article/usda-research-chief-concerned-about-safety-of-organic-food

Weitere Informationen (Spanisch): http://bioseguridad.blogspot.com/search/label/Puerto%20Rico

CC BY-SA 4.0 Genmanipulierte Karibik von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Senat verabschiedet Gesetz zur Plünderung der Biodiversität Von Silvia Ribeiro (Mexiko-Stadt, 23. Dezember 2017, la jornada).- Fast am Ende der letzten Sitzungsperiode 2017 und in derselben Marathonsitzung, in der das perverse Gesetz über die Innere Sicherheit verabschiedet wurde, segnete der Senat ebenfalls das Allgemeine Biodiversitätsgesetz ab - so als ob es sich um ein reines geschäftsmäßiges Detail handelte. Doch ganz im Gegenteil ist es ein Gesetz, das eine neue Plattform für die Privatisierung der biologischen Vielfalt e...
Maya-Gemeinden der Halbinsel Yucatán streben Bündnis an Von Gerold Schmidt (Mexiko-Stadt, 13. Dezember 2017, npl).- „Wir wollen ein würdiges Leben auf unseren Böden“, erklärt die Maya-Imkerin Leydy Aracely Pech Martin auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Vertreter*innen von mehr als 30 Gemeinden aus der gesamten Halbinsel Yucatán. Die Maya-Gemeinden kündigen Anfang Dezember in der Stadt Campeche ein gemeinsames Bündnis an. Sie wollen einen eigenen Entwicklungsplan für die Region erarbeiten, der ihren Lebensformen entspri...
Genehmigungen für Gensoja-Anbau zurückgezogen – Schwere Vorwürfe gegen Monsanto Von Gerold Schmidt (Mexiko-Stadt, 28. November 2017, npl).- In einer völlig überraschenden Entscheidung hat das mexikanische Landwirtschaftsministerium die im Juni 2012 dem Monsanto-Konzern erteilte Genehmigung für die kommerzielle Aussaat von Gensoja in den sieben Bundesstaaten Tamaulipas, San Luis Potosí, Veracruz, Chiapas, Campeche, Yucatán und Quintana Roo widerrufen. Bisher war aufgrund von richterlichen Entscheidungen nur der Gensoja-Anbau in einigen Landkreisen ...
Freie Fahrt für europäische Unternehmen: Die Neuverhandlungen des Abkommens EU/Mexiko Mexiko ist ein wichtiger Markt für europäische Unternehmen. In erster Linie allerdings als Durchgangsstation auf dem Weg in den noch viel attraktiveren US-amerikanischen Markt. Durch das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA kommen auch europäische Firmen, die in Mexiko produzieren, in den Genuss zollfreier Exporte in den Norden. Doch da US-Präsident Donald Trump NAFTA nun neu verhandelt, ist unklar wie es damit in Zukunft weitergehen wird. Auch vor diesem Hintergrund t...
Vormarsch des Agrobusiness gefährdet Ernährungssicherheit in Südamerika Von Andreas Behn, Rio de Janeiro (Rio de Janeiro, 07. September 2017, npl).- Sojaplantagen soweit das Auge reicht. Einige Landstriche des lateinamerikanischen Binnenlandes Paraguay sehen aus wie eine einzige Monokultur. Von der früheren Waldlandschaft ist kaum ein Baum übriggeblieben. Ökolog*innen sprechen von einer 'grünen Wüste'. Das Agrarbusiness macht mit dem Export gute Gewinne, doch Lebensmittel werden immer weniger produziert. Die Vertreibung von Kleinbauernfami...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.