Kolumbien

Friedensgemeinde erneut bedroht


(Fortaleza, 12. Februar 2009, adital).- Die Friedensgemeinde San José de Apartadó, die sich in der Region Urabá im Departement Antioquia im Nordwesten Kolumbiens befindet, hat erneut einen Versuch der 17. Brigade der kolumbianischen Armee angeprangert, die Einwohner*innen der Gemeinde zu erpressen. Seit ihrer Gründung im Jahre 1997 leidet die Gemeinde unter anhaltender Verfolgung und Bedrohung durch die am Bürgerkrieg beteiligten bewaffneten Gruppen in Kolumbien, vor allem durch Paramilitärs.

In einem neuen Kommuniqué unter der Überschrift „Es fehlen die Worte …“ berichtet die Gemeinde, dass Angehörige der 17. Heeresbrigade nach wie vor kriminell und mit der Unverfrorenheit jener agierten, die sich in Sicherheit wiegen, wodurch die Pläne zur Auslöschung der Friedensgemeinde immer offensichtlicher würden. So hätten Offiziere der 17. Brigade erneut versucht, Reinaldo Areiza anzuwerben, ein Mitglied der Friedensgemeinde, zu dem sie schon am 17. Januar Kontakt aufgenommen hatten ( siehe Poonal Nr. 831).

Der neuerliche Erpressungsversuch erfolgte am 7. Februar. Reinaldo Areiza wurde eine Stunde lang von den Streitkräften im Weiler La Esperanza festgehalten, wo er gewöhnlich arbeitet. Ein Offizier beschuldigte Reinaldo, bei der 58. Front der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) für die Finanzen zuständig zu sein, es gebe Beweise dafür. Ihm bliebe nichts übrig, als mit den Militärs zusammenzuarbeiten, um dieses Problem „in Ordnung zu bringen“. Er solle ihnen helfen, die Gemeinde zu zerstören und für sie arbeiten, ohne dass dies jemand bemerke, dabei würde er viel Geld verdienen.

Nach einem Gespräch mit dem Offizier, der Areiza schon am 17. Januar zu erpressen versucht hatte, erklärte man Areiza, man werde ihn gehen lassen, um ihm eine Chance zu geben. Wenn er jedoch nicht mit ihnen zusammenarbeiten und sich nicht bei der Truppe vorstellen würde, käme er ins Gefängnis. Er gab ihm die Nummer eines Mobiltelefons, dort solle er sich melden.

„Es ist nicht das erste Mal, dass sich die 17. Brigade gröbster und infamster Erpressung bedient, um falsche Zeugen zu gewinnen, die ihr helfen sollen, die Friedensgemeinde zu zerstören“, heißt es in der Verlautbarung der Gemeinde. In dem Text werden weitere Fälle von Bestechung und Erpressung von Bewohner*innen der Gemeinde genannt. So wurde im Jahr 2003 ein Jugendlicher erpresst, die Sprecher*innen der Gemeinde als Guerilleros zu denunzieren. Falls er es nicht täte, drohe ihm ein Verfahren wegen angeblicher Zugehörigkeit zur Guerilla.

„Es muss nicht erwähnt werden, wie pervers und schmutzig dies alles ist, doch alle eindringlichen Appelle und Petitionen an diese Regierung, diesen Abscheulichkeiten ein Ende zu setzen, waren unnütz. Es ist auch unnötig, vor den ehrlichen Menschen auf der Welt ein erneutes Wehklagen anzustimmen, damit sie einen derart kriminellen und korrupten Staat verurteilen und verachten. Wir sind uns sicher, dass ein solches Verhalten die Legitimität der Regierung radikal in Frage stellt, wenn sie an den Maßstäben des Anstands gemessen wird, welche die Weltgemeinschaft als zwingend erforderlich erachtet“, hebt das Kommuniqué der Friedensgemeinde hervor.

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