Brasilien

Geldstrafe für ThyssenKrupp wegen Umweltverschmutzung


(Buenos Aires, 24. August 2010, púlsar).- Das kürzlich fertig gestellte Stahlwerk TKCSA am Westrand der Stadt Rio de Janeiro ist wegen Umweltverschmutzung zu einer Geldstrafe von 1,8 Millionen Reais (umgerechnet 750.000 Euro) verurteilt worden. Anwohner*innen klagen seit Wochen über Beschwerden aufgrund des Ausstoßes von gesundheitsschädlichen Substanzen und haben Klage wegen Umweltverbrechen eingereicht.

Das Konsortium Companhia Siderúrgica do Atlântico, an dem ThyssenKrupp zu 90 Prozent und die brasilianische Vale mit 10 Prozent beteiligt sind, hat maschinelle Probleme im Testbetrieb und konnte das Problem bisher nicht lösen. Als Folge entweichen Schwermetallpartikel in die Luft und verschmutzen die Gegend rund um den von Armut geprägten Vorort Santa Cruz. Das bundesstaatliche Umweltinstitut hat eine Kontrolle durchgeführt und festgestellt, dass im Testbetrieb ernsthafte Probleme aufgetreten sind, die für die extreme Verschmutzung verantwortlich sind. Das Gesetz sieht für diese Art Umweltverbrechen Strafen bis zu einer Höhe von 2 Millionen Reais vor.

Laut Sandra Quintela von der Organisation Alternative Politik im Conosur (Pacs) zeigt die Strafe „ein weiteres Mal den unverantwortlichen Umgang des Unternehmens mit der brasilianischen Gesetzgebung“. Die Wirtschaftswissenschaftlerin erklärt, dass verschiedene Organisationen aufgrund der Verschmutzung und der Folgen für die Bevölkerung sehr besorgt sind. Sandra Quintela berichtet von unzähligen Klagen von Kindern, die – angezogen von den glänzenden chemischen Rückständen – verseucht wurden und Hautverletzungen davon trugen. Erschwerend komme hinzu, dass der örtliche Gesundheitsposten nicht über einen Hautarzt verfügt.

Das Stahlunternehmen hat 15 Tage Zeit, Berufung gegen die Strafe einzulegen. Die Aussicht auf Erfolg wird gering eingeschätzt, da erschwerend hinzukommt, dass die TKCSA es versäumt hatte, die Behörden von dem aufgetretenen Problem zu unterrichten.

Sandra Quintela befürchtet, dass dies erst der Anfang eines Prozesses ist, den sie als „Tragödie für die Bevölkerung von Santa Cruz“ bezeichnet. „Wir wollen verhindern, dass das Unternehmen wie vorgesehen seine Produktion verdoppelt und dass sich weitere Industrien in der Region ansiedeln“, so die Koordinatorin von Pacs. Ein Problem sei allerdings, dass alles, was mit der riesigen ThyssenKrupp-Investition zu tun hat, einem „Gesetz des Schweigens“ unterliegt. Viele Anwohner*innen wurden bereits von lokalen Milizen bedroht und haben deswegen Angst, ihre Klagen öffentlich zu machen. Dem Unternehmen wurde in der Vergangenheit mehrfach vorgeworfen, diese Milizen in ihr Sicherheitskonzept einbezogen zu haben. Sie bestehen zumeist aus ehemaligen Polizisten, die mit Mafia-Methoden Schutzgelder erpressen und wie Todesschwadrone agieren.

Vgl. hierzu auch:

* “Stahl für den Export, Umweltverschmutzung vor Ort” von Andreas Behn in poonal 834: Link

* Radiobeitrag “Entwicklung – Aber für wen? Fischer im Kampf gegen ein ThyssenKrupp-Stahlwerk” von Bettina Hoyer: http://www.npla.de/onda/content/1048

CC BY-SA 4.0 Geldstrafe für ThyssenKrupp wegen Umweltverschmutzung von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Mögliche Bodenabsenkungen und Überflutungen: Geplanter Großflughafen eher für U-Boote? Ein bisschen buddeln, vom Fliegen träumen und dann: Umnutzung? Bestimmt auch eine einträgliche Variante... / Foto: Van Swearingen, cc-by-nc-sa-2-0, flickr(Mexiko-Stadt, 05. Dezember 2016, poonal).- Der geplante neue internationale Großflughafen auf dem Gelände des ehemaligen Sees von Texcoco bei Mexiko-Stadt könnte sich nach Untersuchungen innerhalb von zehn Jahren um drei Meter absenken. Dies äußerten zumindest Teilnehmer*innen eines Forums an der Fakultät für Architekt...
Argentinische Wissenschaftler*innen berichten zu Gesundheits- und Umweltfolgen von Gensoja Von Gerold Schmidt"Für heute Soja - für morgen Hunger" / Foto: Véronique Debord-Lazaro, CC-BY-SA-2-0, flickr(Mexiko-Stadt, 21. November 2016, poonal).- Die argentinische Wissenschaftlerin Alicia Massarini von der Universität von Buenos Aires zeichnete in Mexiko ein verheerendes Bild von 20 Jahren Gensoja in ihrem Land. Auf dem Forum „Wissenschaft, Technologie und Macht“, veranstaltet von der Organisation ETC und der Vereinigung Gesellschaftlich Engagierter Wissenscha...
Yucatans PRI-Gouverneur erklärt den Bundesstaat per Dekret für GVO-frei Von Gerold Schmidt, CeccamYucatans Imker*innen dürften sich über den Vorstoß freuen. Honig ist eine wichtige Einnahmequelle der Kleinbauernfamilien im Bundesstaat / Foto: ecoportal.net(Mexiko-Stadt, 21. November 2016, poonal).- Mit einem überraschenden Dekret hat Yucatans Gouverneur Rolando Zapata Bello den Bundesstaat für frei von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) erklärt. Faktisch richtet sich das Dekret 418/2016 vor allem gegen den Anbau von Gensoja. Die v...
Ist sauberes Trinkwasser bald Vergangenheit? Von Antje ViethNicht im Bild: Die chemischen Giftstoffe in Wasser und Boden / Foto: REDES(Berlin, 28. Oktober 2016, npl).- Bisher war Uruguay eines der wenigen Länder, in denen man unbekümmert den Hahn aufdrehen und selbst in der Hauptstadt Montevideo Wasser direkt aus der Leitung trinken konnte. Dieses für die meisten Europäer*innen ganz selbstverständliche Privileg, ist in den meisten lateinamerikanischen Ländern undenkbar – und nun auch in Uruguay wohl bald Geschi...
Valparaíso: Fischer*innen protestierten mit Barrikaden gegen “Longueira-Gesetz” Dicke Rauchschwaden zeugen von einer Straßenblockade / Foto @luchadora-social, el ciudadano.cl(Santiago de Chile, 26. Oktober 2016, el ciudadano).- Die Aktionen am 26. Oktober waren Teil eines landesweiten Protesttages lokaler Kleinfischerei-Unternehmer gegen das nach dem damaligen Wirtschaftsminister Pablo Longueira als “Ley Longueira” bezeichnete und 2013 verabschiedete umstrittene Fischereigesetz. Die Aktionen der Fischer*innen hatten bereits im September begonnen. Si...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.