Uruguay

Frente Amplio in Umfragen vorn


von Alice Kohn

tabare-vazquez. Foto: Amerika21/LR21com.uy(Montevideo, 22. Oktober 2014, amerika21.de).- In Uruguay werden am Sonntag, 26.10. im ganzen Land die Wahllokale geöffnet, um den Nachfolger von José Mujica im Präsidentenamt sowie 30 Senator*innen und 99 Abgeordnete für das Repräsentantenhaus zu bestimmen. An einer Kundgebung vor dem Parlament zum Abschluss der Wahlkampagne beteilten sich am 22.10. tausende Anhänger*innen der regierenden Frente Amplio.

Die Meinungsforschungsinstitute Interconsult und Radar haben am 16.10. ihre letzten Umfrageergebnisse veröffentlicht. Die Zahlen fallen in beiden Umfragen ähnlich aus. Demnach soll der Kandidat des regierende Mitte-Links-Bündnisses, Tabaré Vázquez, 42 beziehungsweise 43,5 Prozent der Stimmen erhalten. Die Nationale Partei mit ihrem Kandidaten Luis Lacalle Pou folgt mit 30,4 und 31 Prozent. Die Colorado-Partei, mit Pedro Bordaberry als Kandidat, liegt bei 13 beziehungsweise 18 Prozent der Stimmen. Zudem haben kleinere Parteien mehr Stimmen erhalten. Die sozialdemokratische Unabhängige Partei gewänne sogar einen Sitz im Senat.

Stichwahl wahrscheinlich

Da allen Prognosen nach im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten wird, ist eine Stichwahl zwischen den beiden stärksten Kandidaten am 30. November wahrscheinlich.

Der Kandidat der regierenden Frente Amplio, Tabaré Vázquez, hat das Land schon einmal von 2005 bis 2010 regiert. Während seines ersten Mandats hat er Uruguays Wirtschaft gestärkt, sowie erfolgreich Maßnahmen zur sozialen Sicherheit durchgeführt und die Gehälter im Bildungswesen angehoben. Kritik, auch aus der eigenen Partei, hat ihm sein Veto gegen das Abtreibungsgesetz eingebracht.

Frente Amplio profitiert von Mujicas Beliebtheit

Vásquez dürfte von der großen Beliebtheit des amtierenden Präsidenten José Mujica sowie einer erfolgreichen Wirtschafts- und Sozialpolitik von zwei Legislaturperioden der Frente Amplio profitieren. Mujica hat sich durch Maßnahmen wie die Legalisierung von Abtreibung, der Homo-Ehe und dem Cannabishandel als sozialer Pragmatiker ausgezeichnet. Mujica selbst sieht als größte Errungenschaften seiner Regierungszeit die Öffnung und bessere internationale Vernetzung Uruguays. Bei den Wahlen am 26. Oktober kandidiert er für den Senat.

Der aussichtsreichste Kandidat der Opposition, der 41-jährige Luis Lacalle Pou, Sohn des ehemaligen konservativen Präsidenten Luis Alberto Lacalle, trat an, die uruguayische Rechte zu „erneuern“. Seine Nationale Partei, in der er sich gegen einen erfahreneren Mitbewerber überraschend durchsetzte, präsentiert mit ihm den jüngsten Kandidaten. Seine Programmatik verfolgt eine Verringerung der „Einmischung“ des Staates in die Wirtschaft. Die Wahlkampagne von Lacalle Pou vermied jede Konfrontierung mit dem Rivalen von der Frente Amplio. Slogans wie „Wir sind das Heute“ und „Jetzt regieren und gut regieren“ zielten auf Jugendlichkeit und Aufbruch.

CC BY-SA 4.0 Frente Amplio in Umfragen vorn von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

El Salvador: Teodora Vásquez ist nach über zehn Jahren frei! Von Chris Klänie (San Salvador, 21. Februar 2018, amerika21).- Teodora del Carmen Vásquez ist nach mehr als zehn Jahren Gefängnis in El Salvador Ende vergangener Woche freigelassen worden. Sie war im Jahr 2007 zu 30 Jahren Haft verurteilt worden, nachdem sie eine Totgeburt erlitten hatte. Das Gericht hielt es damals für erwiesen, dass sie ihr Kind bei der Geburt getötet hat. Menschenrechtsorganisationen wie die Bürgervereinigung für die Entkriminalisierung der Abtreibu...
Uruguay: Zwischen Straflosigkeit und Aufklärung Uruguay ist heute eine der fortschrittlichsten Demokratien der Welt. Doch hat es das Land geschafft seine jüngere Geschichte aufzuarbeiten? Wenn die Vergangenheit unter Beteiligung der Zeitzeugen aufgeklärt werden soll, dann ist jetzt die letzte Chance, denn sowohl Täter, als auch Opfer werden nicht mehr lange leben... Wir hören einen Beitrag von Valentin der Negri. Er wagt einen Rückblick auf die Militärdiktatur der siebziger und achtziger Jahre und geht der Frage nach, wi...
Kommission beschließt Vorschlag zur Verschärfung des Abtreibungsgesetzes (Buenos Aires, 13. November 2017, anred).- Eine Sonderkommission des Abgeordnetenhauses hat am 9. November einem Vorschlag zur Verfassungsänderung zugestimmt, demzufolge Schwangerschaftsabbrüche selbst nach einer Vergewaltigung unter Strafe gestellt werden sollen (PEC 181). In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die Kommission aus 18 Männern und einer Frau bestand. Die 18 männlichen Mitglieder stimmten für die Gesetzesverschärfung, das weibliche Mitglied dagegen....
Abtreibungsverbot, Schwulenheilung, Kunstzensur – Rechtsruck führt Brasilien tief in die Vergangenheit Von Andreas Behn, Rio de Janeiro (Rio de Janeiro, 26. Oktober 2017, npl).- „Nein, die Mehrheit der Menschen in Rio de Janeiro will diese Ausstellung hier nicht haben!“ Bürgermeister Marcelo Crivella scheint genau zu wissen, was die rund sechs Millionen Bewohner*innen seiner Stadt denken. Zensur sei es nicht, behauptet Crivella, der vor seiner Wahl ins Rathaus als Bischof der evangelikalen Universal-Kirche predigte. Anfang Oktober legte er einen Werbespot auf, in dem er...
Straflosigkeit in Uruguay: Alles damit niemand redet (Berlin, 14. September 2017, npl).- Als in Uruguay 2004 das linke Bündnis Frente Amplio zum ersten Mal in die Regierung gewählt wurde, verbanden viele Menschen damit die Hoffnung, dass nun endlich die Verbrechen aus der Diktatur von 1973 bis 1985 aufgeklärt würden und Schluss sein würde mit der Straflosigkeit für die verantwortlichen Militärs. Sie sollten sich täuschen. Bis heute ist das Amnestiegesetz in Kraft, das den zynischen Namen "Gesetz über die Verjährung des staatlic...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.