Uruguay

Geheimarchiv mit Krankenakten aus Diktaturzeit in Militärkrankenhaus entdeckt


(Buenos Aires, 26. Februar 2010, púlsar).- Das uruguayische Verteidigungsministerium fand in einem Militärkrankenhaus ein riesiges Archiv mit ca. 40.000 Krankenakten aus den 70er Jahren von denen man bisher angenommen hatte, dass sie verloren gegangen oder vernichtet worden waren.

Der Fund wurde im Rahmen einer behördlichen Ermittlung gemacht, die vom uruguayischen Verteidigungsminister Dr. Gonzalo Fernández angeordnet worden war. Erklärtes Ziel des Ministers sei es gewesen, den Verbleib von Krankenakten verschwundener Gefangener aus Diktaturzeiten zu klären, die in den 70er Jahren in das Militärkrankenhaus eingeliefert worden waren und von denen viele noch heute als vermisst gelten.

Im Zuge der Ermittlungen fand man einen Lagerraum mit ungeordneten alten Krankenakten, in denen die Krankengeschichten von verschwundenen Gefangenen vermutet werden, die damals dort behandelt wurden. Für die Ermittlung berief der Minister Spezialist*innen, wie etwa Archivar*innen in sein Team, um an Informationen über ehemalige politische Gefangene zu gelangen, die im Militärkrankenhaus während der Diktatur eingewiesen worden waren und noch als vermisst gelten. Gegenüber der Tageszeitung La República äußerte der Verteidigungsminister, dass „es leider so ist, dass jedes Mal, wenn die Krankenakte eines Vermissten verschwindet, auch seine Geschichte nicht mehr auftaucht“.

Unter anderem brachte Maria Claudia Garcia de Gelman, die 1976 entführte Schwiegertochter des argentinischen Dichters Juan Gelman, in diesem Krankenhaus ihre Tochter zur Welt. Sie war im siebten Monat schwanger gewesen, als sie im Rahmen der Operation „Condor“, bei der argentinische, uruguayische, chilenische und paraguayische Sicherheitskräfte der damaligen Diktaturen gemeinsam gegen Regimegner*innen vorgingen, vom militärischen Geheimdienst SID gefangen genommen worden war. Auch sie gilt heute noch als vermisst.

CC BY-SA 4.0 Geheimarchiv mit Krankenakten aus Diktaturzeit in Militärkrankenhaus entdeckt von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Uruguay: Zwischen Straflosigkeit und Aufklärung Uruguay ist heute eine der fortschrittlichsten Demokratien der Welt. Doch hat es das Land geschafft seine jüngere Geschichte aufzuarbeiten? Wenn die Vergangenheit unter Beteiligung der Zeitzeugen aufgeklärt werden soll, dann ist jetzt die letzte Chance, denn sowohl Täter, als auch Opfer werden nicht mehr lange leben... Wir hören einen Beitrag von Valentin der Negri. Er wagt einen Rückblick auf die Militärdiktatur der siebziger und achtziger Jahre und geht der Frage nach, wi...
Familien der Colina-Opfer protestieren gegen Begnadigung des Ex-Präsidenten Fujimori Von Alberto Ñiquen (Lima, 14. Januar 2018, anred/la mula).- Sie werden stigmatisiert von denen, die die Vergangenheit einfach vergessen wollen. Sie werden als Rachsüchtige bezeichnet, weil sie den Kampf für Gerechtigkeit in Peru nicht aufgeben. Die Rede ist von jenen Peruaner*innen, deren Leben sich zwischen 1991 und 1992 schlagartig verändert hat, als die Todesschwadron Grupo Colina 25 ihrer Familienmitglieder während der Massaker von Barrios Altos und La Cantuta töte...
Wir dokumentieren: Piñera beruft ehemaligen Unterstützer der Colonia Dignidad zum Justizminister Vom Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (Berlin/Santiago de Chile, 25. Januar 2018, fdcl).- „Chile president-elect reveals hardline cabinet with ties to Pinochet", schrieb der Guardian am Mittwoch (24.1.) über die von Sebastián Piñera designierten Minister der künftigen chilenischen Regierung. Ab dem 11. März soll Hernán Larraín von der Partei UDI das Ressort für Justiz und Menschenrechte leiten. Die UDI wurde nach der chilenischen Militärdiktatur...
Warum bloß immer noch … Colonia Dignidad Colonia Dignidad – dieser Name ist bis heute ein Synonym für religiösen Fanatismus, Ausbeutung, sexuellen Missbrauch, Mord – und leider auch für Straflosigkeit. Die Opfer der Anfang der 1960er Jahre vom deutschen Laienprediger Paul Schäfer gegründeten Sektensiedlung im Süden Chiles kämpfen bis heute für Gerechtigkeit. Doch langsam scheint sich etwas in der deutschen und chilenischen Politik zu tun.  Audio-Slideshow über Opfer, Täter und Hintergründe.
Die Begnadigung ist eine Schande (Concepción, 26. Dezember 2017, medio a medio).- Am 24. Dezember 2017 hat der peruanische Präsident Pedro Pablo Kuczynski (PPK) öffentlich angekündigt, den inhaftierten Ex-Diktator Alberto Fujimori aus humanitären Gründen zu begnadigen. Fujimori hatte Peru von 1990 bis 2000 regiert. Aus Protest gegen diese Entscheidung sind tausende Menschen auf die Straße gegangen und wurden von der Polizei gewaltsam zurückgedrängt. Die Demonstrant*innen und Organisationen halten die Entsche...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.