Mexiko

Frauenrechtsorganisation erstattet Anzeige wegen Morddrohungen


von Lourdes Godínez Leal

(Mexiko-Stadt, 16. Juni 2008, cimac-poonal).- Anfang Juni haben zwei Mitglieder der Frauenrechtsorganisation Unsere Töchter sollen nach Hause zurückkehren NHRC (Nuestras Hijas de Regreso a Casa) Anzeige bei der Sonderstaatsanwaltschaft für Straftaten gegen Frauen und Menschenhandel in Mexiko-Stadt und Ciudad Juárez gestellt. Wie ihre Anwältin Karla Michel Salas bekannt gab, hatten Marisela Ortiz und Marilú Andrade Morddrohungen erhalten. Die Morddrohungen gegen beide Aktivistinnen der Organisation, die sich für die Aufklärung der Frauenmorde von Ciudad Juárez einsetzt, hatten im Mai nach der mexikanischen Uraufführung des Films Bordertown (Verdades que matan) begonnen (siehe Poonal Nr. 801).

In einem Telefoninterview mit Cimacnoticias teilte Salas mit, sie habe die Sonderstaatsanwältin Guadalupe Morfín um eine umfassende Untersuchung der Drohungen ersucht. Neben Gutachten habe sie auch den Einsatz von „Sofort-Mechanismen“ verlangt, die eine unverzügliche und schlagkräftige Reaktion der bundesstaatlichen und gesamtmexikanischen Behörden in solchen Fällen ermöglichen sollten.

Salas gab außerdem bekannt, dass das mexikanische Außenministerium bei der Interamerikanischen Menschenrechtskommission CIDH wegen der Morddrohungen um Schutzmaßnahmen für die Mitglieder der Organisation NHRC ersucht habe.

Auch Marisela Ortiz, die Vorsitzende von Nuestras Hijas de Regreso a Casa, rief die Sonderstaatsanwaltschaft eindringlich auf, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, da die Einschüchterungsversuche gegen die Aktivistinnen andauerten. Zwar seien dies nicht die ersten Drohungen gegen die Organisation gewesen. In diesem Fall gingen sie jedoch auf ihren Einsatz für den Film Bordertown und die Unterstützung für Aktionen von amnesty international zurück.

„Es fällt schwer, Vertrauen zu haben; nichts gibt uns das Gefühl von Sicherheit. Wenn das Leben in Juárez schon wegen der alltäglichen Gewalt unsicher ist, verdoppelt sich das Risiko für uns und unsere Familienangehörigen durch unsere Tätigkeit noch“, so Ortiz. Trotz der „Ankündigungen”, so versicherte sie, werde die Organisation ihre 2001 begonnene Arbeit in keiner Weise einschränken. Nuestras Hijas de Regreso a Casa werde auch weiterhin den Familienangehörigen der ermordeten und verschwundenen Frauen helfen, auch wenn sie gezwungen gewesen seien, ihre Büroräume zu verlassen.

Die Aktivistin rief alle Feministinnen, Menschenrechtsorganisationen und die Zivilgesellschaft dazu auf, die Geschehnisse in Ciudad Juárez zu verfolgen und die nach wie vor gegen die Frauen ausgeübte Gewalt in der Grenzregion nicht herunterzuspielen.

Von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission werden zur Zeit zwei Fälle von Frauenmord untersucht, die im März 2006 aufgenommen worden waren: der von Silvia Arce, verschwunden im Jahr 1998, und der von Paloma Angélica Escobar, ermordet im Bundesstaat Chihuahua im März 2002. Zwei Beschwerden warten derzeit noch auf eine Annahme: die 2002 vorgelegten Fälle von Lilia Alejandra Andrade und Silvia Elena Rivera.

Auch beim Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte wird derzeit ein erster Feminizid-Fall verhandelt. In dem im November letzten Jahres angenommenen Verfahren geht es um drei Frauen, die in der Nähe von Ciudad Juárez ermordet aufgefunden worden waren.

CC BY-SA 4.0 Frauenrechtsorganisation erstattet Anzeige wegen Morddrohungen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Aktivistin Milagro Sala erneut verhaftet Von Maylin Vidal “Es ist wie ein Alptraum, aus dem ich nicht aufwachen kann“, erklärte Milagro Sala nach ihrer erneuten Verhaftung. Foto: Prensa latina (Buenos Aires, 17. Oktober 2017, cimacnoticias/prensa latina).- Seit Mitte Oktober macht die Nachricht Schlagzeilen in allen argentinischen und auch einigen ausländischen Zeitungen: Die argentinische Aktivistin Milagro Sala muss wieder ins Gefängnis. Der Beschluss sorgte für heftige Kritik seitens verschiedener internat...
Regierung zeigt kein Interesse am Schicksal der 43 aus Ayotzinapa Drei Jahre nach dem Verbrechen wurden die 43 verschwundenen Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa noch immer nicht gefunden. Foto: Desinformémonos (Oaxaca-Stadt, 27. September 2017, educa/desinformémonos).- Drei Jahre nach dem gewaltsamen Verschwindenlassen der 43 Lehramtsstudenten aus Oaxaca hält die mexikanische Regierung noch immer an ihrer Version der „historischen Wahrheit“ fest. Die wahren Schuldigen seien noch immer nicht bestraft worden, beklagten Organisationen der Zi...
Mit dem Ende der Entwaffnung beginnt die Geschichte der FARC-Partei (Montevideo 16. August 2017, la diaria-poonal).- Der letzte Container mit Waffen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) verließ am 15. August eine der Normalisierungs- und Übergangszonen, in denen bis jetzt etwa 7.000 Guerillakämpfer*innen auf ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorbereitet wurden. Damit ist die Entwaffnung der Guerilla beendet. Die Vereinten Nationen, welche die Waffen entgegennahmen, werden diese nun einschmelzen lassen, um daraus drei S...
21.000 ermordete Schüler*innen in sieben Jahren Ermordete Jugendliche in Honduras. Foto: Criterio/Desinformémonos (Tegucigalpa, 24. August 2017, desinformémonos).- In Honduras sind in den letzten sieben Jahren 21.000 Schüler und Schülerinnen sowie Studierende ermordet worden. Das geht aus Statistiken der Beobachtungsstelle für Gewalt der Autonomen Universität von Honduras UNAH hervor. Die meisten der in den Jahren 2010 bis 2016 Ermordeten waren Schüler*innen der Oberstufe. Die Beobachtungsstelle für Gewalt hat im er...
Gegen das Schweigen Von Wolf-Dieter Vogel, Mexiko-Stadt Demonstrieren gegen das Schweigen / Foto: Realidad Expuesta (Mexiko-Stadt, 05. August 2017, npl).- Spähangriffe, Morde, Drohungen - Mexikos Journalist*innen leben gefährlich. Auf die Regierung verlassen sie sich jedoch nicht. Sie wollen ihren eigenen Schutz organisieren. Fünf Tage die Woche, jeden Morgen ab 8 Uhr informiert Carmen Aristegui über die neuesten Ereignisse: über Korruptionsaffären, Bandenkriege und Fußballergebnisse. ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.